Und plötzlich war es duster

Wobsy wälzte sich im Bett und konnte einfach nicht einschlafen. Seine Teddymama saß noch am PC und stellte ein paar neue Seiten für Ihre Homepage zusammen, als sie Plötzlich Wobsy rufen hörte: „Mama, darf ich mir noch ein paar Bilderbücher anschauen?“
Die Teddymama nahm die „kleine Raupe Nimmersatt“ aus dem Bücherregal und brachte sie Wobsy ans Bett. Sie schaltete Wobsy die Nachttischlampe an und sagte: „Hier, hast Du noch was zum Anschauen und mach dann bitte die Lampe aus, bevor du einschläfst. „Strom ist nicht nur teuer, sondern wir sollten mit dieser Energie auch so sparsam wie möglich umgehen. Gute Nacht, mein kleiner munterer Wobsy!“

Die Teddymama ging zurück an ihren PC und bastelte weiter an ihrer Homepage. Plötzlich wurde es stockduster und auch der PC schaltete sich ab. Aus dem Schlafzimmer hörte sie Wobsy rufen: „Hilfe, es ist ganz finster.“
Schon stand die Teddymama neben dem Bett und Wobsy zuckte aufschreiend wieder zusammen: „Maaaaammmmmaaaaa! Ein Geist will mich entfüüüühren! Und jetzt packt er auch schon nach mir!“
„Psssst, Wobsy! Das bin doch ich!“ sagte die Teddymama und nahm ihren erschrockenen, zitternden Teddy auf den Arm.
„Ich … ich …. wollte doch nur das Licht ausmachen, ….. wie Du gesagt hast. Jetzt ist aber alles aus, … auch Dein Wecker!....“
Ehe Wobsy weiter sprechen konnte, ergänzte die Teddymama: „Und mein PC und auch alle anderen Elektrogeräte!“
Wobsy schaute zum Fenster und bemerkte, dass auch die Straßenlaterne dunkel war. Und alle anderen Häuser der Straße auch.
„Uuuuiiii, was habe ich denn da angestellt?“, flüsterte Wobsy leise. „Habe ich das jetzt alles kaputt gemacht? ... Habe ich jetzt etwa den ganzen Strom aufgebraucht?"
Die Teddymama tastete sich mit ihm auf dem Arm unterdessen ins Wohnzimmer, um eine Kerze anzuzünden.
Die Kerze brannte gerade, als Wobsy wohl seinen Mut wieder gefunden hatte. Er sprang seiner Teddymama vom Arm und lief zum Telefon. Die Tasten 112 für den Notruf kannte er ja von Florian, aber auch das Telefon funktionierte nicht.
„Maaammmmaaaa, wo ist Dein Handy? Wir müssen den Notruf anrufen! Ich muss dem Florian sagen, dass ich alles kaputt gemacht habe.“
„Halt Wobsy! Nicht so eilig! Das Wichtigste in einer solchen Situation ist, die Ruhe zu bewahren und besonnen zu handeln….“
„Nix, Sonne …. Es ist überall stockfinster! Wo ist denn nun Dein Handy?“
Die Teddymama schnappte sich den an ihr vorbeiflitzenden Wobsy, der auf ihrem Arm weiterhin zappelte und so schnell wie möglich den Notruf wählen wollte.
„Halt, mein Freund! Jetzt hörst Du mir erst mal genau zu. Brennt es?“
„Nein!“
„Ist jemand schwer krank oder verletzt?“
„Nein!“
„Haben wir eine Überschwemmung?“
„Nein!“
„Bist Du außer dem Schrecken in Deinen Teddygliedern irgendwie in einer unerträglichen Notlage?“
Nun folgte ein ganz leises: „Nein!“ aus Wobsys Mund.
„Na, dann komm’ jetzt mal zur Ruhe und höre mir weiter zu: Du hast bestimmt nix kaputt gemacht. Das war nur ein dummer Zufall, dass genau in dem Moment, als Du das Licht ausschalten wolltest, es zu einem Stromausfall gekommen ist. Wir werden noch einige Minuten warten, dann melden wir den Stromausfall dem Notruf, aber nur als Information und nicht als Dringlichkeit für einen Einsatz bei uns hier.“ erklärte die Teddymama.
Mittlerweile hatte sich Wobsy einigermaßen beruhigt und er glaubte seiner Teddymama auch, dass es nicht seine Schuld war, dass überall die Lichter ausgegangen waren.
„Darf ich denn dem Florian das sagen?“
„Nein, Wobsy! Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt Florian ans Telefon bekommen und diese Gespräche müssen immer ganz knapp, sachlich und informativ gehalten werden. Du darfst mir aber zuhören.“
Mittlerweile saßen die Teddymama und Wobsy schon über 15 Minuten im Kerzenschein. Die Teddymama nahm das Handy und wählte den Notruf. Dann sagte sie dem freundlichen Polizisten, zu dem sie mit der Nummer geleitet worden war, ihren Namen, ihren Wohnort und dass der Strom gegen 22:10 ausgefallen sei. Dann hörte sie dem Polizisten noch kurz zu und bedankte sich zum Schluss für die Informationen und legte auf.
„Was hat der Notrufmensch gesagt?“, fragte Wobsy , der fast vor Neugierde platzte und zerrte seiner Teddymama am Ärmel.
„Viele Stadtteile und Städte sind im Moment ohne Strom, die Elektrizitätswerke arbeiten an der Behebung. Wir sollen die Ruhe bewahren und abwarten“, erklärte die Teddymama.
„Komm’, Mama! Wir kuscheln uns hier auf die Couch und erzählen uns Geschichten!“ schlug Wobsy vor.
Die Beiden kuschelten sich aufs Sofa und die Teddymama fragte Wobsy: „was willst Du den für eine Geschichte hören? Eine Gruselgeschichte?“ Sie wollte sich gerade eine Geistergeschichte für ihren kleinen Teddy ausdenken, als überall im Haus wieder das Licht anging.
„Pech gehabt, Mama!“ lachte Wobsy und schlug einen Purzelbaum. „Jetzt kannst Du mich nicht mehr das Gruseln lehren!“

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006