Wobsy juckt der Plüsch

Die Frühlingssonne schien warm vom Himmel. Kein Wölkchen war weit und breit zu sehen. Und dennoch schlich Wobsy missmutig und gelangweilt immer wieder um seine Teddymama herum.
„Wobsy, was ist nur mit Dir los? Bitte stehe mir nicht ständig im Weg. Ich möchte hier fertig werden, damit wir zum Flohmarkt gehen können, “ belehrte die Teddymama ihren kleinen Teddy.
„Zum was?“ Wobsy blickte neugierig auf.
„Zum Flohmarkt!“ antwortete die Teddymama kurz und knapp.
Wobsy schlich in den Garten, setzte sich auf den Liegestuhl in die Sonne und dachte nach:
„Dann ist es mit der Langeweile ja bald vorbei. Ich lasse meine Mama nun in Ruhe, damit wir bald zu diesem Flohmarkt aufbrechen können. …. Flohmarkt? Was ist das eigentlich? Nun, was ein Floh ist, weiß ich. Das sind ganz kleine Tierchen, die sich auf die Haut setzen und einem ganz dolle jucken. Mit dem Scherz habe ich Florian, den ich ja immer nur Flo nenne, schon mag geneckt, um ihn aufzuheitern. Was ein Markt ist, weiß ich auch. Die Teddymama geht schon mal zum Markt. Dort kann man einkaufen.“
Plötzlich schoss Wobsy vom Liegestuhl auf und rannte zu seiner Teddymama und fragte sie: „Willst Du Flöhe kaufen?“
Die Teddymama wollte endlich ihre Arbeit zu Ende bringen und sich nicht mit langen Erklärungen abgeben und antwortete deswegen nur kurz und knapp: „Wer weiß?“
Schon trottete Wobsy wieder ab.

Eine knappe halbe Stunde später forderte die Teddymama Wobsy nun auf: „Bist Du startklar? Wir können jetzt los, zum Flohmarkt.“
Zusammen machten sie sich auf den Weg zum Markt. Wo es sonst Stände mit frischem Obst und Gemüse, mit Blumen und Backwaren gab, lagen heute Decken auf der Erde und Kinder hatten darauf ihr Spielzeug ausgebreitet. Dazwischen standen Tische mit Lederwaren, Anziehsachen, Töpfen, Krügen und vieles andere mehr. Wobsy trottete neben seiner Teddymama her und schaute sich ungewöhnlich vorsichtig um. Seine Teddymama war ganz froh, dass er so artig neben ihr herlief und nicht wie sonst so neugierig hin- und herflitze. So brauchte sie nicht ganz so gut auf ihn zu achten und konnte sich die angebotene Ware genau ansehen.
An einem Stand blieb sie stehen und schaute sich die dort angebotenen Handarbeits- und Bastelsachen genauer an und kaufte schließlich Wolle ein.
Wobsy blieb nach wie vor so ungewöhnlich artig und vorsichtig. Dennoch konnte man ihm ansehen, dass er sich sehr genau umsah und konzentriert war.
Auf dem Heimweg belohnte die Teddymama ihren kleinen Bären mit einem Eis.

Während die Teddymama ihre Wolle auspackte, juckte und kratzte sich Wobsy überall. Schließlich stupste Wobsy seine Teddymama an: „Du, Mama, ich habe wirklich ganz dolle aufgepasst, habe nix angefasst und war ganz artig, aber mich juckt es nun überall. Schau doch mal, ob ein Floh vom Markt mitgekommen ist und sich in meinem Pelz breit gemacht hat.“
Die Teddymama musste sich ein herzhaftes Lachen verkneifen, nahm ihren kleinen Bären auf den Arm und kribbelte und krabbelte ihm durch seinen Plüsch:
„Ich kann nichts entdecken! Außerdem gibt es auf einem Flohmarkt keine Flöhe.“
Wobsy sprang empört auf und stemmte seine Pfoten in die Seite. „Waaas?!“, brummte er ungläubig. „Auf einem Flohmarkt gibt es gar keine Flöhe? Soll das heißen, ich bin die ganz Zeit umsonst so artig und brav neben dir her gelaufen?“
„Nicht umsonst, Wobsy. Ich fand es sehr schön, dass du so artig warst und ich in aller Ruhe schauen konnte“, erwiderte die Teddymama und strich Wobsy übers Fell.
„Warum heißt der Flohmarkt denn dann überhaupt Flohmarkt?“ Wobsy juckte immer noch der Plüsch und er kratzte sich schon wieder.
„Nun, genau weiß ich das auch nicht, mein artiges Bärchen! Aber ich weiß, dass man auf einem Flohmarkt immer wieder überrascht wird. Niemand weiß im Voraus was dort alles angeboten wird und man muss die Ware dann mit „Flöhen“ bezahlen. Vielleicht heißt der Flohmarkt Flohmarkt, weil man anstelle von Geld auch schon mal sagt Flöhe, Mäuse, Zaster und noch viele andere Worte.“
Wobsy sprang auf den Schoß seiner Teddymama und schaute ihr gespielt streng in die Augen: „Dann sag das nächste Mal wir gehen zum Mäusemarkt! Die jucken nicht so! Und nun krabble mir den Plüsch, bis es aufhört zu jucken!“

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007