Wobsy und der Goldhamster

Wobsy streckte gerade seine Teddynase aus der Tür, als er plötzlich ein Rascheln hörte. Neugierig ging er in die Richtung, aus der das Geräusch kam und dann sah er die Ursache.
Ein kleiner Goldhamster saß zusammengekauert und zitternd in der Ecke. Mit großen Augen schaute er Wobsy an und seine kleinen Pfötchen strichen über die Nase.
„Was bist Du denn für ein süßes Kerlchen“, sagte Wobsy leise und kniete vor dem Hamster nieder. Etwas zögerlich kam der kleine Hamster zu Wobsy und kuschelte sich an sein warmes Fell.
„Du bist ja ganz kalt, Kleiner“, brummte Wobsy. „Bist Du irgendwo weggelaufen?“
Wobsy nahm den Hamster vorsichtig in seine Pfoten, hob ihn hoch und trug ihn ins Haus.
„Hmmm, was mache ich nur mit Dir“, flüsterte Wobsy leise. Dann setzte er den Hamster in die Ecke unter der Heizung. „Hier hast Du es warm, Kleiner. Warte, ich besorge Dir ein Bettchen.“ Wobsy schlich in die Küchen, besorgte eine alte Zeitung und etwas Küchenrolle und brachte beides zu dem Hamster. Dabei passte er auf, nicht von der Teddymama erwischt zu werden. Kaum hatte Wobsy die Küchenrolle abgelegt, machte sich der kleine Goldhamster daran, das weiche Papier zu zerrupfen und sich ein Nest zu bauen. „Mache Du es Dir mal bequem, ich besorge Dir etwas zu fressen“, brummte Wobsy leise. Kaum war er drei Schritte weg, blieb er nachdenklich stehen und drehte sich zu dem Hamster um. „Was frisst Du eigentlich, Kleiner? Also ich liebe ja Honig. Hmmm?“
Noch während Wobsy überlegte, was der kleine Hamster wohl frisst, klingelte es an der Tür und die Teddymama öffnete.
„Ja, das ist aber eine Überraschung“, sagte die Teddymama und begrüßte Lisa und Mercy. Nachdem auch Wobsy die beiden Freunde begrüßt hatte, zog er Mercy hinter sich her, während die Teddymama mit Lisa in die Küche ging. „Magst Du einen Kakao?“, fragte die Teddymama. „Wiiir niiihicht!“, rief Wobsy und zog seinen Freund Mercy hinter den Sessel.
„Heeee“, protestierte Mercy. „Ich will aber….“.
„Später“, brummte Wobsy leise. „Ich muss Dir erst mein neues Gemein… ähm.. Geheimsache…“.
„Du meinst Geheimnis“, brummte Mercy schmunzelnd.
„Dafür hast Du sicher die halbe Nacht geübt was?“, konterte Wobsy motzig und gab seinem Freund einen Knuff. „Schau, da….“
„Och, wie süüüüüüüüüß!“, brummte Mercy und Wobsy legte ihm schnell die Pfote übers Mäulchen.
„Pssst! Nicht so laut, Kumpel“, flüsterte Wobsy und schaute verstohlen um den Sessel herum in Richtung Küche.
„Stellt ihr beiden wieder irgendwelchen Blödsinn an?“, kam die Stimme von Lisa aus der Küche.
„Wiiir? Niiiiemals!“, kam es von den beiden Teddys wie aus einem Mund.
„Was ist das denn für ein süßes Tierchen?“, fragte Mercy neugierig und streichelte den Hamster, der schlafend in seinem Nest lag.
„Ein Goldhamster“, brummte Wobsy leise.
„Eeeecht?“, fragte Mercy. „Und wo hat der sein Gold?“
Für diesen kleinen Scherz fing sich Mercy den nächsten Knuff von Wobsy ein.
„Weißt Du, was so ein Goldhamster frisst?“, fragte Wobsy seinen Kumpel, doch der zuckte nur mit den Schultern.
„Keine Ahnung, aber wir können ja mal Lisa fragen, die weiß das bestimmt."
„Na gut, muss dann wohl sein. Wir können den kleinen Kerl ja nicht verhungern lassen. Aber erst gehen wir noch eine Honigmilch trinken….“.
Die beiden Freunde tapsten in die Küche, wo sie von der Teddymama eine warme Honigmilch bekamen.
„Na ihr beiden, was habt ihr schon wieder ausgeheckt?“, fragte die Teddymama, während sie den Honig in die Milch rührte.
„Wir? Nix. Wie kommst Du denn darauf?“, fragte Wobsy unschuldig und gönnte sich einen tiefen Schluck aus der Milch. Dabei spürte er, wie er unter seinem Fell ein wenig rot anlief.
„Weil wir euch kennen“, sagte Lisa schmunzelnd.
„Was soll das denn heißen?“, protestierten die beiden Teddys wie aus einem Mund und schauten ganz empört. Dabei stemmte Wobsy eine Pfote in die Seite und versuchte, sehr beleidigt auszusehen.
Die Teddymama nahm gerade einen Schluck von ihrem Cappuccino als sie plötzlich inne hielt und große Augen bekam. Im nächsten Moment hustete sie und prustete ihren Cappuccino über den halben Tisch. Wobsy und Mercy konnten sich gerade noch mit einem Sprung in Sicherheit bringen.
„Heeeeeeeee!“, brummte Wobsy und wischte sich Spritzer von Cappucciona aus dem Fell.
„Was war das denn?“, fragte Lisa und holte schnell einen Lappen aus der Spüle.
„Lisa, ich glaube wir haben Mäuse im Haus.“
„Mäuuuuse?“, brummte Wobsy. „Niiiiemals“, brummten Wobsy und Mercy, wohl wissend, was die Teddymama da gesehen hatte.
Alleine der heftige Protest der beiden Teddys machte die Teddymama misstrauisch.
Da, schon wieder! Jetzt habe ich sie auch gesehen!“, rief Lisa und lief zur Tür.
„Niiiiiiiicht!“, rief Wobsy, doch Lisa war schon an der Tür. Sie sah gerade noch etwas Braunes hinterm Schrank verschwinden.
Die Teddymama hatte sich inzwischen gesäubert und stand mit strengem Blick vor Wobsy und Mercy. „Nuuuun? Ich höre!“, sagte sie drohend.
Mercy schaute unschuldig in die Luft, versuchte zu pfeifen und verkrümelte sich Schritt für Schritt hinter den Sessel. Zumindest soweit, bis er gegen Lisa stieß.
„Also gut“, begann Wobsy zu erzählen. Dann berichtete er von dem Goldhamster, den er gefunden hatte und der jetzt ein Nest in der Ecke unter der Heizung hatte.
„Och süß!“, entfuhr es Lisa spontan und selbst die Teddymama musste lächeln. *Typisch Wobsy*, dachte sie und war doch ein wenig stolz auf ihren Teddy.
„Ja, süß“, brummte Mercy. „Nur das der Hamster jetzt vor Schreck hinter den Schrank geflüchtet ist….“
„Stimmt!“, bemerkte die Teddymama nachdenklich. Nun standen die vier da und schauten auf den kleinen Spalt, in dem der Hamster verschwunden war.
„Wir sollten hier weggehen und dem Hamster eine Möhre hier hinlegen“, schlug Lisa vor. „Vielleicht kommt er ja raus, wenn er die frische Möhre sieht“.
„Eine gute Idee“, stimmte die Teddymama zu und besorgte eine Möhre, die sie neben den Schrank legte. Dann zogen sich die Vier zurück und beobachteten die Ecke. Dabei unterhielten sie sich leise und Lisa erzählte ihren Freunden, was sie alles über Goldhamster wusste. Während Wobsy und Mercy die Möhre im Auge behielten, lauschten sie gespannt den Worten von Lisa.
Fast eine Stunde war inzwischen vergangen und Goldi, so wurde der Hamster in der Zwischenzeit getauft, steckte noch immer hinter dem Schrank.
„Ich befürchte fast, dass der kleine Kerl da alleine nicht wieder herauskommt“, sagte die Teddymama nachdenklich.
„Und was machen wir jetzt?“, brummte Mercy sichtlich traurig und kuschelte sich bei Lisa an.
„Alleine bekommen wir den Schrank nie weg….“, sagte Lisa mehr zu sich selbst.
„Da gebe ich Dir recht, Lisa“, sagte die Teddymama und versuchte, mit einer Taschenlampe hinter den Schrank zu leuchten.

Während die Teddymama, Lisa und Mercy noch fieberhaft überlegten, wie sie Goldi befreien konnten, wurde Wobsy aktiv.
Er verschwandt für einen kurzen Moment, um sich kurz darauf leicht breitbeinig und mit in die Seiten gestemmten Pfoten auf den Tisch zu stellen.
„Haaaalloooooo!?“, brummte Wobsy und die Teddymama, Lisa und Mercy drehten sich überrascht um. Sie sahen Wobsy mit Helm und Feuerwehrjacke auf dem Tisch stehen und verständnislos den Kopf schütteln.
„Habt ihr vergessen, dass hier der weltbeste Feuerwehrteddy wohnt? Also verschwendet nicht länger Zeit sondern ruft endlich meine Kumpels auf der Feuerwehrwache an….“ Mit diesen Worten reichte Wobsy der Teddymama den Hörer.
„Wobsy, Du bist klasse“, sagte Lisa und alle drei lachten, während die Teddymama den Telefonhörer nahm…...


© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007