Wobsy und das Gewitter
Ein langer, sehr heißer Sommertag geht zu Ende und Wobsy spürt langsam die Müdigkeit in seinen kleinen Teddybeinen. Den ganzen Tag hat er im Garten herumgetollt und mit seinen Freunden Lisa und Mercy gespielt.
Erschöpft und müde liegt er auf dem Sofa und streckt alle vier Pfoten von sich.
„Geh doch ins Bett“, sagt die Teddymama lächelnd, als sie sieht, wie Wobsys Augen immer kleiner werden.
„Das schaffe ich nicht mehr“, stöhnt Wobsy und lässt sich noch tiefer in die Polster sinken.
Er hofft so Mitleid bei seiner Teddymama zu erhaschen und noch etwas verwöhnt zu werden. „Eine Pfote voll Honig wäre jetzt nicht schlecht und dann ins Bett getragen werden“, denkt sich Wobsy.
„Ach Du armer, kleiner Teddy“, hört er seine Teddymama mit gespieltem Mitleid sagen. Natürlich hat sie den kleinen Schlingel längst durchschaut. „Wenn Du so erschöpft bist, magst Du bestimmt auch keinen Honig mehr, oder?“, sagt die Teddymama und geht in die Küche, um das Glas Honig in den Schrank zu stellen.
Blitzschnell springt Wobsy vom Sessel und läuft mit tapsigen Schritten in die Küche.
„Ooooch!“, ruft er dabei, „eine Pfote zum Abendessen muss wohl sein. Ich kann ja nicht hungrig ins Bett gehen.“
Schmunzelnd reicht ihm die Teddymama das Glas mit dem Honig, damit sch Wobsy bedienen kann. „Nach der Stärkung schaffst du es dann bestimmt auch noch bis ins Bett, oder Wobsy?“, fragt seine Teddymama.
„Da... da... muss ich mich aber.... teddymäßig stärken“, schmatzt Wobsy und taucht seine Pfote gleich noch einmal in den Honigtopf.
Die Teddymama muss schmunzeln, als sie den kleinen Schlingel an seiner Pfote schlecken sieht. „Meinst Du, Du schaffst es nun bis ins Bett, Wobsy?“, fragt die Teddymama, während sie den Topf Honig beiseite stellt. „Gestärkt bist Du ja jetzt!“
Mit einem zufriedenen, wohligen Brummen lässt sich Wobsy auf seinen Teddypo plumpsen und reibt sich das volle Bäuchlein.
„Puh“, brummt er leise. „Ich glaube, meine kleinen Teddypfoten können das volle Bäuchlein gar nicht mehr tragen“, sagt er verschmitzt zu seiner Teddymama und streckt dabei die Arme aus.
„Du Schlingel“, sagt sie lachend und nimmt Wobsy auf den Arm, um ihn nach oben ins Bett zu tragen.
Nach wenigen Minuten war Wobsy eingeschlafen, aber plötzlich schreckt er durch ein lautes Grollen hoch. Vorsichtig öffnet er seine Augen und blinzelt in das dunkle Zimmer. Da wird das Zimmer für einen Moment taghell erleuchtet und schon Sekunden später gibt es ein lautes Krachen. Dieses Krachen ist so laut und nah, dass Wobsy spürt, wie das Bett dabei wackelt. Verängstigt verkriecht er sich unter die Bettdecke. Kaum ist er abgetaucht, da kracht es ein weiteres Mal. Sein kleines Teddyherz beginnt wie wild zu schlagen und seine Beine zittern. Kaum ist das Grollen verklungen, springt er mutig aus dem Bett, rennt die Treppe hinunter und flüchtet in die Arme seiner Teddymama.
„Was ist denn mit Dir los?“, fragt die Teddymama, als sie sieht, wie Wobsy ins Wohnzimmer gelaufen kommt.
„Da... da kommt Feuer vom Himmel und ... und irgendeiner macht ganz viel Krach“, sagt Wobsy mit zitternder Stimme.
„Aber Wobsy“, sagt die Teddymama und nimmt Wobsy in den Arm, um ihn zu beruhigen. „Das ist doch nur ein Gewitter. Davor brauchst Du keine Angst zu haben.“
Wobsy legt seinen Kopf schief und schaut die Teddymama fragend an. „Was ist denn ein Witter?“
„Ein Gewitter, Wobsy“, verbessert ihn die Teddymama lachend. „Ein Gewitter ist ein Naturereignis. Dann sehen wir die Blitze und hören die Donner. Meist regnet und stürmt es auch dabei. Am Himmel entlädt sich dann Spannung zwischen unterschiedlichen Luftschichten.“
„Das verstehe ich nicht und macht mir noch mehr Angst.“ Wobsy kuschelt sich immer dichter an seine Teddymama, blinzelt immer wieder zum Fenster und zuckt zusammen, wenn es wieder donnert.
„Weißt Du Wobsy, ich hatte früher auch ganz schreckliche Angst vor Gewitter und die Erklärung dieses Naturereignisses konnte ich mir nicht vorstellen. Da hat mir meine Oma etwas erklärt, was ich mir viel besser vorstellen konnte und das mir die Angst nahm.“
Wobsy ist gerade wieder zusammengezuckt und zittert am ganzen Leibe. Seine Teddymama hält ihn aber fest und streichelt ihm tröstend über den Rücken.
„Wa .. was hat D ... Dir Deine Oma erklärt?“ stottert er.
„Sie hat mir gesagt, dass dort oben die Engel im Himmel mit Bauklötzen spielen. Sie versuchen immer und immer wieder Türme zu bauen und wenn diese Türme umfallen, dann donnert es hier bei uns auf der Erde.“
„Und warum wird es taghell?“
„Ist doch ganz klar, Wobsy! Wie soll man im Dunkeln Türme aus Bauklötzen bauen? Irgendein Engelchen macht dann immer kurz das Licht an und ein anderes wieder aus und dann fällt der Turm um.“
Wobsy lacht laut auf: „Das kann ich mir wirklich gut vorstellen. Morgen spiele ich mit Mercy und Lisa Gewitter. Hast Du Bauklötze?“
Das Unwetter hat sich mittlerweile soweit beruhigt, dass nur noch Wetterleuchten zu sehen ist. Da sagt die Teddymama: „Anscheinend hat eine Engelmama einen dicken Wolkenteppich ausgebreitet, damit die Engelchen nicht so einen Lärm beim Spielen machen und kleine Teddys auf der Erde nun schlafen können.“
So trägt sie Wobsy wieder ins Bett, deckt ihn zu und bleibt an seinem Bett sitzen, bis er ruhig eingeschlafen ist.
Am nächsten Morgen ist Wobsy putzmunter, als Lisa und Mercy ihn ganz müde anschauen und ihm erklären, sie hätten bei dem Lärm letzte Nacht gar nicht schlafen können.
„Wollen wir die Engelchen im Himmel nun mal vom Schlafen abhalten und Gewitter spielen?“ fragt Wobsy seine Freunde.
Lisa lacht auf: „Aber Wobsy, wie soll denn das gehen?“
„Kommt mal mit!“
Die Drei verschwinden im Schlafzimmer. Dort hat Wobsy mit Hilfe seiner Teddymama schon alles vorbereitet. Die Rollläden sind fest verschlossen auf dem Boden liegen Bauklötze und eine Taschenlampe. Nun sollen Mercy und Lisa versuchen, aus den Bauklötzen Türme zu bauen und Wobsy hat eine diebische Freude daran immer wieder die Taschenlampe kurz aufleuchten zu lassen.
So spielen die drei Freunde laut lachend Gewitter.
© by A. Redmann / J. Kraußlach