Wobsy und der Hexenbesen
Die
Teddymama war gerade im Keller, als sie von oben ein seltsames Rumoren hörte.
„Wobsyyyy, was machst Du?“, rief sie nach oben, da sie ihren kleinen Teddybären
nur zu gut kannte. Hatte er doch oft Unsinn im Kopf.
„Niiiihiiichts!“, kam es von oben zurück.
Die Teddymama kannte diesen seltsamen Klang in Wobsy`s Stimme und machte sich
vorsichtshalber auf den Weg nach oben.
Als sie ins Wohnzimmer kam, stand Wobsy auf dem Wohnzimmertisch. Zwischen seinen
kurzen Beinchen klemmte der Handfeger, an dem sich Wobsy festhielt. Noch einen
Schritt weiter und der kleine Teddy würde vom Tisch fallen.
„Was machst Du denn da, Wobsy?!“, rief die Teddymama und konnte den Teddy gerade
noch vom Sprung abhalten.
„Ich wollte auch mal auf dem Besen reiten… oder.. oder fliegen“, brummte Wobsy
und nahm Anlauf. Gerade als er von der Kante absprang, war die Teddymama bei ihm
und fing ihn auf. Polternd fiel der Handfeger zu Boden.
„Heeeee!“, protestierte Wobsy und zappelte im Arm der Teddymama. „Jetzt hast Du
meinen ersten Hexenbesenflug verhindert.“
„Ich denke eher, ich habe ein Teddybeinbruch verhindert“, schimpfte die
Teddymama und setzte Wobsy zurück auf das Sofa. „Was machst Du hier, Wobsy? Hast
Du heimlich Likörpralinen genascht?“
„Neeeeeeee, bäääh. Höchstens Honigmuscheln geschleckt“, widersprach Wobsy. „Aber
ich wollte auch mal auf dem Besen fliegen. Macht sicher Spaß“, brummte Wobsy ein
wenig beleidigt.
„Wie kommst Du denn auf die Idee?“, wollte die Teddymama wissen und brachte den
Handfeger zurück in die Küche.
„Ich habe das im Fernsehen gesehen“, begann Wobsy zu erzählen. „Die haben
gesagt, das am Sonntag Burgisnacht ist… oder so. Irgendwo in den Bergen.. im
Harz oder so, da treffen sich gaaanz viele Hexen und fliegen auf Besen durch die
Gegend. Glaube ich….“, berichtete Wobsy wissend.
„Ach jaaaa und da wollte mein kleiner Wobsy auch mal eine Runde auf dem Besen
fliegen, ja?“ hakte die Teddymama schmunzelnd nach.
„Ja genau“, brummte Wobsy. „Aber Du hast meinen Flug zerstört.“ Wobsy
verschränkte beleidigt die Arme vor dem Körper und zog einen Schmollmund. „Duuu
Mama…“.
„Was ist denn, Wobsy?“, fragte die Teddymama und setzte sich neben ihren Teddy.
„Was ist eigentlich diese Burgisnacht… oder wie das heißt?“
Die Teddymama musste schmunzeln und nahm ihren Teddy auf den Arm. „Also, das
heißt nicht Burgisnach, sondern Walpurgisnacht. Oder auch Maifest“, erklärte die
Teddymama dem kleinen Bären. „In der Nacht zum 1. Mai versammeln sich einer Sage
nach die Hexen zu ihrem Hexensabbat. Oder auch Maiabend, Maifest genannt. Die
Hexen fliegen dann auf ihren Besen zum Versammlungsort. Der bekannteste ist der
Blocksberg im Harz….“.
„Ha, den kenne ich!“, rief Wobsy aufgeregt und schlug übermütig einen
Purzelbaum.
„Woher kennst Du den denn?“, fragte die Teddymama überrascht.
„Na, da kommt doch Bibi Blockberg her“, kicherte Wobsy und verpasste der
Teddymama einen kleinen Knuff. „Aber wer ist denn Burgis.. oder wie die Nacht
heißt?“
„Walpurgis, Wobsy. Walpurgis“, erklärte die Teddymama. Walpurgis ist eine
Frühlingsgöttin. Im Harz besagt ein alter Glaube, dass die Hexen den Schnee
wegtanzen, so dass es endgültig Frühling werden kann. Aber da gibt es etliche
Bräuche und Sagen.“
Wobsy saß da und grübelte. „Ja fliegen denn die Hexen nun, oder nicht?“, wollte
Wobsy schließlich wissen.
„Also ich habe noch keine gesehen, Wobsy“, sagte die Teddymama schmunzelnd.
„Aber wenn…. dann kaufe ich mir auch so einen Besen….!“
„Au jaaaaaaaaaa!“, rief Wobsy und war gleich wieder oben auf. „Dann fliegen wir
auf dem Besen zur Teddymesse!“
„Aber ich will keinen Reisigbesen. Das müsste schon ein modernerer sein“,
scherzte die Teddymama und klatschte in die Hände.
Wobsy schaute sie mit schiefem Kopf an. „Warum klatschst Du jetzt?“
„Och, ich dachte dann kommt mein Kaffee von alleine“, sagte die Teddymama
lachend und ging in die Küche um Kaffee zu kochen. „Bei Bibi Blocksberg
funktioniert das ja auch.“
Als die Teddymama in der Küche war, hörte sie es erneut rumoren. „Wooobsyyyy,
was machst Du jetzt schon wieder?“
Als die Teddymama aus der Küche kam, wäre sie beinahe über den Staubsauger
gestolpert, den Wobsy hinter sich herzerrte.
„Wobsy, was soll das denn? Willst Du hier Staub saugen?“
„Neeeee“, brummte Wobsy. „Das ist der suuuper moderne Hexenbesen für die
suuupermoderne Teddymama“, kicherte Wobsy.
Die Teddymama starrte auf den Staubsauger und verstand gar nichts mehr. „Wie
meinst Du das, Wobsy?“
„Na Du bekommst einen Turbo – Hexen - Düsenbesen!“, sagte Wobsy lachend,
schaltete das Gerät ein und schlug übermütig Purzelbäume.
„Na warte Woooobsy, wenn ich Dich in die Finger kriege“, lachte die Teddymama
und lief mit dem Sauger hinter Wobsy her. „Dafür sauge ich Dich ab!“, rief die
Teddymama, während Wobsy laut um Hilfe schreiend über die Sofalehne purzelte …….
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006