Ein Geist im Handy
Es war schon stockduster draußen. Dennoch klingelte es an der Haustüre. Die Teddymama schaute ihren Wobsy an und fragte: „Wer mag das denn sein?“
Auf dem Weg zur Haustür schmunzelte die Teddymama bereits, denn sie konnte sich denken, dass dort vor der Tür ein menschlicher Geist stehen würde und Süßes fordern würde.
Wobsy schlich etwas ängstlich hinter der Teddymama her und schaute was passierte.
Die Teddymama schob sachte den Vorhang zur Seite und erschreckte den Geist mit einem „Booh!“
Damit hatte der kleine Junge, der sich als Geist verkleidet hatte, nun gar nicht gerechnet und zuckte erschreckt zurück. Dann erst öffnete die Teddymama die Haustüre und der Jung sagte seinen Halloween-Spruch auf: „Gib Süßes oder Du bekommst Saures!“
Die Teddymama reichte ihm zwei Äpfel und sagte: „Hier gibt es was Gesundes!“
Im Wohnzimmer wieder gemütlich auf der Couch eingekuschelt und ganz dicht bei seiner Teddymama fragte Wobsy: „Was war das denn gerade da draußen? Kinder zu so später Stunde und bei der Dunkelheit auf der Straße? Das ist doch gefährlich!!!“
„Na, kleiner Bär, heute ist doch Halloween! Eine „Sitte“, die wir langsam aber sicher aus Amerika in dieser Form übernehmen, dass die Kinder bei Dunkelheit von Haus zu Haus ziehen und Süßes verlangen.“
Langsam
erinnerte sich Wobsy, dass Mercy und Lisa ihn zu Halloween schon mal erschreckt
hatten und Süßes verlangten. So sprang Wobsy von der Couch holte sich ein
kleines Laken und tauchte einige Minuten später vor der eingedösten Teddymama
wieder auf: „Booooooooooooh! Honig oder es gibt ne Gurke!“
Die Teddymama schreckte hoch und lachte laut auf. Dann nahm sie den Wobsygeist auf den Schoß und fragte ihn, ob sie gemeinsam nicht Mensch an Halloween erschrecken wollten.
„Wie sollen wir denn das machen?“ brummte Wobsy unter dem Laken.
„Wir schicken ihm eine Geister-SMS!“ lachte die Teddymama. Und schon sprang Wobsy auf und holte das Handy seiner Teddymama.
„Tippseln musst Du aber. Diese Tasten sind nicht teddytauglich!“ brummte Wobsy und zog sich das Laken vom Kopf, um besser beobachten zu können, was die Teddymama da tippte.
„Booh! Hier ist ein Geist!“ stand wenige Sekunden später auf dem Display und Wobsy durfte die SMS abschicken.
„Da wird sich Mensch aber erschrecken!“ lachte die Teddymama und ernster fügte sie hinzu: „Und Wobsygeister müssen jetzt ins Bett. Wir haben jetzt genug gespukt!“
Nach einer Gute-Nacht-Pfote Honig schlenderte Wobsy auch brav ins Bett. Als Wobsy eingeschlafen war legte die Teddymama das Handy auf Wobsys Nachttisch.
Wenige Minuten später piepste und surrte das Handy, das Display leuchtete grünlich auf und warf einen Schatten an die Wand. Wobsy wachte erschrocken auf. Immer noch piepste und surrte es irgendwo in seiner Nähe und an der Wand sah etwas ganz bedrohlich aus.
„Mama!“ brüllte Wobsy. „Mama, komm ganz schnell! Hier sind echte Geister!“
Schon stürmte die Teddymama an Wobsys Bett. Mit dem Deckenlicht war der Geist an der Wand unsichtbar geworden und auch das Piepsen und surren war verstummt. Die Teddymama nahm das Handy und zeigte es Wobsy. „Eine SMS!“ sagte die Teddymama. „Lies vor!“ stotterte Wobsy kleinlaut.
„Honigschleck und Kürbiskern, der kleine Geist mag Wobsy gern!“ las die Teddymama vor. Wobsy bibberte am ganzen Körper und verkroch sich unter der Decke. Die Teddymama hatte Mühe seine zitternden Worte so gedämpft zu verstehen: „Der Wandgeist ….. der ist …. im …. im Handy! Der will ….. will …… will mich fressen!“
Da Wobsy tief unter die Bettdecke gekrochen war, konnte er nicht sehen, wie seine Teddymama grinste.
„Ja, ja“, sagte die Teddymama gerade einmal laut genug, damit es Wobsy unter seiner Decke verstehen konnte, „Die Geister, die ich rief…!“
„Habe gar keine Geister geruft!“, kam es gedämpft und doch motzig unter der Decke hervor.
Wieder musste die Teddymama schmunzeln, nahm das Handy und wählte die Nummer von Mensch. Nachdem es einige mal getutet hatte, schob sie Wobsy das Handy unter die Decke.
„Hier, der Geist, den Du gerufen hast. Er will Dich sprechen“, sagte die Teddymama mit ernster Stimme.
Mit klopfendem Herzen und zittrigen Pfoten nahm Wobsy den Hörer. „Haaaallo“, flüsterte er mit piepsiger Stimme in den Hörer.
„Was habe ich denn da für einen Angsthase am Telefon“, hörte Wobsy eine Stimme sagen. Erst dann erkannte er, dass es Mensch war. „Ich bin gar kein Angstbär“, motzte Wobsy in den Hörer. „Ich… ich habe nur... so ein klein wenig… habe ich mich erschreckt“, druckste Wobsy herum.
„So, so“, hörte er Mensch sagen. „Und warum das? Kamen etwa die Geister, die Du gerufen hast zu Dir?“
„Menno, ich habe keine Geister geruft“, motzte Wobsy erneut und schlug die Bettdecke zurück, denn jetzt, mit Mensch am Telefon, fühlte er sich richtig mutig. Und dann fügte er etwas leiser hinzu: „Aber, aber der Wandgeist… Duuuuhuuu Mensch, der ist ganz grün, und dieser Wandgeist hat gesagt… dass er mich mag. Und ich will doch nicht gefressen werden“, brummte Wobsy leise.
„Ein grüner Geist? Dem war wohl schlecht“, spottete Mensch am Telefon, so dass Wobsy die Augen verdrehte. „Du hast ja auch noch nie einen gesehen“, brummte Wobsy.
„Ach Wobsy, der Geist wollte Dich doch gar nicht fressen“
„Doooohhhoch!“, behauptete Wobsy felsenfest. „Hat der ja geschreibt. In der EsÄmEs. Kannste meine Teddymama fragen.“
„Wobsy, wenn ich sage, dass ich Dich mag, hast Du dann auch Angst?“
„Nöööö, Du willst mich ja auch nicht fressen.“
„Siehst Du, der Geist wollte Dich bestimmt auch nicht fressen. Als er sagte, dass er Dich mag, meinte er damit, dass er dich gut findet und gerne hat. Wenn Du sagst, dass Du Mercy magst, willst Du ihn ja auch nicht fressen, oder?“
„Stüüüümmt!“, sprudelte es aus Wobsy heraus. „Da muss ich wohl was verwechselt haben. Aber kann ja auch mal vorkommen, in so einer Geisternacht. Aber an der Wand war trotzdem ein grüner Geist“, fügte Wobsy überzeugt hinzu.
„Ganz bestimmt, Wobsy. Aber als weltbester Geisterjäger wirst Du ihn bestimmt in der nächsten Nacht fangen, oder?“
„Oooch, besser nicht“, brummte Wobsy nach kurzem Überlegen. „Schließlich hat er mir ja nix getan….“
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007