Findel-Teddy bekommt ein neues Zuhause
Der Findel-Teddy hatte die Operation blendend überstanden und war wieder bei Wobsy und seiner Teddymama.
Er zeigte, seine Freude und Dankbarkeit für all die Hilfe, indem er weiterhin Wobsy viele Erlebnisse aus seinem Teddyleben erzählte und die Teddymama immer wieder mal herzlich umarmte.
Ab und an wurde der Findel-Teddy aber auch sehr traurig und grübelte, wie es denn nun mit ihm weitergehen würde. Er könnte ja nicht immer die Gastfreundschaft von Wobsy und seiner Mama ausnutzen.
Am dritten Adventssonntag hatte die Teddymama Wobsys Freunde Lisa und Mercy eingeladen. Zuerst saßen der Findel-Teddy, Lisa, Mercy, Wobsy und die Teddymama bei Kakao und Lebkuchen um den Adventskranz. Sie plauderten über die vergangenen Wochen und erzählten sich gegenseitig ihre Weihnachtswünsche. Später ließen Lisa und die Teddymama die Bärenbande alleine und gingen in die Küche, um Weihnachtsplätzchen zu backen.

Ab und an lauschten sie zum Wohnzimmer herüber und hörten die Teddybären wohlig brummen, lachen und plaudern.
„Was wird denn nun aus dem Findel-Teddy?“ fragte Lisa plötzlich ganz leise.
„Ich weiß es noch nicht, Lisa! Er kann nicht auf Dauer hier bleiben, aber er wird solange hier bleiben, bis ich ein gutes, neues Zuhause für ihn gefunden habe, “ antwortete die Teddymama.
Lisa schwieg, aber die Teddymama spürte regelrecht, dass Lisa eine Idee auf dem Herzen hatte, sich aber nicht traute, sie auszusprechen.
„Lisa“, forderte die Teddymama das Mädchen auf, „nun mal raus mit der Sprache! Ich höre Deine Idee ja förmlich in deinem Kopf rattern.“
Zögernd und ganz vorsichtig begann Lisa: „Mein Opa war letztens bei uns zu Besuch und als er Mercy sah, erzählte er mir mit glänzenden Augen von seinem Teddy, der ihm immer sehr viel bedeutet hat. Als er erzählte, wie er seinen Teddy bei einem Umzug verloren hatte, kamen ihm sogar Tränen in die Augen. Es war schlimm, Opa weinen zu sehen und ich wollte ihn aufmuntern und fragte, ob er denn nicht wenigstens ein Foto von seinem Teddy hat. Darauf zog Opa seine Brieftasche heraus und zeigte mir ein Bild aus seiner Kindheit, auf dem er mit seinem Teddy zu sehen ist. Er ermahnte mich auch, ich solle nicht über ihn lachen, denn viele Menschen würden seine Trauer um seinen Teddy nicht verstehen und daher hätte er es auch nicht gewagt, seinen Teddy zu suchen.“
Die Teddymama hatte ganz aufmerksam gelauscht und sie hätten fast die Kekse im Ofen vergessen. Nachdem die Teddymama dann die Kekse gerade noch vor dem Verbrennen gerettet und zum Abkühlen aufs Kuchengitter gelegt hatte, fragte sie Lisa:
„Wie sah dieser Teddy denn aus?“
„Deswegen erzähle ich ja die Geschichte von meinem Opa. Der Findel-Teddy könnte ein Bruder von Opas Teddy sein.“ flüsterte Lisa.
Lisa half der Teddymama nun die Küche wieder in Ordnung zu bringen. Beide schwiegen in Gedanken versunken. Erst im Wohnzimmer, wo sie die Teddys von den frisch gebackenen Keksen probieren ließen, fanden sie die Stimme wieder.
„Lisa, willst Du nicht am kommenden Sonntag mit Deinem Opa und Mercy wiederkommen?“
„Ja, gerne!“ strahlte das Mädchen. „Opa wird sich sicherlich riesig freuen den Findel-Teddy und meine Freunde kennen zu lernen. Ich habe ihm doch schon so viel von Euch erzählt. Jetzt müssen Mercy und ich aber wieder heim.“
Im Laufe der Woche hatte die Teddymama Wobsy und dem Findel-Teddy von dem Gespräch mit Lisa berichtet und die beiden Teddys auf den Besuch von Lisas Opa vorbereitet. Nun war es soweit. Der Kaffeetisch war reichlich gedeckt mit Honigkuchen, selbstgebackenen Keksen, Chrisstollen, Kaffee und Kakao. Als die Teddymama gerade die vier Kerzen am Adventskranz angezündet hatte, kamen die Gäste.
Es waren ein paar wunderschöne Stunden, die Lisas Opa mit seinen Erinnerungsgeschichten sehr bereichert hatte. Kurz vor dem Abschied bat Lisas Opa die Teddymama um ein Gespräch unter vier Augen.
„Lisa hat mir erzählt, dass der Findel-Teddy ein neues Zuhause braucht und nicht für immer bei Ihnen bleiben kann. Ich würde den Findel-Teddy sehr gerne bei mir aufnehmen. Lisa, Mercy, Wobsy und natürlich auch Sie können ihn dann immer wieder sehen. Er würde es gut bei mir haben.“
Dankbar nahm die Teddymama den Vorschlag an: „Das ist eine wunderbare Idee, aber ich möchte den Findel-Teddy auch fragen.“
„Das kann ich bestens verstehen und ich wollte den Teddy auch nicht gleich aus seiner Geborgenheit hier herausreißen.“
Die Gäste verabschiedeten sich und die Teddymama gesellte sich zu Wobsy und dem Findel-Teddy.
„Lisas Opa ist klasse!“ jauchzte Wobsy. „Der kann wunderbar Geschichten erzählen.“
„Ja, ich mag ihn auch sehr!“ jubelte auch der Findel-Teddy.
„Das freut mich riesig, dass ihr Zwei den alten Herrn so sehr in eure Teddyherzen geschlossen habt.“ Die Teddymama nahm die beiden Teddys zu sich auf den Schoß und schaute dem Findel-Teddy in die Augen. „Könntest Du Dir vorstellen, bei Lisas Opa zu wohnen? Er würde Dir gerne ein neues Zuhause geben und wir könnten Dich jederzeit besuchen und Du uns natürlich auch.“
„Ja, das würde ich gerne.“ Die Augen des Findel-Teddys leuchteten vor Freude.
„Heilig Abend werden Lisa, Mercy und Wobsy Dich mit mir zu Lisas Opa bringen!“ erklärte die Teddymama und Findel-Teddy konnte es kaum erwarten sein neues Zuhause kennen zu
lernen.
© by Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach