Wobsy im Zirkus
„Guten Morgen, Du kleiner Schlafbär!“ Die Teddymama zog vorsichtig an Wobsys
Bettdecke und er brummte sofort: „Wenn nix los ist, darf ich auch mal ein
Schlafbär sein!“
„Na, dann schlaf mal weiter! Ich fahre dann in die Stadt und besuche mit Lisa
und Mercy den Zirkus!“ Die Teddymama wollte sich gerade umdrehen und das
Schlafzimmer verlassen, als Wobsy wie ein Gummiball aus dem Bett hüpfte und
gleich einen Purzelbaum schlug und vor ihren Füßen landete.
„Was? Zirkus? So was wie letztens im Fernsehen? Das gibt es in der Stadt? … Da
will ich hin!“ sprudelte es aus Wobsy heraus, während er seiner Teddymama am
Hosenbein zerrte und die Pfoten hob, um auf den Arm genommen zu werden.
Die Teddymama hob ihn hoch, hielt ich sanft aber bestimmend fest und führte ihn
ins Bad.
„Dann musst Du aber topfit sein!“ Und schon wusch sie Wobsy das Gesicht mit
eiskaltem Wasser. Wobsy prustete dass viele kleine Wassertropfen durch die Luft
sprühten.
„Na! Das hast Du jetzt ja geschafft! Aber ich brauche noch eine Megaportion
Honig, um auch fit zu bleiben.“ Wobsy zappelte solange bis die Teddymama ihn auf
den Boden setzte. Und schon rannte er in die Küche und schnappte sich das
Honigglas. In Windeseile schleckte er eine Pfote Honig nach der anderen, bis er
gesättigt war.
„Fertig! Topfit und starbereit! Wo bleibst Du denn?“
Wenige Minuten später fuhren die Vier mit Bus und Bahn in die Stadt. Dann
mussten sie noch ein Stück zu Fuß laufen, um an den Platz zu kommen, wo das
große Zirkuszelt aufgebaut war. Unterwegs fragte Wobsy ununterbrochen: „Wo ist
denn der Zirkus?“
Schließlich stopfte Lisa ihm ein Honigbonbon in den Mund und sagte: „Mit vollem
Mund spricht man nicht, also frage nicht noch mal!“
Das Honigbonbon wanderte von einer Teddywange in die andere und wieder zurück.
Wobsy strengte sich mächtig an, das Bonbon so schnell wie möglich aufzulutschen,
denn er wollte doch wissen, wann sie endlich beim Zirkus ankamen.
Als er gerade fragen wollte, erblickte er das riesige Zelt. „Boah, ist das der
Zirkus? So groß hätte ich mir den aber nicht vorgestellt!“
„Ja“, sagte die Teddymama hob ihren kleinen Wobsy auf und Arm und meinte: „Nun
bleibst Du hier bei mir, damit ich dich in dem Getümmel nicht verliere.“
Wobsy ließ sich dies bereitwillig gefallen. So konnte er alles besser sehen und
bestaunen. Da waren die bunten Zirkuswagen und vor dem einen oder anderen Wagen
übten Artisten ihren Auftritt. Zuerst aber besuchten Wobsy, Mercy, Lisa und die
Teddymama die Tiere.
Nie im Leben hätte sich Wobsy Elefanten so riesig vorgestellt und als ein Rüssel
auf die Teddymama zukam, um aus ihrer Hand einen Apfel zu nehmen, zuckte Wobsy
ängstlich zusammen und schlüpfte in die Jacke der Teddymama.
„In wenigen Minuten beginnt die Vorstellung! Meine Damen und Herren, liebe
Gäste, bitte nehmen sie Ihre Plätze ein!“ dröhnte es plötzlich durch die
Lautsprecher. Und schon machten sich die Vier auf den Weg ins riesige
Zirkuszelt. Die Teddymama hatte eine abgetrennte Loge direkt an der Manege
reservieren lassen, damit sie ihren Wobsy und Lisa ihren Mercy nicht die ganze
Zeit auf dem Arm halten mussten. Zudem konnten die kleinen bärigen
Zirkusbesucher von dort aus alles am besten sehen und verfolgen.
Wenige Minuten später ging die Vorstellung los.
Alle Vier bestaunten die Akrobaten; Seiltänzer und Dressuren. Wobsy war vor
Erstaunen und Aufmerksamkeit sogar ganz still geworden.
Während dann die Manege für die nächste Aufführung vorbereitet wurde ging ein
Clown an den Logen vorbei und blieb plötzlich vor Wobsy stehen.
„Hallo kleiner Bär!“ sagte der Clown und fragte Wobsy: „Magst Du Honig?“
„Ich bin kein kleiner Bär! Ich bin Wobsy, der weltberühmte Purzelbaum schlagende
Feuerwehrteddy und natürlich mag ich Honig!“
„Na dann beweise mir wie berühmt Du bist!“ Der Clown nahm Wobsy auf den Arm und
führte ihn in die Mitte der Manege.
Mit lauter Stimme bat der Clown um Ruhe im Zelt: „Ich freue mich Ihnen mitteilen
zu dürfen, dass wir einen Überraschungsgast haben.“ Es folgte ein Trommelwirbel.
„Begrüßen sie mit mir den weltberühmten Purzelbaumschläger Wobsy!“ Und schon hob
der Clown Wobsy hoch, so dass ihn alle sehen konnten und alle applaudierten.
Dann warf der Clown Wobsy sanft in die Luft und schnappte ihn auch ebenso sanft
wieder auf. Er setzte Wobsy auf ein Podest und Wobsy machte vor Freude sofort
einen Purzelbaum nach dem anderen, bis er ganz außer Puste war. Die Menge tobte
und zählte aufgeregt mit: „24, 25, 26,…..!“ Der Applaus stachelte Wobsy weiter
an und bei seinem 35sten Purzelbaum landete er unsanft auf dem Po. Völlig außer
Atem, aber mit fester lauter Stimme brummte er gegen das „Ooooh!“ der Menge an:
„Gib mir Honig! Dann schaffe ich 50!“ Die Menge lachte laut auf und Wobsy
verbeugte sich in alle Richtungen und kassierte immer tosenderen Applaus.
Das Klatschen der Zirkusbesucher wurde immer rhythmischer und einer fing an:
„Gebt ihm Honig!“ Bald hörte man einen Sprechchor: „Gebt ihm Honig! Gebt ihm
Honig!“
Der Clown bat mit einer Handbewegung um Ruhe und hob ein Glas Honig in die Luft:
„Das soll ich ihm geben? Dann muss er sich es holen!“
Und prompt antwortete Wobsy: „Da kannst Du lange warten und hier im Kreis laufen
mit dem Honig!“ Wobsy ließ sich auf dem Podest auf den Po fallen und wartete.
Der Clown kam zu ihm und hielt ihm das Honigglas unter die Nase. Aber Wobsy
drehte sich nur weg und wandte sich an die Menge: „Was sollen wir nur mit dem
machen?“
Wie im Chor antwortete das bis dahin stille Publikum: „ Purzelbäume schlagen
lassen!“
„Du hast gehört, was Du tun sollst!“ Wobsy nahm ihm das Glas Honig ab, stellte
es auf das Podest sprang hinunter und schupste den Clown an. Der schlug sofort
einen Purzelbaum und kam wieder zum Stehen. Wobsy schupste wieder und bald
zählten die Zuschauer wieder begeistert mit: „ 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50!“
Nach dem fünfzigsten Purzelbaum blieb der Clown völlig erschöpft auf dem Rücken
liegen. Wobsy sauste und holte das Glas Honig, setzte sich in Siegerpose auf den
Bauch des Clowns und nahm eine dicke Pfote Honig!“
Das Publikum lachte, jauchzte und applaudierte. So stand Wobsy auf, verneigte
sich in alle Richtungen. Der Clown nahm ihn und schlug mit Wobsy in den Armen
einen letzten gemeinsamen Purzelbaum und brachte Wobsy mit seinem verdienten
Glas Honig an seinen Logenplatz zurück.
Kaum war er in der Loge zurück, wurde er von der Teddymama, Lisa und Mercy
beglückwünscht und gelobt.
Wobsy saß ganz stolz da und grinste stolz, als ein Mann mit einer großen Kamera
an die Loge kam.
„Guten Tag, ich bin Reporter von der örtlichen Zeitung und habe eben bei Deinem
tollen Auftritt einige Bilder gemacht“, sagte der Mann zu Wobsy. „Ich würde
diese Bilder morgen gerne in der Zeitung zeigen, wenn Du erlaubst, Wobsy“.
Wobsy schaute seine Teddymama fragend an und die nickte Wobsy lächelnd zu.
„Na klar dürfen sie den weltbesten Purzelbaumschläger und Feuerwehrteddy Wobsy
in der Zeitung zeigen“, brummte Wobsy. „Werde ich dann auch weltberühmt?“
Die drei Freunde und der Reporter lachten. „Na wir werden sehen“, sagte der
Reporter. „Aber Du darfst Dir morgen bei unserer Zeitung ein paar Exemplare und
ein Glas Honig abholen. Abgemacht?“
Der Reporter hielt Wobsy die Hand hin und er schlug ein. „Abgemacht“, brummte
Wobsy.
Um Wobsy herum raunte das Publikum. Alle wollten nun der Zirkusaufführung weiter
folgen und auch die Teddymama hielt Wobsy, Mercy und Lisa an, weiter
zuzuschauen.
Den Reporter verabschiedeten sie mit den Worten: „Wir schauen dann morgen mal in
der Redaktion vorbei.“
© 2007 by Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach