Wobsy
und der Schafswolf
(oder: Mensch wird 50)
„Guten Morgen, Du Schlafmütze!“ Die Teddymama krabbelt mit der Hand unter die
Bettdecke und kitzelt Wobsy an den Pfoten.
Wobsy unterdrückt ein Kichern und setzt sich abrupt auf:
„Boah, Mama, was ist denn das für eine Teddyfoltermethode? Frühstück am Bett
wäre mir viel lieber.“
„Mensch, Wobsy, komm aus den Federn. Wir bekommen nachher Besuch und Du musst
Dich um den Durchgangsgast kümmern.“
„ Uiiih, Durchgangsgast, das hört sich aber spannend an. Wer ist es denn?“
„Das weiß ich selbst nicht genau. Ich weiß nur, dass er auf dem Weg zu „Mensch“
ist. Er versucht ihn an seinem Geburtstag zu überraschen und will bei ihm
einziehen.“
Nun hält Wobsy nichts mehr im Bett. Mit einem Satz springt er aus dem Bett,
läuft die Treppe so schnell hinunter, dass er sich nach der letzten Stufe nur
mit einem Purzelbaum abrollen kann.
Auf seinem Teddypopo sanft in der Küche gelandet, ruft er: „Mama, nun komm
schon! Du musst mir alles ganz genau erklären und erzählen und dann müssen wir
für den Durchgangsgast ein Begrüßungsmahl vorbereiten. Was isst er denn gerne?“
Mittlerweile ist auch die Teddymama in der Küche angekommen:
„Ich weiß nicht, was er gerne isst. Aber nun der Reihe nach. Setze Dich an Dein
Frühstück und ich trinke eine Tasse Kaffee und erzähle Dir alles.“
Die Teddymama gießt sich eine Tasse Kaffee ein und stellt Wobsy seinen
Frühstückskakao und sein Honigbrot an seinen Platz:
„Also in ein paar Tagen hat „Mensch“ Geburtstag. Es ist ein besonderer
Geburtstag. Er wird 50…“
Wobsy verschluckt sich fast an seinem Kakao und prustet empört: „Was? 50 Jahre
alt. So ein alter …“
Die Teddymama hält Wobsy die Hand vor sein Teddymäulchen: „WOBSY, pass auf, was
Du sagst. Ich bin schon 51 Jahre alt und finde es nicht angebracht, so
herablassend über das Alter und einen lieben Freund zu sprechen.“
Mit gesenktem Teddykopf druckst Wobsy ein „Tschuldigung“ heraus.
„Also, Wobsy, Du willst doch alles genau wissen, dann iss jetzt Dein Brot und
höre zu. „Mensch“ wird also 50 Jahre und ein „Herr Schawo“ hat mich dieser Tage
angerufen und gefragt, ob er auf der Reise nach Wolfsburg hier Zwischenstation
machen darf. Er wolle Dich kennen lernen, weil Du ja Menschs bester (Teddy-)Freund
bist.“
„Schawo???? …. Was ist denn das für ein Name? …. Da kann ich mir nix drunter
vorstellen. Du?“ brubbelt Wobsy mit vollen Teddywangen.
„Nein. Ich weiß von ihm nur, dass er sich verkleidet, weil die meisten Menschen
und auch Tiere sich vor ihm fürchten.“
Wobsy springt auf und behauptet felsenfest: „Ich habe keine Angst. Weder vor
Bären, noch vor Wölfen, noch vor anderen Fellraubtieren.“ Etwas kleinlauter fügt
er hinzu: „Nur Staubmäuse und Repi… Repu… Repolien, oder wie die Viecher heißen,
mag ich nicht.“
„Reptilien“, verbessert ihn die Teddymama.
„Aber Wobsy, Du könntest Recht haben. Vielleicht ist es ja ein verkleideter
Wolf. Tja und Wölfe haben ja leider einen ziemlich negativen und mystischen Ruf,
dabei sind sie sozusagen die Urväter der Haushunde.“
„Und wie verkleidet sich ein Wolf, um nicht gefürchtet zu werden?“ fragt Wobsy
und fängt sogleich an zu kichern: „Als Un…, als Unschulds…, als
Unschuldslamm!!!!“
Nun muss auch die Teddymama lachen und erklärt schließlich: „Schawo steht für
Schafswolf. Und dass ein Wolf nach Wolfsburg ziehen will ist auch logisch.“
Einige Stunden später klingelt es an der Tür und Wobsy macht freudig die Haustür
auf und begrüßt Herrn Schawo:
„Guten Tag, Herr Schawo! Komm rein! Wir freuen uns und möchten Dir ganz viel von
unserem Freund „Mensch“ erzählen.“
Herr Schawo staunt: „Guten Tag! Du musst Wobsy sein, aber wieso fürchtest Du
Dich nicht vor mir?“
„Och, warum denn? Dass der Wolf so einen schlechten Ruf hat und Schafe für dumm
erklärt werden, da kannst Du ja nix für. Genauso wie Mensch nix dafür kann, dass
er nun ein alter S… öhm…. Tschuldigung…öhm …. Herr wird.“
Schmunzelnd schüttelt die Teddymama den Kopf und bei Kaffee, Kuchen und einem
Tisch voller süßer und herzhafter Leckereien plaudern und tuscheln die Drei über
„Menschs“ bevorstehendes Fest
© Andrea Redmann 2011