Wobsys erster Schnee
Wobsy wurde wach, als ihn Sonnenstrahlen an der Nase kitzelten. Er hopste aus
dem Bett und lief verschlafen ins Wohnzimmer, um zu sehen, wo seine Teddymama
ist.
„Na Wobsy, Du Langschläfer. Hast Du ausgeschlafen?“, hörte er seine Teddymama
fragen.
Wobsy brummte leise vor sich hin und schaute aus dem Fenster. Irgendetwas war
anders als sonst. Er tapste zur Tür und starrte in den Garten. Verwundert rieb
er sich seine verschlafenen Augen.
„Maaaamaaaaaa!!!“, rief er plötzlich aufgeregt. „Maamaaa! Da hat jemand gaaanz
viel Mehl in den Garten geschüttet!“. Immer noch verwundert und erstaunt schaute
Wobsy auf den Rasen, der jetzt unter einer weißen Schicht verborgen war.
Die Teddymama kam zu Wobsy, schaute in den Garten und fing herzhaft an zu
lachen.
„Ach Wobsy, Du kleines Dummerchen. Das ist kein Mehl. Das ist Schnee“, erklärte
sie dem Teddy immer noch lachend.
„Schneeeeeee? Was ist das denn?“, fragte Wobsy neugierig.
„Ach ja“, hörte er seine Teddymama sagen. „Du hast ja noch nie Schnee gesehen.
Also Schnee ist gefrorenes Wasser. Was sonst als Regen vom Himmel fällt, rieselt
als kleine weiße Flocken vom Himmel, wenn es draußen kalt genug ist. Und das
nennen die Menschen dann Schnee.“
Die Teddymama öffnete die Tür zum Garten und lächelte. „Geh nur“, sagte sie
Wobsy.
Etwas schüchtern tapste Wobsy aus der Tür. Er schaute auf das weiße Pulver, hob
vorsichtig seine Pfote und stapfte in den Schnee.
„Uiiiii!“, rief er und zuckte zurück. „Uiiiii, ist das kalt!“
Die Teddymama lachte erneut auf. „Ich sagte doch, es ist gefrorenes Wasser,
Wobsy!“
Der Teddy setzte seine Pfote erneut in den Schnee. „Wie weich das ist“, sagte er
jetzt kichernd. Mutig stapfte er
nun mit beiden Pfoten in den Schnee. Dann lief
er los, rannte durch den Garten und kam zurück zur Terrasse. Dabei juchzte und
lachte er. Wobsy drehte gleich noch eine Runde und schlug übermütig einen
Purzelbaum in dem weichen Schnee.
„Das ist schööööön!“, rief er kichernd.
„Haaaalloooo Wobsy!“, hörte er eine Stimme rufen, die ihm wohl bekannt war.
„Hallo Lisa! Hallo Mercy!“, rief Wobsy zurück und rannte zum Zaun. „Es hat
geschneet!“, rief er dabei. Die Teddymama und Lisa mussten laut und herzhaft
lachen.
„Geschneit“, sagte Lisa immer noch lachend.
„Nein, Mama sagt, es ist Schnee“, widersprach Wobsy ernst.
Lisa nahm Wobsy in den Arm. Dabei begrüßte Wobsy seinen Teddyfreund Mercy. „Ja
Wobsy, das ist Schnee. Aber es heißt: Es hat geschneit!“.
„Ach soooo!“, brummte Wobsy. „Woher soll ich das wissen?“.
Lisa ließ Mercy vom Arm. Dann schaute sie Wobsy laut lachend genauer an.
„Wobsy Du siehst lustig aus mit dem ganzen Schnee im Pelz.“ Sie schüttelte Wobsy
ein wenig und klopfte ihm den Schnee aus dem Fell. „Wobsy, das muss sein, sonst
wirst Du noch krank.“ Dann ließ sie auch Wobsy wieder runter. Die beiden
Teddybären tobten durch den weichen Schnee. Dabei lachten und kicherten sie,
schlugen Purzelbäume und wälzten sich in dem weichen, kalten Schnee. Bald hatte
sich der Schnee wieder in den Pelz der Teddys gesetzt.
„Kommt!“, rief Lisa, „wir bauen einen Schneemann! Darf ich Wobsy mitnehmen?“,
fragte Lisa die Teddymama.
„Ja Lisa. Aber ihr könnt den Schneemann auch hier im Garten bauen. Da stört euch
niemand“, schlug die Teddymama vor. „Und er wird nicht kaputt gemacht.“
Lisa, Mercy und Wobsy kamen zurück in den Garten. Dort zeigte Lisa den beiden
Teddybären, wie man einen Schneemann baut. Schon wenig später rollte jeder von
ihnen einen weißen Ball vor sich her. Lisa einen großen, die beiden Teddys
kleinere. Die Kugeln wurden immer größer und Wobsy fing schon bald an zu
stöhnen.
„Puh, ist das schwer!“, brummte er.
„Ja“, stimmte Mercy zu, der ebenfalls eine Schneekugel vor sich her rollte.
Lisa schaute die Teddys an und lachte laut: „Ihr seht bald selber aus wie
Schneekugeln oder besser gesagt wie Schneeteddys!“
Wenig später waren alle Kugeln fertig.
„Meine Kugel ist fertig!“, rief Lisa und rollte sie mitten in den Garten. Dann
half sie ihren Teddyfreunden mit den Kugeln und sie bauten den Schneemann
zusammen. Von der Teddymama bekamen sie eine Möhre als Nase, einen alten Schal,
einen Besen und einen alten zerbeulten Kochtopf. Lisa gab dem Schneemann mit
diesen Dingen den letzten Schliff und alle betrachteten freudig ihr Werk.
„Kommt rein, ich habe euch heißen Kakao gekocht. Da könnt ihr euch ein wenig
aufwärmen!“
„Au jaaaa!“, rief Wobsy. „Los kommt. Es gibt bestimmt auch Kekse und Honig!“
Die Teddymama musste lachen. „Ja, Kekse haben wir auch noch da!“
Die beiden weißen Schneeteddybären wollten schon ins Haus stürmen.
„Halt!“ rief Lisa. „So geht das nicht! Ihr macht drinnen alles nass!“
Mercy bekam sie gerade noch zu fassen und klopfte ihm den Schnee aus dem Fell.
Wobsy aber meinte: „Das kann nicht sein. Das ist gefrorenes Wasser!“
Die Teddymama fing Wobsy an der Tür ein, hob ihn hoch und klopfte auch ihm erst
draußen noch den Schnee aus dem Pelz: „Wobsy, drinnen ist es aber warm und da
schmilzt das gefrorene Wasser!“
Die beiden nun wieder bräunlichen Bären stapften nun ins Haus. Lisa blieb aber
etwas schüchtern an der Türe stehen.
„Was ist Lisa?“, fragte die Teddymama. „Magst Du nicht?“.
„Doch schon...“, sagte Lisa. „Aber ich bin doch auch ganz nass und kann mein
Fell nicht einfach ausklopfen.“ In Wahrheit schämte sich Lisa aber mehr ihrer
alten fast abgetragenen Sachen.
Die Teddymama ging zu Lisa und hockte sich vor ihr hin. „Ihr habt einen sehr
schönen Schneemann gebaut“, sagte sie lächelnd. „Lisa, wenn ich Euch einlade,
bist Du natürlich auch gemeint. Oder meinst Du, ich würde Dich hier draußen
stehen lassen?“
„Aber... aber...“, stotterte die eben noch fröhliche Lisa.
„Ach Lisa“, sagte die Teddymama. „Es kommt nicht darauf an, was ein Mensch
besitzt, oder wie er angezogen ist. Es kommt darauf an, ob der Mensch ein Herz
hat. Und Du bist ein sehr lieber Mensch. Du hast Herz. Das zählt mehr als Geld
und Macht. Lisa, ich mag Dich. Und nun ziehe die nassen Schuhe und den nassen
Mantel aus und komm rein. Beeile Dich, bevor der Kakao kalt wird und Wobsy und
Mercy die ganzen Kekse alleine aufessen.....“
Hand in Hand gingen die Teddymama und Lisa ins Haus.
Die Teddymama gab Lisa zwar viel zu große, aber wärmende und trockene Socken.
„Lisa! Du sollst doch auch nicht krank werden!“
Dann machten sie es sich alle vier gemütlich bei Kakao und Keksen.
Text: © 2003 Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach
Bild: © 2006 Bianka Behrami