Wobsys Backgeheimnis


Die Teddymama musste ihren Wobsy und die anderen Bären für ein paar Stunden alleine lassen, um Besorgungen zu machen. Wobsy hatte die lange Einkaufsliste gesehen und neugierig gefragt, warum sie denn dieses Mal so viel einkaufen gehen muss und so ungewöhnliche Sachen wie Backpulver, Hirschhornsalz, Krokant, Marzipanrohmasse und viele andere Dinge. Die Teddymama hatte ihm geantwortet, dass sie eine Menge Leute zu Besuch erwarten würde und für den Tag backen wolle.
„Wobsy, ich kann Euch doch mal für ein paar Stunden alleine lassen? Florian ist so lieb und fährt mit mir einkaufen. So viel kann ich unmöglich alleine tragen.“
„Aber klar doch, Mama, ich passe hier auf aaallllllleeeee und aaaallllllleeeesss auf!“ antwortete Wobsy, setzte sich brav auf die Couch und schaute nachdenklich in die Luft.
Die Teddymama konnte es kaum glauben, denn sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass ihr kleiner Feuerwehrteddy unbedingt Florian wieder sehen wollte und somit gebettelt hätte, mit ihr und Florian einkaufen zu fahren.
„Na, dann mache ich mich mal auf den Weg.“ sagte die Teddymama mit nachdenklicher Stimme, nahm den Einkaufszettel noch von ihrem Schreibtisch und ging zur Tür. Wobsy saß fast zu brav auf dem Sofa und blätterte nun in einem Backbuch.

Als die Teddymama gerade die Türe hinter sich geschlossen hatte, sprang Wobsy ganz leise von der Couch schlich zur Haustüre, schob sachte den Vorhang nur so weit zur Seite, dass er nachsehen konnte, ob die Teddymama auch schon nicht mehr in Sicht- und Hörweite war.
Dann lief er ganz schnell zurück zum Telefon. Die Tasten waren zwar für seine Pfoten viel zu klein. Er hatte sich aber gemerkt, dass die Teddymama zuletzt mit „Mensch“ telefoniert hatte, denn „Mensch“ lässt ihn ja immer ganz lieb grüßen. Und die Wahlwiederholung zu drücken, das ging auch mit Wobsypfoten.
„Huhu, Mensch! Ich bin’s, der Wobsy!“ rief Wobsy immer wieder in den Hörer, obwohl am anderen Ende noch gar keiner abgehoben hatte. Wobsy wurde immer aufgeregter und brüllte schließlich genau in dem Moment als „Mensch“ ans Telefon ging: „Mensch, nimm endlich ab ich brauche deine Hilfe!“
„Wer ist denn da?“ Mensch hatte zwar die Worte verstanden, aber die Teddystimme nicht gleich erkannt.
„Mensch, ich bin’s, der Wobsy! Habe ich doch die ganze Zeit schon gesagt!“
„Ist etwas passiert, Wobsy?“ erkundigte sich Mensch sofort.
„Nein, eigentlich nicht! Die Teddymama ist weg zum Einkaufen und ich möchte mit Dir ein Geheimnis machen!“ brummte Wobsy nun etwas vorsichtiger und leiser in den Hörer.
„Ach, Du heckst schon wieder etwas aus? Na dann lass’ mal hören, welche Überraschung Du Dir für die Teddymama ausgedacht hast, bei der ich Dir helfen kann!“ Mensch kannte Wobsy nur zu gut. Er ahnte zwar, dass dabei wieder etwas völlig Unvorhersehbares passieren könnte, aber er wusste auch, dass Wobsy es mit seinen Ideen immer ganz lieb meinte.
„Nun, Du bist doch Kondior… Kondi…. , äh Bäcker. Du hast das doch gelernt, also musst Du mir das jetzt ganz schnell beibringen!“ forderte Wobsy.
„Ja, Wobsy, den Beruf des Konditors habe ich erlernt, aber ich kann Dir das nicht so schnell erklären und beibringen, wie Du Dir das vorstellst. Schon gar nicht in wenigen Minuten am Telefon.“
„Die Mama muss aber ganz viel backen. Dafür kauft sie soviel ein, dass es Florian mit einem großen Feierwehrauto bringen muss.“
Mensch musste lächeln und sah schon die Küche der Teddymama im Chaos versinken. Überall Mehl verstreut, Honigpfoten an den Schranktüren und Teigreste auf dem Tisch.
Sicherlich meinte es Wobsy nur gut und es war auch lieb, dass er beim Backen helfen wollte, doch so ganz alleine sollte er dann doch nicht mit dem Ofen und Mixer hantieren. Das sagte Mensch auch Wobsy, der natürlich sofort protestierte:
„Heeee Mensch, ich will nicht Handtiere sondern wenn überhaupt… Pfotiere“, kicherte Wobsy übermütig. Mensch musste bei der Antwort laut lachen und Wobsy schlug einen übermütigen Purzelbaum, wobei ihm der Telefonhörer polternd aus der Pfote fiel.
„Bist Du noch da, Wobsy? Haaalooo! Wobsy?“
„Jaaaa doch“, brummte Wobsy. „Also, hilfst Du mir jetzt, das Geheimnis zu machen?“, wollte Wobsy wissen. „Immerhin bin ich der suuuper weltbeste Kuchenbacker den es gibt. Und jetzt stelle ich schon mal den Ofen an. Das macht meine Mama auch immer als erstes.“
„Haaalt Wooobsy! Hier geblieben“, stoppte Mensch den Tatendrang des kleinen Teddybären.
„Schau Wobsy, was ich in drei Jahren erlernt habe, kannst Du nicht in 10 Minuten am Telefon lernen.“
„Pah, von wegen 10 Minuten“, widersprach Wobsy. „Das dauert viiiel länger, bis die Mama und Florian wieder da sind. Die müssen doch erst das ganze Feuerwehrauto voll kaufen. Weißt Du, wie groß so ein Wobsyfeuerwehrauto ist, Mensch?“, sprach Wobsy wissend und stemmte seine Pfote in die Seite.
Mensch redete behutsam auf Wobsy ein, um das anstehende Chaos und eine mittlere Katastrophe zu verhindern. „Stell Dir vor, was alles in der Küche passieren kann“, Wobsy.
„Miiiir? Beim Bäcken? Mir doch nicht!“; brummte Wobsy hochnäsig.
„Beim Backen, Wobsy. Es heißt backen.“
„Ist doch egaaaahaaal!“, motzte Wobsy. „Ich will jetzt ein Geheimnis konditorieren“.
„Die lange Nase habe ich gesehen, Wobsy!“, sagte Mensch grinsend in den Hörer. Schließlich kannte er Wobsy nur zu gut.
„Ähhm, iich… laaange Nase?“, stotterte Wobsy, fühlte sich ertappt und war froh, dass Mensch nichts weiter dazu sagte.
„Also pass auf, Wobsy. Du versprichst mir, Herd und Mixer in Ruhe zu lassen und dafür bekommst Du Dein Geheimnis. Rechtzeitig zu Nikolaus. Ich mache leckere Pralinen, die Du dann schön einpacken darfst, nachdem Du sie geigelt hast. Dann schenkst Du sie der Teddymama, Florian und Deinen anderen Freunden Mercy und Lisa. Natürlich auch dem Teddy – Opa. Was hältst Du davon?“
„Iiiiigeln? Nööööööö! Die sind für mich und nicht für den Igel“, protestierte Wobsy lauthals.
Mensch musste herzhaft lachen. „Ach Wobsy, Du bist klasse“, sagte Mensch. „Igeln bedeutet, den glatten Pralinen ihre ungleichmäßige Form zu geben. Dafür taucht man die Pralinen in Schokolade und rollt sie dann auf einem Gitter. Dadurch bekommen sie die Unebenheiten. Das nennt man igeln, Wobsy.“
„Ach soooo“, kam es aus dem Hörer. „Aber Du musst auch Pralinen mit Honig machen“, verlangte Wobsy.
„Ja klar, Wobsy. Für Dich gibt es auch welche mit Honig“, versprach Mensch. „Und dafür wartest Du mit dem Backen auf die Teddymama, versprochen?“
„OoooK“, gab Wobsy nach. „Auch wenn ich nicht weiß, was hier passieren sollte, wenn der suuuper beste Kondi… Bäckerteddy bäckt.“
„Backt, Wobsy, backt. Stell Dir doch mal vor, Du schaltest den Mixer ein und er kippt um. Dann flitzt der über den Tisch und schnappt nach kleinen Teddys. Oder denke nur an den Hefeteig. Der wird immer größer und größer… noch größer als zwei Wobsy Teddys und noch größer als Kicki. Und dann füllt er alles aus und drückt Wobsy an die Wand…“.
Wobsy lauschte den Worten von Mensch und konnte förmlich sehen, wie ihn der zähe Teig an die Wand drückte. „Ist ja schon guuuhuuut!“; brummte Wobsy. „Ich warte ja auf die Teddymama“, versprach er. „Aber die Sache mit den Pralinen ist gebon… ähm geteddyt, versprochen?“
„Geteddyt? Was ist….?“ Erst jetzt verstand Mensch, was Wobsy sagen wollte. „Alles klar, Wobsy, die Sache ist geteddyt. Versprochen!“.
„Du Mensch, ich muss Schluss machen“, flüsterte Wobsy plötzlich. „Ich glaube, die Teddymama und Florian kommen nach Hause. Bis denn und Daaaanke“.
„Gerne Wobsy. Für Dich immer“; sagte Mensch und hörte dann ein Knacken in der Leitung.
Tuuuuuuuut

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006