Wobsy will zur Feuerwehr
Wobsy lag lang ausgestreckt auf der Couch und jammerte vor sich hin. Ihm war
schrecklich langweilig und er nörgelte rum: „Keiner spielt mit mir und keiner
hat Zeit für mich.“
„Wobsy, nun ist es aber gut. Ab und an solltest Du Dich auch mal alleine
beschäftigen, damit ich auch meine anderen Arbeiten erledigen kann, oder Du
kannst mir auch gerne helfen, damit ich nachher wieder mehr Zeit für Dich habe!“
kommentierte die Teddymama Wobsys Verhalten.
„Helfen? Immer soll ich helfen und dazu habe ich nun gar keine Lust!“ Übermütig
und fast trotzig sprang Wobsy über die Wohnzimmermöbel und tapste dabei
versehentlich auf die Fernbedienung des Fernsehers.
„Wenigstens der Fernseher kümmert sich um mich!“ grunzte er zu seiner Teddymama
hinüber, die am PC saß und Mails beantwortete.
Wobsy wurde immer ruhiger und lauschte bald fast andächtig dem Fernsehprogramm.
Nach einer Weile schaltete Wobsy den Fernseher wieder aus, hüpfte von der Couch
und kletterte seiner Teddymama auf den Schoß: „Du, hast Du jetzt einen Moment
Zeit für mich?“
„Einen Moment noch, Wobsy, dann habe ich Zeit für Dich!“
Die Teddymama beendete schnell ihre letzte Mail und fragte ihren kleinen Teddy
dann: „Wobsy, was ist denn auf einmal los? Du bist ja plötzlich so nachdenklich
geworden.“
„Kann ich zur Feuerwehr gehen? Ich will Feuerwehrteddy werden.“ platzte es aus
ihm heraus.
„Wie kommst Du denn darauf?“ wollte nun die Teddymama wissen.
„Da im Fernsehen haben sie erzählt, wie spannend es bei der Feuerwehr ist und
dass da nie Langeweile aufkommt. Dann zeigten sie die großen roten
Feuerwehrautos mit den Leitern und den Wasserschläuchen und wie die bei einer
Übung einen Brand gelöscht haben. Da haben die selbst Feuer gemacht und es dann
wieder gelöscht. Ist das nicht spaßig?“
„Wobsy, so spaßig ist das nicht und Du hast wahrscheinlich nicht den ganzen
Bericht gesehen. Wir sollten uns da erst mal ein bisschen schlauer machen, was
man als Feuerwehrmann alles macht. Schau mal, draußen auf dem Spielplatz sind
Lisa und Mercy. Willst Du nicht ein bisschen zu ihnen spielen gehen?“
„Okay, das mache ich jetzt!“ Und schon war Wobsy auf dem Weg zum Spielplatz.
Dort angekommen erzählte er Mercy und Lisa, was er im Fernseher gesehen und
gehört hatte. Plötzlich schreckten alle Drei zusammen. Ganz laut war die Sirene
zu hören.
„Ganz in der Nähe brennt es wohl,“ bemerkte Lisa, kletterte auf die Rutsche und
schaute sich ängstlich in alle Himmelsrichtungen um.
Schon wenige Minuten später hörten sie das Tatü-Tata der Feuerwehrautos immer
lauter auf sie zukommen und Lisa rief ganz aufgeregt: „ Dort brennt es. Ich sehe
Rauch aus den Fenstern steigen.“
Wobsy wollte schon hinlaufen, aber Lisa hielt ihn und Mercy zurück. „Kommt mit
auf die Rutsche. Von dort aus können wir sehen, was los ist. In der Nähe des
Feuers ist es zu gefährlich und wir stehen den Feuerwehrmännern nur im Weg.“
„Die spielen doch nur, und beim Spielen kann man nicht im Weg sein.“ Wobsy
wollte sich von Lisa losreißen und hinlaufen.
„Nein, Wobsy, Du hast im Fernsehen nur eine Übung gesehen und keinen Ernstfall.
Das hier muss ernst sein. Niemand zündet zum Spaß eine Wohnung an.“ Lisa musste
Wobsy mit aller Kraft zurückhalten.
Das Martinshorn der Feuerwehrautos war mittlerweile so laut und nah, dass sie
sich die Ohren zuhalten mussten und schon sah Wobsy von der Rutsche aus den
großen Leiterwagen.
Im Fenster der brennenden Wohnung erschien eine Frau und rief aus Leibeskräften
um Hilfe. Die Feuerwehrmänner fuhren den Leiterwagen aus und ein Feuerwehrmann
kletterte zu dem Fenster hinauf, um die Frau über die Leiter zu retten. Andere
Feuerwehrmänner schlossen in Windeseile die Schläuche an den Hydranten an.
Die Frau war mittlerweile im Rettungswagen und wurde untersucht. Da kletterte
der Feuerwehrmann erneut die Leiter empor und verschwand durch das Fenster in
der brennenden Wohnung.
„Was macht der denn? Der geht in das Feuer!“ Mittlerweile zitterte Wobsy am
ganzen Leibe und starrte gebannt auf das Fenster. Die Minuten bis der
Feuerwehrmann wieder mit einem Bündel am Fenster erschien, kamen Wobsy vor wie
Stunden.
Mittlerweile war ein zweiter Feuerwehrmann die Leiter hochgeklettert und nahm
seinem Kollegen das Bündel ab. Und dann kletterte auch der Feuerwehrmann wieder
aus dem Fenster und die Leiter hinab.
Wobsy ließ einen erleichterten Seufzer los: „Ich will nach Hause. Kommt ihr
mit?“
Auch Lisa und Mercy war die Aufregung in die Knochen gefahren und so gingen sie
zusammen zur Teddymama.
Auch die Teddymama hatte das Ereignis vom Fenster aus verfolgt und nahm sich nun
Zeit mit den drei Freunden über das Erlebte zu sprechen.
Als die Drei sich einigermaßen beruhigt hatten, versprach sie ihnen: „In den
nächsten Tagen werden wir wohl mal zur Feuerwehr gehen, damit ihr euch
erkundigen könnt, was dort genau geschehen ist und damit ihr auch seht, was man
als Feuerwehrmann noch alles zu tun hat.“
© Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach 2004