Alles kaputt?

Wobsy saß mit seinen Freunden Lisa und Mercy im Garten. Sie überlegten was sie an diesem schönen Sommertag machen wollten.
Vom Spielplatz her hörten sie Lärm. Ein kleiner Junge schrie ständig herum. Dazu ein Gepolter und Lärm.
„Was ist denn da los?“ fragte Lisa und schon machten sich die Drei auf den Weg zum Spielplatz hinterm Garten und so konnten sie beobachten, wie der kleine Junge mit Steinen auf seine Plastikautos einschlug und gegen und auf den Autos herumtrat.
„Der macht ja alles kaputt!“ brummte Wobsy entsetzt.
„Ja! Der muss auf irgendetwas mächtig sauer und wütend sein,“ ergänzte Lisa Wobsys Feststellung.
Und schon ging Lisa zu dem kleinen Jungen und fragte ihn worauf er denn so böse sei! Der kleine Junge hörte erst gar nicht zu, sondern machte weiter.

„So geht das nicht!“ bemerkte Lisa resignierend, wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen.
„Ja!“ rief Wobsy und rannte schon los zu seiner Teddymama ins Haus.
„Ich brauche Plastiktüten und Handschuhe!“ Und schon zog Wobsy die Schublade mit den Müllbeuteln auf, nahm sich drei Beutel und fragte: „Wo bekomme ich die Handschuhe her?“
„Wozu brauchst Du Handschuhe an einem heißen Sommertag?“ Die Teddymama war neugierig geworden.
„Na, zum Aufräumen! Auf dem Spielplatz liegt ganz viel Abfall und kaputtes Spielzeug rum!“
Die Teddymama lachte: „Deine Arbeitswut muss ich sofort unterstützen!“ Und schon reichte sie Wobsy ein paar Einweghandschuhe.
Lisa und Mercy warteten auf Wobsy im Garten. Als er kam fragte Lisa: „Was hast Du denn nun vor?“
„Na, wartet es ab! Tut mir nur einen Gefallen und macht einfach mit! Ihr dürft sogar lautstark meckern und motzen.“ Wobsy verteilte die Müllbeutel und die Handschuhe und schon gingen alle drei strammen Schrittes zum Spielplatz.
Wobsy hob eine leere Trinktüte auf und meckerte laut: „So eine Schweinerei!“ Lisa hatte Wobsy durchschaut und so näherten sie sich Schritt für Schritt dem kleinen Jungen, der immer noch auf seinem Spielzeug herumtrat. Bei jedem Teil was sie aufhoben und in die Müllbeutel steckten, schimpften sie lautstark und wütend.
Dann nahm Lisa plötzlich das erste kaputte Spielzeugauto, zeigte es Wobsy und Mercy und meinte: „Boah, das ist auch nur noch Müll!“ Wobsy schaute sich das demolierte Auto an und schimpfte: „Ja, nur noch Müll und gefährlich obendrein. An den scharfen Kanten kann man sich selbst schnell verletzen. Ab in den Müllbeutel damit!“
Der Junge starrte die Beiden an, stand ganz still und genau in dem Moment fragte Mercy ihn: „Ist das Dein Auto …. gewesen?“
Kleinlaut antwortete der Junge: „Ja, mein Lieblingsauto!“
„Jetzt fang ja nicht an zu heulen, hast es ja selbst kaputt gemacht!“ motzte Wobsy obendrein.
Und nun gingen Lisa, Mercy und Wobsy zurück zur Teddymama. Dort entsorgten sie den richtigen Müll und zeigten der Teddymama das Plastikauto. „Kann man das noch reparieren?“
Die Teddymama schaute sich das Auto an und schmunzelte: „Ja, wenn ihr das Rad dazu auch noch habt, kleben wir es an.“
In dem Moment klingelte es an der Haustür. Dort stand der kleine Junge mit dem Rad in der Hand und gesenktem Kopf. Leise flüsterte er: „Kann ich bitte mein Auto wiederhaben.“

„Ach, da ist ja der *alles kaputt macher* brummte Wobsy und stupste seinen Freund Mercy grinsend an.
„Stimmt das?“, fragte die Teddymama. „Du hast Dein schönes Auto selbst kaputt gemacht?
Der Junge blieb stumm, schaute weiter verlegen zu Boden und nickte mit dem Kopf.
„Du warst sicher sehr wütend, wenn Du so ein schönes Auto einfach kaputt machst“, sagte die Teddymama und nahm dem Jungen das Rad aus der Hand. „Na, dann komm mal mit rein, ich versuche Dein Auto zu retten.“
Die Teddymama trat zur Seite, doch der Junge blieb vor der Tür stehen. „Ich darf nicht zu Fremden ins Haus“, flüsterte er kaum hörbar.
„Da hast Du Recht, so etwas sollte man nicht tun. Das sage ich meinem Wobsy auch immer“.
„Ist das der, der mein Auto eingesammelt hat?“, wollte der Junge wissen.
„Ja, genau der bin ICH“, mischte sich Wobsy nun ein. „Und das hier sind meine bärigbesten Freunde Mercy und Lisa.“
„Du hast es gut, Du hast Freunde“, flüsterte der Junge leise und drehte sich um, um zu gehen.
„Warte doch, ich muss erst noch Dein Auto heile machen“, sagte die Teddymama zu dem Jungen. „Hast Du es deswegen kaputt gemacht? Weil Du keine Freunde hast?“
„Ja. Außerdem habe ich genug Spielzeug“, motzte der Junge. „Ein gaaanzes Zimmer voll.
„Aber es gibt ganz viele Kinder, die gar kein Spielzeug haben, weil sie arm sind“, sagte Lisa, die auch zur Tür gekommen war. „Meine Eltern haben auch nicht viel Geld und ich habe wenig Spielzeug. Und ich war auch mal so traurig wie Du. Bis ich Wobsy traf. Und dann Mercy. Und da habe ich gelernt, das es viel wichtiger ist, gute Freunde zu haben, als Spielzeug….“.
„Meinst Du, ich sollten den armen Kinder was von meinem überflüssigen Spielzeug abgeben?“, überlegte der Junge laut.
„Das ist alle mal besser, als es kaputt zu machen“, brummte Wobsy.
„Auch wenn man sich Freundschaft nicht erkaufen kann “, sagte jetzt Mercy.
„Aber vielleicht sehen die Kinder ja dann, was für ein netter Junge Du bist und wollen mit Dir zusammen spielen“, meinte Lisa.
Der Junge drehte sich um und lief los. „Halt, wohin so schnell?“, fragte sie den Jungen.
„Spielzeug zusammensuchen, das ich nicht mehr brauche.“
„Und das Auto hier?“, rief die Teddymama und hielt es hoch.
„…schenke ich Euch, ... als Andenken!“, rief der Junge und verschwand hinter der großen Hecke.


© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007