Auf der Feuerwehrwache

Einen Tag nach dem Brand in unmittelbarer Nähe ließ Wobsy seiner Teddymama keine Ruhe. Die Fragen purzelten nur so aus ihm heraus:
„Was war wohl in dem Bündel? Wie sieht es nun in der Wohnung aus? Wie geht es der Frau? Woher nehmen Feuerwehrmänner den Mut in eine brennende Wohnung zu gehen? ....“
Die Teddymama kam gar nicht zu Wort und konnte Wobsy noch nicht einmal sagen, dass auch sie nicht all diese Fragen beantworten kann.
So ließ sie Wobsy vor sich hin fragen und ging zum Telefon und rief auf der Feuerwehrwache an:
„Guten Tag! Gestern hat es in unserer Nachbarschaft gebrannt. Das hat gerade bei meinen Teddys und den Kindern hier zu heller aber auch fast übermütiger Aufregung geführt. Gibt es eine Möglichkeit, dass ich mit den Teddys und der kleinen Lisa mal bei ihnen vorbeischauen kann, damit sie sich ein Bild vom Beruf eines Feuerwehrmannes machen können?“
Der Feuerwehrmann antwortete: „Danke, dass sie uns auf der normalen Telefonleitung angerufen haben und nicht unter dem Notruf 112. Selbstverständlich können sie hier mal vorbeischauen. Zum einen haben wir immer wieder mal einen „Tag der offenen Tür“. Aber da die Kinder und Teddys das Erlebnis noch so gegenwärtig haben, sollten wir nicht so lange warten. Was halten sie davon, wenn sie heute Nachmittag vorbeikommen. Sicherlich lassen sich dann auch noch ganz aktuelle Fragen beantworten.“
„Gerne!“ antwortete die Teddymama. „Sie helfen mir damit sehr, denn auch ich kann den Teddys und der kleinen Lisa nicht alle Fragen beantworten und möchte ihnen nichts falsches erzählen.“
„Dann bis heute Nachmittag so gegen 15 Uhr. Ich werde sie am Tor der Feuerwehrwache abholen.“

Wobsy lief neugierig hinter seiner Teddymama nach dem Telefonat her: „Was ist? Was haben die von der Feuerwehr Dir gesagt?“
„Wobsy, lauf’ doch bitte mal schnell zu Lisa und Mercy und bestelle ihnen, dass wir zu viert heute um 15 Uhr auf der Feuerwehrwache erwartet werden. Dann werden wir alle auf unsere Fragen Antworten bekommen.“

Wie ein Sausewind lief Wobsy auf den Spielplatz und richtete Lisa und Mercy die Neuigkeiten aus. Auch Lisa und Mercy waren vom gestrigen Erlebnis noch wie gefangen und tobten nicht wild auf dem Spielplatz herum, sondern hatten sich auch gegenseitig so viele Fragen gestellt, die keiner beantworten konnte.
„Das ist ja klasse!“ sagte Lisa in einem nachdenklichen Tonfall. „Wir werden kommen.“

Wenige Stunden später, punkt 15 Uhr standen die Vier vor dem Tor der Feuerwehrwache. Dort wurden sie von einem Feuerwehrmann freundlich begrüßt und zuerst einmal in ein Besucherzimmer geführt. Im Besucherzimmer überfielen Lisa, Wobsy und Mercy den Feuerwehrmann erst einmal mit den vielen Fragen, die das gestrige Ereignis in ihnen wach gerufen hatte.
Der Feuerwehrmann freute sich über die Fragen voller Neugier und Anteilnahme:
„Nun, ich stelle mich euch erst einmal vor. Ich heiße Florian und werde oft Flo oder Flori gerufen. Ich war gestern bei dem Einsatz dabei und kann Euch Eure Fragen beantworten. Also: Der Frau geht es gut. Sie hatte einen Schock und liegt noch zur Beobachtung im Krankenhaus. Zurück in ihre Wohnung kann sie vorläufig nicht, da die Wohnung fast völlig ausgebrannt ist und auch nach dem Löschen erst wieder austrocknen muss.
In dem Bündel war ihre kleine Tochter. Ihr geht es nicht ganz so gut. Sie hat eine Rauchvergiftung, aber zum Glück keine lebensgefährliche. Dadurch, dass sie in das Tuch eingewickelt war, hat sie zwar kaum Luft bekommen, aber so die gefährlichen Dämpfe nicht direkt eingeatmet. Sie muss noch eine ganze Weile im Krankenhaus bleiben, wird aber bestimmt wieder gesund.“
„Hast Du die Dämpfe denn nicht eingeatmet? Du bist doch in die brennende Wohnung geklettert.“ Wobsy schaute den Feuerwehrmann mit riesigen Augen an.
„Ich habe meine Atemmaske getragen. Kommt mal mit, aber bleibt ganz in meiner Nähe, damit wir meine Kollegen bei ihrer Arbeit nicht stören.
Ich zeige Euch nun mal, was so alles zu einer Ausrüstung für einen Feuerwehrmann gehört und erzähle Euch dabei, was ein Feuerwehrmann sonst noch alles machen muss.“

Florian führte seine Besucher durch viele Räume, auch durch Schlafräume, eine Küche, ein gemütliches Wohnzimmer, aber auch durch Büros, Werkstätten, Schulungsräume, eine Turnhalle und die Fahrzeughallen. Dabei erklärte er ihnen: „Jeder Feuerwehrmann tritt hier, wenn er zur Arbeit kommt eine 24-Stunden-Schicht an. In der Zeit muss er jederzeit auf einen Einsatz gefasst sein. Er kann aber nicht einfach herumsitzen und warten, bis er zu einem Einsatz gerufen wird, sondern muss hier auch vielen anderen Arbeiten nachkommen. So müssen die Fahrzeuge und die Ausrüstungen immer wieder gewartet werden, die Feuerwehrmänner müssen an Schulungen teilnehmen, sie müssen Sport machen, Büroarbeit erledigen, aber auch ganz normale Haushaltsarbeiten machen, denn sie leben hier in den 24 Stunden mit ihren Kollegen wie in einer Familie oder unter besten Freunden und Kameraden. Nach den Arbeiten erholen sie sich hier auch mit Fernsehen, lesen, Karten spielen, gemeinsamen Gesprächen. Hauptsache, sie sind jederzeit für viele Arten von Notfällen in Bereitschaft. In der Nacht der 24-Stunden-Schicht schlafen wir auch hier auf der Wache.“
„Und was machen die Frauen und Kinder? Kommen die her?“ platzte es Mercy heraus. Florian lachte: „Nein, das natürlich nicht!“ Und mit ernster Mine fügte er hinzu: „Die Familienangehörigen von Feuerwehrmännern haben es nicht so leicht wie es scheint. Zwar sehen die Kinder ihren Vater auch mal tagsüber und nicht nur abends nach der Arbeit, weil nach einer Schicht eine Freischicht folgt, aber alle müssen auch immer damit rechnen, dass etwas passieren kann. Der Beruf ist ziemlich gefährlich. Um Menschen zu retten muss sich immer wieder ein Feuerwehrmann vielen Gefahren aussetzen.“
„Wie Du gestern! Zum Glück ist Dir nichts passiert! Hast Du denn Familie, Flo?“ brummte Wobsy ziemlich nachdenklich aber sehr einfühlsam und freundlich.
„Nein, ich selbst habe keine Familie daheim, aber hier sehr gute Freunde und Kameraden,“ antwortete der Feuerwehrmann. „Nun muss ich mich aber wieder von Euch verabschieden. Ich muss noch einmal zu der Wohnung fahren und das Protokoll über den Schaden schreiben. Soll ich Euch mitnehmen? Ihr wohnt doch ganz in der Nähe!“
„Wenn das geht, würden wir uns freuen!“ sagte die Teddymama.

Daheim angekommen, bedankten sich alle noch einmal bei Florian. „Ihr könnt mich jederzeit wieder um Rat und Hilfe bitten,“ erklärte er.



© Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach 2004