Goldi bekommt ein neues Zuhause
Endlich war Goldi gefunden und aus Lisas Mund kam ein verzücktes „Wie süüüüüß!“
Bei diesem Ausbruch mädchenhafter Verzückung verdrehte Wobsy die Augen und
brummte mit einem leisen Seufzer: „Määäädchen!“
Während Mercy seinem Freund anerkennend auf die Schulter klopfte und ihn mit
einen „Gut gemacht, Kumpel“ lobte, erntete er von seiner Teddymama ein tadelndes
„Wooobsy!“
Goldi saß von alle dem unberührt in der Ecke und stopfte sich mit dem Keks die
Backen voll, die immer dicker wurden.
„Was machen wir jetzt mit Goldi?“, fragte Lisa, die sich sichtlich in den
kleinen Kerl verliebt hatte.
„Ich würde sagen, erst einmal aus dem Schrank heraus holen, bevor er wieder
dahinter verschwindet“, mischte sich nun Flo ein.
„Das würde ich auch sagen“, stimmte die Teddymama zu. „Lisa, möchtest Du?“,
fragte sie und zeigte auf Goldi.
Lisa nickte freudig, ging auf die Knie und näherte sich ganz vorsichtig dem
kleinen Hamster. Lisa nahm ihn ganz behutsam in beide Hände, was Goldi sichtlich
zu gefallen schien. Als Lisa wieder aufstand, schaute nur das kleine Köpfchen
mit den vollgestopften Backen aus den Händen heraus.
„Komm, Kumpel, wir suchen einen Karton für Goldi“, schlug Wobsy vor und zupfte
seinem Freund Mercy am Arm. „Goldi braucht ja wohl ein eigenes Häuschen.“
Die Beiden wollten schon loslaufen, als Flo sie stoppte. „Halt, Freunde. Das ist
keine gute Idee. Goldhamster sind Nagetiere und Goldi würde nicht lange
brauchen, um sich durch den Karton zu nagen.“
„Ich sehe mich schon Stromkabel erneuern“, seufzte die Teddymama und streichelte
Goldi mit einem Finger über das Köpfchen.
„Fressen Goldhamster auch Honig…?“, fragte Wobsy nachdenklich. Er war sofort
durchschaut und seine Freunde lachten herzhaft auf.
„Na, da mach dir mal keine Sorgen“, beruhigte Flo seinen Freund. „Goldhamster
fressen Salat und Möhren, trockenes Brot, Körner, usw. Auf jeden Fall keinen
Honig.“
Wobsy atmete beruhigt auf und brummte erleichtert.
„Aber wo setzen wir ihn nun rein?“ wollte Lisa wissen. „Ich kann ihn doch nicht
die ganze Zeit in der Hand halten.“
„Fürs erste können wir ihn in die alte hohe Plastikwanne setzen, die ich noch im
Keller habe“, schlug die Teddymama vor. „Morgen besorgen wir dann einen
richtigen Hamsterkäfig.“
„Kann Goldi nicht in der Wanne bleiben“, fragte Mercy.
„Nein, Mercy“, erklärte Flo. „Goldhamster sind sehr aktive Tiere. Um sich
wohlzufühlen müssen sie klettern, laufen und spielen. Sie brauchen ein Laufrad,
Röhren zum durchkriechen, ein Haus zum verstecken, weil sie tagsüber schlafen.“
„Das ist ja kompliziert“, brummte Wobsy. „Ich brauche nur Hoooonig! Apopo, oder
so, Honig. Also, wie wäre es mit Gefundenlohn für Mercy und mir?“, fragte Wobsy
und stemmte seine Pfoten in die Hüften.
„Für MICH“, verbesserte ihn Lisa.
„Wieso für Dich? ICH habe Goldi gefunden“, protestierte Wobsy, was seine Freunde
zum Lachen brachte.
„Finderlohn?“, fragte die Teddymama. „Gut, aber da wäre zunächst ein
Feuerwehreinsatz. Was kostet der Flo? Und dann kommt da noch ein neuer Käfig
hinzu, Futter, ein Häuschen… Wer hat Goldi noch mal ins Haus geholt?“
Wobsy lief rot an, wurde immer ruhiger und verkrümelte sich Schritt für Schritt
hinter dem Sessel.
„Na, ich glaube, ich werde hier nicht mehr benötigt“, sagte Flo und
verabschiedete sich von den Freunden.
„Kann ich mit… das Feuerwehrauto testen?“, brummte Wobsy hinter dem Sessel
hervor.
„Ich glaube, Deine Teddymama wäre wenig begeistert“, antwortete Flo lachend und
klopfte Wobsy freundschaftlich auf die Schulter. „Und außerdem, Kumpel, was man
sich einbrockt, muss man auch auslöffeln“, erklärte Flo augenzwinkernd.
„Ich löffele lieber Honig“, brummte Wobsy kaum hörbar und ein wenig beleidigt.
„Jetzt lasst uns Goldi ein vorläufiges zu Hause basteln“, schlug die Teddymama
vor. „Ich hole die Wanne aus dem Keller, Lisa hält Goldi noch solange fest und
Wobsy und Mercy können schon mal Möhren und trockenes Brot besorgen“, bestimme
die Teddymama. „Und wenn Goldi dann schläft, gibt es für uns Kakao, Kekse und
eine Friedensportion Honig“.
„Au jaaaaaaaa“, rief Mercy und verpasste Wobsy einen freundschaftlichen Knuff.
„Na dann!“, brummte Wobsy. „Du besorgst die Möhren und ich hole schon mal den
Honig“, sagte Wobsy zu Mercy.
„Oooh Wobsy“, seufzte Lisa und alle fünf lachten herzhaft auf.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007