Erinnerung – Genieße jeden Tag

Es war ein schöner, sonniger Tag und Wobsy tollte mit seinen Freunden Lisa und Mercy über die Wiese. Allmählich zogen dunkle Wolken auf und da es auch schon recht spät war, machten sich Wobsy und seine Freunde auf den Heimweg.
Plötzlich fing es ein wenig an zu Regnen und am Horizont zeichnete sich ein wunderschöner Regenbogen ab.
„Seht mal“, rief Mercy plötzlich. „Dieser wunderschöne Regenbogen und diese duftenden Rosen. Sie sehen aus als würden sie unter dem Regenbogentor stehen“.
„Ach komm schon, Mercy“, drängte Lisa. „Es regnet gleich doller und das kannst Du Dir auch noch morgen anschauen!“
„Ja,“ stimmte Wobsy zu, „komme endlich.“
Mercy riss sich von dem schönen Anblick los und folgte seinen beiden Freunden nach Hause.

Am anderen Tag erinnerte Mercy seine beiden Freunde an den Regenbogen und die Blumen vom Vortag.
„Ach jaaaaaa!“, rief Wobsy. „Das wollten wir uns ja noch mal anschauen!“.
„Stimmt!“, rief Lisa. „Kommt, wir laufen noch mal zu dieser Wiese“.
Die drei Freunde liefen zu der Stelle, an der gestern dieser wunderschöne Regenbogen und die duftenden Rosen zu sehen waren. Doch heute war irgendwie alles anders als gestern. Der Himmel war eher grau und die Rosen, die gestern noch so herrlich geduftet haben, waren heute verblüht.
Enttäuscht standen die drei da und schauten zum Himmel. „Wo ist der Regenbogen hin?“, wollte Mercy wissen und war ganz enttäuscht.
„Ja, und wo die duftenden Rosen?“, fragte Wobsy traurig.

Ganz zufällig kam Wobsys Teddymama vorbei und sah die drei Freunde etwas traurig auf der Wiese sitzen. „Was ist denn mit euch los?“, wollte die Teddymama wissen. „Ihr macht ja ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter“.
„Gestern war hier ein wunderschöner Regenbogen“, fing Mercy an zu erzählen.
„Ja, und herrlich duftende Rosen“, fügte Wobsy hinzu.
„Stimmt“, meine Lisa. „Und weil wir gestern nach Hause wollten, haben wir gesagt, dass wir uns die Rosen und den Regenbogen heute anschauen. Aber heute ist alles verschwunden. Der Regenbogen ist weg und die Rosen sind über Nacht verblüht“, sagte Lisa ein wenig traurig.

Die Teddymama ging in die Hocke und schaute die Drei an.
„Den Regenbogen von gestern werdet ihr nie wieder sehen und auch die Rosen von gestern sind unwiederbringlich verschwunden. Umso schlimmer, dass ihr diesen wunderschönen Anblick nicht genossen habt. Wisst ihr, viele Menschen rennen heute hektisch durch den Tag und haben kaum noch Zeit für das Schöne. So wie ihr gestern. Hättet ihr Euch auch nur zwei Minuten Zeit genommen, so hättet ihr heute eine wunderschöne Erinnerung an einen wunderschönen Moment. Und darum kann ich euch nur raten, immer mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Und wenn ihr solche Momente erlebt, dann nehmt euch die Zeit und genießt sie, denn sie kommen nie wieder. Ihr bekommt solche Augenblicke für den Moment geschenkt und könnt sie niemals kaufen “.
Die drei hörten der Teddymama aufmerksam zu und schauten sie nachdenklich an.

„Ich gehe jetzt heim und möchte Kaffee trinken. Kommt Ihr mir, oder wollt ihr noch hier bleiben?“ sagte die Teddymama und strich jedem der drei Freunde kurz und tröstend über den Kopf.
„Das war jetzt auch so ein schöner Moment!“ Lisa schaute die Teddymama mit freudigen Augen an und fügte noch hinzu: „Ich glaube aber, dass wir auch solche Momente verschenken können.“
„Ja! Du hast vollkommen recht Lisa und ich wünsche Dir, dass alle, denen Du solche Momente schenkst, sie erkennen und annehmen können.“

Zu viert gingen sie heim und tranken gemütlich Kaffee und Kakao.

 

© by A. Redmann / J. Kraußlach