Wobsy und die Honigparty

Die Teddymama hatte in der Küche zu tun und so war Wobsy alleine im Zimmer. Langweilig wie ihm war, kletterte er auf den Stuhl und spielte ein wenig am PC der Teddymama herum.
Rein zufällig entdeckte Wobsy die Zeilen, die sein Kumpel Stoffel da gerade geschickt hatte.

„Ich habe `ne Menge Honig gekauft. Denn ich habe sturmfreie Bude und gebe eine Honigparty. Hast du Lust, alter Kumpel ? Liebe Grüße von Stoffel“

„Und ob ich Lust habe, Kumpel“, brummte Wobsy und seine Zunge lecke wie von selbst über sein Mäulchen. Da die Teddymama noch immer keine Zeit für ihn hatte und die Verlockung nun doch zu groß war, machte sich Wobsy auf den Weg zu seinem Kumpel Stoffel. Sicher würde er wieder da sein, bevor die Teddymama mit ihrer Arbeit fertig war. Dachte Wobsy zumindest. Aber bei kleinen Teddybären ist es wie bei Menschenkinder auch… bei herrlichen Leckereien vergessen sie alles andere um sich herum.

Wenig später war Wobsy bei seinem Kumpel Stoffel und die beiden begrüßten sich lachend.
„Wo ist der Honig, Kumpel?“, brummte Wobsy und schaute sich um.
„Komm mit“, brummte Stoffel und lief vor. „Meine Teddymama ist heute nicht zu Hause und hat mir ein Glas Honig hingestellt“, erzählte Stoffel. Und später hat sie mir noch ein Glas gegeben, weil sie wohl vergessen hatte, dass ich schon eins hatte“, berichtete Stoffel mit teddylistiger Miene weiter.
„Klar Kumpel und Du hast natürlich nichts gesagt, sondern bääärig den Mund gehalten“, sagte Wobsy mit verschmitztem Lachen.
„Neiiiiin“, widersprach Stoffel scheinheilig. „Ich habe ja selbst nicht mehr daran gedacht….“.
Die beiden Teddys schauten sich grinsend an, begannen laut zu lachen und Wobsy schlug einige seiner berühmten Purzelbäume. Kurz darauf saßen Stoffel und Wobsy auf dem Tisch und jeder von ihnen hatte sich ein großes Glas Honig zwischen die Beine geklemmt. Schmatzend, schleckend und kichernd genossen sie den Honig, plauderten und schleckten sich das Bäuchlein voll. Darüber hinaus vergaßen sie ganz die Zeit.

Inzwischen war die Teddymama mit ihrer Arbeit fertig und rief nach Wobsy, aber es kam keine Antwort. Die Teddymama durchsuchte das Haus vom Dach bis in den Keller, doch von Wobsy keine Spur. Allmählich machte sie sich Sorgen und überlegte, wo der Schlingel wohl sein könnte und was er wohl wieder anstellte. Als erstes rief die Teddymama bei Lisa und Mercy an, dann bei dem Teddyopa und schließlich bei Flo auf der Feuerwache.
„Ich komme mal vorbei“, sagte Flo, der die Ängste von Mamas und Papas nur zu gut kannte. Er beruhigte die Teddymama etwas und sagte, sie solle sich keine Sorgen machen. Wobsy würde bestimmt bald wieder auftauchen.
Nach einer Tasse Kaffee musste Flo wieder los, weil er ja Dienst hatte.
„Wenn etwas ist, dann rufe mich an“, sagte Floh. „Auch wenn Wobsy nicht bis zum Einbruch der Dunkelheit da sein sollte…“.
Kaum war Flo um die Ecke gefahren, kam Wobsy zur Tür herein getapst. Seine Pfötchen und das Mäulchen Honig verschmiert, den Blick schuldig und verschämt gesenkt.
„Da bist Du ja!“, rief die Teddymama besorgt. „Sage mal, wo warst DU? Weißt Du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe?“
Schuldbewusst stand Wobsy da, schleckte die Reste vom Honig von seiner Pfote und stammelte verlegen ein leises „Tschuldigung. Tut mir leid. Stoffel hatte ne Party….“.
„Ach ja, eine Party? Einfach so, ja? Und dann verschwindet Wobsy, ohne etwas zu sagen? Ab ins Bett mit Dir“, schimpfte die Teddymama.
„Aber… aber ich….“.
„Aber ich will heute nichts mehr hören“, unterbrach ihn die Teddymama und es fiel ihr sichtlich schwer, ernst und böse zu sein. War sie doch froh, das Wobsy heil zurückgekommen war. Als sie Wobsy nachschaute, wie er schuldbewusst und sichtlich geknickt ins Bettchen tapste, huschte doch ein kleines Lächeln über ihr Gesicht und sie griff zum Telefonhörer um Flo anzurufen.
Auch Flo war erleichtert, dass Wobsy wieder daheim war, dennoch fragte er nach: „Ist er ungeschoren davongekommen?“
„Ach, Florian, es ist gar nicht so leicht konsequent zu bleiben. Am Liebsten hätte ich meinen Wobsy mit offenen Armen empfangen, aber ich möchte, dass er so was nie wieder macht.“

Wobsy war mittlerweile wieder aus seinem Bett gekrochen. So im Unfrieden mit seiner Teddymama konnte er trotz des vollen Bäuchleins einfach nicht einschlafen und so kletterte er seiner Teddymama mutig auf den Schoß noch bevor diese das Telefonat beendet hatte und blieb ganz ruhig und in sich gekehrt sitzen.

Und so hörte er auch, wie die Teddymama Flo mit den Worten verabschiedete: „Ja, Flo, Wobsy wird seine Lektion bekommen. Ich danke Dir für Dein Verständnis und Deine Hilfe. Gute Nacht!“
„Was für eine Lektion?“ piepste Wobsy ganz leise und mit trauriger Stimme.
Nun nahm die Teddymama ihren kleinen Bären derart auf den Arm und hob mit der Hand sein Kinn an, so dass Wobsy ihr in die Augen sehen musste. „Wobsy Du hast eine Strafe verdient, weil Du mir nicht Bescheid gesagt hast, wo Du hingehst ….“
„Aber ….“ wandte Wobsy ein.
„Nix aber! Ich habe Dich überall gesucht, alle angerufen und mir sehr große Sorgen gemacht. Wenn Du nicht vor Einbruch der Dunkelheit heimgekommen wärst, hätte es wegen Deinem unüberlegten Verhalten sogar einen Feuerwehreinsatz gegeben. Warum hast Du mir nichts von der Party erzählt?“
„Wie soll ich Dir von einer Party erzählen, wenn ich diese noch gar nicht erlebt habe und Du zu beschäftigt warst, als ich mich auf den Weg gemacht habe?“ brummelte Wobsy etwas motzig.
„Oh! Frech wird der kleine Teddybär auch noch? Aber wir haben Beide Schuld, ich hätte sehen müssen als Du Dich auf den Weg machen wolltest und Du hättest auf jeden Fall was sagen müssen.“
Nun knuddelte die Teddymama ihren kleinen Teddy ganz dolle und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich bin sehr froh, dass Du wieder da bist!“
Schließlich erklärte sie Wobsy noch, dass sie mit ihren stundenlangen Sorgen für ihre eigene Schuld schon bestraft worden wäre. Und nachdem sie Wobsy das Versprechen abgenommen hatte, dass er beim nächsten Mal Bescheid sagen würde, brachte sie ihn zu Bett und ließ sich von der Honigparty erzählen.
„Da hast Du ja wirklich ein paar lustige und schöne Stunden verbracht. Nun musst Du Dir aber noch etwas überlegen, was Du machen willst, um Deinen Patzer wieder gut zu machen.“
„ Ich entschuldige mich noch mal und ich verspreche, dass ich Dir beim nächsten mal rechtzeitig Bescheid gebe. …. Muss ich sonst noch was tun?“
„Ja! Florian hat mich da auf eine ganz tolle Idee gebracht. Wir werden zusammen in einen Kindergarten gehen und den Kindern genau dieses Erlebnis erzählen und den Kindern dann erklären, dass man mit Umsicht und Rücksicht einige unnötige Polizei- und Feuerwehreinsätze vermeiden kann.“
„Au ja, das ist eine gute Idee! So können die Kinder aus meinem Fehler lernen und brauchen ihn nicht selbst zu machen.“
Nun musste die Teddymama wirklich wieder herzhaft über ihren kleinen Teddy lachen. Sie drückte ihn noch einmal ganz lieb an sich und meinte: „Nun ist mein kleiner übermütiger Draufgänger, aber bestimmt hundemüde!“
„Bärenmüde!“ gähnte Wobsy und schlief sofort ein.

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007