Wobsys Wortschatz
Wobsy saß mit seiner Teddymama am PC. Die Teddymama machte gerade
ihren internetten Spaziergang. Das heißt, sie besuchte wie jeden Tag einige
Webseiten und las dort die Neuigkeiten. Zu diesen Webseiten gehörten auch die
Seiten, die Mensch gestaltet, und Wobsy wartete schon neugierig, wann die
Teddymama ihr die Neuigkeiten vorlesen würde. Das tat sie immer, aber seit
einigen Tagen schon musste die Teddymama Wobsy enttäuschen, denn es gab keine
neuen Bilder, keine neuen Gedichte und keine neuen Geschichten auf Menschs
Seite.
„Ob wir heute etwas Neues von Mensch zu lesen bekommen?“ Mit diesen Worten
klickte die Teddymama zunächst den Tinten-Tropfen-Blog an.
Dort stand ein neuer Eintrag:
„Es gibt Tage, da fällt einem (oder mir) einfach nichts ein, was man schreiben
könnte. Heute ist so ein Tag. ….... ich warte auf die Wörter!“
Die Teddymama las diese Zeilen mit betrübter Stimme vor. Wobsy wurde unter
seinem Fell ganz blass und er stotterte: „ Mensch, Mensch … hat … kei… keine
Wörter mehr!“
Er plumpste auf seinen Teddypopo und stemmte das Kinn in die Pfoten. Traurig
starrte er vor sich hin. Die Teddymama ließ ihn in Ruhe, denn sie wusste auch
nicht was sie dazu sagen sollte oder wie sie ihrem Teddy erklären sollte, was
mit Mensch los ist.
So verging eine ganze Weile. Wobsy war mittlerweile vom Schreibtisch
heruntergeklettert und tapste mit gesenktem Teddykopf im Arbeitszimmer auf und
ab. Urplötzlich schlug er einen Purzelbaum, kam neben der Teddymama wieder zum
Stehen und prustete heraus: „Ich hab’s!“
Die Teddymama zuckte regelrecht zusammen. Wobsys Schweigsamkeit war ihr zwar
unheimlich vorgekommen, aber nun hatte sie mit so einem Temperamentsausbruch
auch noch nicht gerechnet. „Was hast Du?“
„Ich habe eine Idee! Ich brauche ganz viel Papier und einen Stift.“ Schon
kletterte Wobsy wieder auf den Schreibtisch und wollte sich dort mit Stiften und
Papier bedienen. Die Teddymama hielt ihn jedoch fest: „Wobsy, Du kannst Dir hier
nicht einfach alles nehmen! Was willst Du denn mit Papier und Stift? Malen?
Warte dann gebe ich Dir Deine Malsachen!“
Wobsy plumste wieder auf seinen Teddypopo und schaute die Teddymama streng an: „Paaaah!
Ich will nicht malen! Ich will einen Schatz machen!“
„Was willst Du? Wie soll man aus Papier und Stift einen Schatz machen?“
Ungläubig schüttelte die Teddymama den Kopf und wollte Wobsy schon vom
Schreibtisch heben, weil sie weiter arbeiten musste.
„Halt!“ protestierte Wobsy. „Wir müssen Mensch doch helfen, damit er wieder
schreiben kann. Er wartet doch auf Wörter. Und sind viele Wörter nicht ein
Wortschatz?“
Die Teddymama lachte: „Mensch, Wobsy! Du bist klasse!“
„Teddy, Wobsy!“ verbesserte Wobsy seine Teddymama. „Klasse? Wieso?“
„Na, Mensch hat doch bald Geburtstag und ich bekomme schon graue Haare, weil mir
in diesem Jahr keine Kleinigkeit einfällt, womit ich Mensch eine Freude machen
könnte.“
„Paaah! Kleinigkeit? Es gibt einen ganzen Schatz! Los, lass’ uns einen Schatz
machen!“ Wobsy stupste seine Teddymama an: „Nun mach schon! Wann hat Mensch
Purzelbaumtag?“
„Bald!“ lachte die Teddymama nahm ihren Teddy auf den Arm und drückte ihn
liebevoll und dankbar an sich. „Dann wollen wir mal anfangen!“
„Wir sammeln erst mal Wörter!“ sagte die Teddymama.
„Die brauche ich nicht sammeln, die weiß ich! Nun schreib’ schon auf! ich kann
doch nicht so schnell schreiben mit meinen Pfoten!“ So diktierte Wobsy seiner
Teddymama alle Wörter die ihm in den Sinn kamen. Die Teddymama sortierte die
Wörter in Substantive, Adjektive und Prädikate. Dann druckte sie die Wörter auf
farbigem Papier aus und Wobsy durfte ihr dabei helfen, die vielen kleinen
Zettelchen auszuschneiden. Als sie alle ausgeschnitten waren, falteten die
Beiden die Zettelchen und steckten sie in eine Tüte.
„Das sieht aber doof aus! Und gar nicht wie ein Schatz!“ motzte Wobsy, als er
die Tüte betrachtete.
„Stimmt! Da hast Du Recht! Dann müssen wir eben für die Worte noch eine
Schatztruhe bauen!“ antwortete ihm die Teddymama.
In ihren Bastelmaterialien fand die Teddymama schnell alles um eine einfache
Schachtel in eine Wortschatztruhe zu verwandeln.
Als Wobsy die Zettelchen in die Truhe füllte, sagte er ganz stolz: „Das ist ein
richtiger Wortschatz! Und ich bin der größte Teddywortschatzsucher!“ Er schlug
vor Freude einen Purzelbaum blieb auf dem Teddypopo sitzen und fragte seine
Teddymama: „Ob Mensch sich freut und mit dem Wortschatz wieder schreiben kann?“
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007