Wobsy und die Patenschaft


Wobsy saß gemütlich im Sessel und schleckte seine honigklebrige Pfote, als es an der Haustüre klingelte.
„Das wird die Post sein“, sagte die Teddymama und öffnete die Tür. Wobsy schaute schmatzend über die Sessellehne in Richtung Tür. Die Teddymama hatte Recht, die Postbotin war da. Allerdings kannte Wobsy diese Briefträgerin noch gar nicht. Sie musste neu hier sein.
„Wohnt hier ein gewisser … Wobsy?“, fragte die Briefträgerin und schaute auf die Adresse des Briefes.
Die Teddymama lächelte. „Ja, der wohnt hier“, sagte sie. „Aber der kleine Kerl hat gerade honigklebrige Pfoten. Ich nehme den Umschlag für ihn entgegen.“
Alleine als sein Name fiel, wurde Wobsy hellhörig und neugierig. Schon hüpfte er vom Sessel und lief zur Tür.
„Waaaas? Post? Für mich?“, rief Wobsy. „Von wem, woher, von Mensch?“, brummte Wobsy aufgeregt.
Die Teddymama und die Briefträgerin lachten, als sie sahen, wie Wobsy angelaufen kam.
„Das ist Wobsy“, erklärte die Teddymama und nahm Wobsy auf den Arm.

Die Teddymama nahm den Umschlag entgegen und ging mit Wobsy ins Wohnzimmer zurück.
„Nun mach doch schon aaahaauuuuf!“, drängelte Wobsy ungeduldig.
„Warum denn? Ich weiß ja was da drinnen ist“, neckte die Teddymama ihren Bären.
„Eeeecht? Was denn? Sag schoooon!“
„Eine Überraschung für den neugierigsten Teddybären der Welt“, sagte die Teddymama lachend und tat sehr geheimnisvoll.
„Uiiii! Eine Rüberraschung. Los doch, aufmaaaachen!“, forderte Wobsy und schlug einen übermütigen Purzelbaum.
„Hmmm, eigentlich könnte ich ja erst noch einen Cappuccino trinken“, sagte die Teddymama völlig ernst und legte den Umschlag zur Seite. Dann drehte sie sich um, weil sie sich das Lachen kaum verkneifen konnte.
„Nööö, nö, nö, das geht ja wohl gar nicht!“, protestierte Wobsy. „Ich will das jeeeetzt wissen! Deinen Camputschino kannst Du auch noch hinterher trinken“, motzte Wobsy, schubste die Dose mit dem Cappuccinopulver um und setzte sich demonstrativ darauf. „So!“, brummte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
„OK, OK, dann wollen wir mal Deine Neugierde befriedigen, Wobsy“, sagte die Teddymama schmunzelnd. Langsam riss sie den Umschlag auf und schaute hinein.
„Wow“, sagte sie geheimnisvoll und lächelte.
„Zeig doch, zeig doch“, drängelte Wobsy und hüpfte auf der Stelle, um einen Blick in den Umschlag zu erhaschen.
„Ich sehe eine Überraschung für Wobsy“, neckte die Teddymama ihren Wobsy weiter und hielt den Umschlag so, dass Wobsy nichts sehen konnte.
„Von wem? Und was für eine Raschung. Meenoooooo!“, brummte Wobsy und gab der Teddymama einen Knuff. „Sag schon, schließlich ist das meiiiiiiiiine Post“
„Die Überraschung ist von der liiiiiebsten Teddymama der Welt“, schmunzelte die Teddymama. „Oder bist Du da anderer Meinung, Wobsy?“
Wobsy verdrehte die Augen und schmiegte sich bei der Teddymama an, obwohl er fast vor Neugierde platzte. „Du bist wirklich die liiiiiiebste Teddymama“, brummte Wobsy verträumt.
Dann sprang er auf und stemmte seine Pfoten in die Seite. „So, genug von dem Honigumsmäulchen - Schmiererei. Was ist daaaa drinn!“
Die Teddymama zog eine Urkunde aus dem Umschlag und legte sie vor Wobsy auf den Tisch. Der stand mit in den Seiten gestemmten Pfoten davor und schaute auf das Blatt.
„Urkunde“, brummte er leise. Und dann „Wobsy“.
„Ui, da steht ja mein Name drauf“, sagte er und ein Lächeln huschte über sein Bärengesicht.
„Wort… pa… ten… schaft. Was ist eine Wortschaft?“, wollte Wobsy wissen und schaute seine Teddymama fragend an.
„Das bedeutet, dass ich Dir die Wortpatenschaft für das Wort *Purzelbaum* gekauft habe“, erklärte die Teddymama. „Das Wort *gehört* jetzt Dir und Du musst es pflegen und oft verwenden, damit es nicht in Vergessenheit gerät.“
„Uiii daaaanke“, jubelte Wobsy und fiel seiner Mama um den Hals. „Daaaanke. Hey Leute, ich bin jetzt ein Purzelbaumwortschaftpate“, brummte Wobsy aufgeregt. „Und jetzt pflege ich mein Wort“, rief er und schlug drei Purzelbäume hintereinander, so dass die Teddymama herzhaft lachen musste.
Nachdem sich Wobsy ein wenig beruhigt hatte, hielt er stolz die Urkunde in der Hand, die fast größer war als er selbst.
„Das muss ich uuuuunbedingt Mensch erzählen, dass ich jetzt ein Purzelbaumpate bin“, brummte Wobsy voller Stolz. „Der wird platzen vor Neid“, kicherte Wobsy schelmisch.
„Mensch ist aber auch schon ein Wortpate“, sagte die Teddymama. „Sogar schon ein paar Wochen, Wobsy. Er ist der Pate von dem Wort *Schreiberling*.“
„Menno“, brummte Wobsy und ließ sich auf seinen Po plumpsen. „Dabei war ich sooo stolz.“
„Das kannst Du auch sein“, tröstete ihn die Teddymama. „Und Mensch ist bestimmt auch stolz auf Dich. Komm, wir rufen ihn an und erzählen ihm von Deiner Patenschaft.“
„Au jaaaa“, war Wobsy sofort begeistert dabei. „Oder wir zeigen es ihm am PC“, schlug Wobsy vor. „Los komm doch schon.“
Und schon sprang Wobsy die Treppe zum Arbeitszimmer hinauf und drückte den PC-Knopf und den Bildschirm an.
Es dauerte einen Moment bis der PC hochgefahren war und Wobsy starrte verblüfft auf den Bildschirm: „Mensch, wo bist Du denn?“ Wobsy wollte gerade übermütig mit der Mouse alles Mögliche anklicken, als seine Teddymama ihn gerade noch zurückhalten konnte:
„Halt, Wobsy! Ich muss doch erst den Messenger anmelden, sonst können wir Mensch nicht sehen und mit ihm schreiben.“ Mit wenigen Handgriffen meldete sich die Teddymama an. Wobsy hatte zwar konzentriert zugeschaut, aber das war dann doch zu schnell für ihn. So murmelte er: „Mist, das kann ich nie alleine und heimlich machen!“
„Das ist auch besser so, kleiner Mann!“ schmunzelte die Teddymama.
„Großer Wortpatenteddy, bitte schön! …. Und jetzt darf ich?“ Schon postierte sich Wobsy mit seiner Urkunde vor der Webcam.
Und die Teddymama las ihm vor, was Mensch, der genau in diesem Moment sichtbar wurde, schrieb: „Wow, was für eine Überraschung, hallo Wobsy, was hast Du denn da?“
„Mama, schreib mal für mich: Eine Purzelbaumurkunde!“
„Na, das ist ja toll, Wobsy! Dann sind wir ja jetzt Kollegen! Ich habe eine Schreiberlingurkunde.“
Die Teddymama las Wobsy vor, was Mensch schrieb.
„Nix Kollegen! Wir sind Paten.“ brummelte Wobsy. „Und schreib Mensch noch, er soll noch viele Wobsygeschichten mit Dir schreiberlingen. Das muss er als Pate!“
Und schon schlug Wobsy vor der Webcam einen Purzelbaum nach dem anderen, bis ihm schwindelig wurde. Dann plumpste er auf seinen Po und meinte: „So eine Patenschaft macht schwindelig und hungrig. Ich brauche jetzt Honig!“

 

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007