Wobsy entdeckt den Frühling
Es war schon fast Mittag, als Wobsy die Treppen herunter tapste, um zu seiner
Teddymama ins Wohnzimmer zu gehen.
Als Wobsy ins Wohnzimmer kam, musste er seine braunen Teddyaugen zusammen
kneifen. Die helle Sonne erhellte das ganze Wohnzimmer und blendete ihn. Die
Sonnenstrahlen kitzelten seine Teddynase, so dass er laut niesen musste.
„Gesundheit!“, hörte er seine Teddymama belustigt sagen.
Wobsy öffnete die Augen und tapste weiter ins Zimmer. Die Terrassentür stand
weit auf und Wobsy spürte einen kühlen Luftzug. Seine Teddymama saß an ihrem
Schreibtisch und erledigte wie jeden Morgen ihre Post. Nun lehnte sie sich kurz
entspannt zurück uns ließ sich ebenfalls die Sonnenstrahlen durch die
Fensterscheibe ins Gesicht scheinen.
Als sie spürte, wie der kleine Wobsy auf ihren Schoß kletterte, fragte sie ihn:
„Hallo Wobsy, spürst Du auch den Frühling?“
„Ich spüre Lust auf Honig“, sagte Wobsy grinsend und kuschelte sich bei seiner
Teddymama an.
„Du bist eine Naschkatze“, sagte sie lachend und kitzelte Wobsy am Bauch.
„Nöööö!“, protestierte Wobsy. „Ich bin keine Katze! Ich bin ein Teddybär!“
„Na schön, dann eben ein Naschbär“, sagte die Teddymama lachend, stand auf und
holte das Honigglas aus dem Küchenschrank.
Sofort machte sich Wobsy über den Honig her und schon wenig später waren seine
Teddypfoten ganz klebrig und verschmiert. Nachdem er das Glas halb geleert
hatte, schob er es beiseite und gab seiner Teddymama zum Dank einen klebrigen
aber liebevollen Kuss.
Wobsy schaute aus dem Fenster und sah draußen die bunten
Kleckse auf dem Rasen und in den Blumenbeeten.
Neugierig kletterte er vom Schoß der Teddymama und tapste in den Garten.
Jetzt erst erkannte Wobsy, dass diese bunten Kleckse die ersten Frühlingsboten
waren. Schneeglöckchen, Krokusse und andere Frühblüher ließen den Garten bunter
werden.
Er tapste vorsichtig von einem Blumenklecks zum nächsten. Hin und wieder bückte
er sich zu den Blüten hinab und sog den Blütenduft mit geschlossenen Augen ganz
genießerisch in seine Teddynase.
Plötzlich überkam Wobsy die Idee seiner Teddymama einen bunten Strauß dieser
wunderschönen Blumen zu pflücken. Er wollte ihr damit zeigen, wie lieb er sie
hatte.
Wobsy blieb vor einem „Teppich“ aus gelben, blauen und weißen
Krokussen stehen. Gleich daneben standen unzählige Schneeglöckchen. Er wollte
schon die erste Pflanze abknicken, als er plötzlich inne hielt.
Er betrachtete sich die Pflanze und fand seine Idee plötzlich gar nicht mehr so
gut. Sicher würden diese zarten Pflanzen in der Vase ganz schnell verwelken.
Wobsy erfreute sich noch eine Weile an der Schönheit der Blüten und tapste dann
mit leeren Händen und sehr nachdenklich zurück ins Haus.
„Was schaust Du so traurig?“, hörte er seine Teddymama fragen.
„Ich wollte Dir einen schönen bunten Strauß dieser bunten Blumen pflücken“,
sagte Wobsy. „Weil ich Dich doch so lieb habe. Aber dann taten mir diese schönen
Blumen leid....“
Die Teddymama nahm Wobsy auf den Arm und drückte ihn an
sich.
„Wobsy, es war gut, dass Du die Blumen nicht abgepflückt hast. Die Blumen fühlen
sich nur da draußen richtig wohl. Hier in der Vase wären sie sehr schnell
verwelkt und hätten ihre Schönheit verloren. So aber können wir uns noch recht
lange an ihnen erfreuen.“
„Trotzdem hätte ich Dir gerne eine Freude gemacht“, brummte Wobsy leise.
„Ach Wobsy, wenn Du mich in den Arm nimmst und mir sagst, dass Du mich lieb
hast, dann ist das die schönste Freude für mich. Man kann nämlich auch ohne
Geschenke viel Freude bereiten.“
Wobsy nahm seine Teddymama fest in den Arm und drückte sie ganz fest:
„Gut so?“, Fragte Wobsy ganz verschmitzt und dann zog er seine Teddymama am Arm:
„Komm mit! Komm bitte mit mir in den Garten!“
Lächelnd stand die Teddymama vom Schreibtischstuhl auf und ging mit Wobsy in den
Garten. Sie hockte sich neben ein Blumenbüschel, nahm Wobsy auf den Schoß und
zusammen erfreuten sie sich an den Blüten und Frühlingsboten.
Wobsy lachte plötzlich hell und freudig auf: „Na, Mama! Nun habe ich Dir doch
noch eine Freude gemacht, die nichts kostet, die nichts kaputt macht und an der
ich mich selbst auch freuen kann.“
Die Teddymama drückte Wobsy herzlich an sich und sagte: „Ja, mein kleiner treuer
Freund, das hast du wirklich und zusammen Freude erleben und teilen, ist
doppelte Freude.“
Bild: Jürgen Kraußlach
Text: Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach