Kellerkuchen
Wobsy lümmelte sich etwas gelangweilt auf der Couch, während seine Teddymama in
der Küche hantierte.
„Mama, was machst Du da? Kannst Du nicht was mit mir spielen?“ brummte er vor
sich hin. Die Teddymama reagierte überhaupt nicht. Also tapste Wobsy in die
Küche, zog seiner Teddymama am Hosenbein und versuchte sogar an ihrem Hosenbein
hochzuklettern.
„Wobsy, lass’ das bitte. Du siehst doch ich habe zu tun.“
„Willst Du denn gar nicht mal was mit mir spielen?“ brummelte Wobsy erneut.
„Nein, Wobsy dazu habe ich jetzt keine Zeit. Ich muss backen.“
„Backen?“ Wobsy zuckte regelrecht zusammen. Kannte die Teddymama etwa sein
Geheimnis?
„Ja, Wobsy, backen! Du weißt doch, dass ich dieser Tage ein paar Freunde zu
Besuch bekomme.“
Wobsy glaubte mittlerweile felsenfest, dass seine Teddymama hinter sein
Backgeheimnis gekommen war. So stemmte er die Pfoten in die Seite und motzte
brummig drauflos: „Du bist doof und da mache ich bestimmt nicht mit.“
Er wollte gerade trotzig aufstapfend die Küche wieder verlassen, als seine
Teddymama ihn hochhob, ihm in die Augen sah und mit recht traurigem, aber
strengen Ton fragte: „Wobsy, wieso bin ich doof?“
Wobsy konnte den Blick in die Augen seiner Teddymama kaum erwidern und er
stotterte: „Tsch … Tschul … Tschuldigung! Bist ja nicht doof, aber verdirbst mir
mein Geheimnis!“
„Du hast ein Geheimnis?“
„Ja, aber das kennst Du doch und nun ist es keins mehr!“ Wobsy schaute traurig
zu Boden.
Die Teddymama hob sachte Wobsys Kinn an und sah, wie ihrem kleinen Teddy eine
Träne über die Wange rollte.
„Nein, Wobsy, ich kenne dein Geheimnis nicht. Woher sollte ich das denn kennen?“
„Vielleicht hat ja einer gepetzt!“
Nun zappelte Wobsy und wollte einfach nur runter vom Arm, um sich in eine Ecke
zu verkrümeln und einfach traurig sein.
Die Teddymama ließ ihn also irritiert auf den Boden. Wobsy drehte sich sofort um
und murmelte beim Fortschleichen: „Der Backofen ist noch nicht mal an und sie
sagt sie will backen. Den macht sie sonst doch zuerst an!“
„Halt, mein kleiner Freund!“ Schon hatte die Teddymama ihn wieder auf den Arm
genommen. Sie lächelte ihn an und sagte ihm: „Ich backe heute ohne zu backen.
Der Ofen bleibt bei dem Kuchen, den ich mache, kalt.“
Wobsy schaute sie ungläubig an: „Das geht doch gar nicht!“
„Oh doch, ich mache Kellerkuchen und dabei kannst Du mir gerne helfen!“
„Okay, dann gehen wir mal in den Keller!“ Wobsys Laune hatte sich schlagartig
gebessert. Alleine der Name dieses Kuchens hatte seine Neugier geweckt.
Die Teddymama lachte: „Nein, Wobsy, wir brauchen dafür nicht in den Keller zu
gehen. Hier habe ich schon die Kakaomasse angerührt und dort sind die Kekse. Die
darfst Du mir nun anreichen, damit ich das abwechselnd in der Kuchenform
schichten kann.“
Wobsy
half so seiner Teddymama und ab und an erlaubte er sich ein kleines Eckchen von
den Butterkeksen abzubrechen und in sein Mäulchen zu stopfen. So machte Backen
ohne zu Backen auch Spaß, aber er konnte sich immer noch nicht vorstellen, warum
dieser Kuchen Kellerkuchen heißt.
Während er nachher noch die wenigen Reste der Schokoladenmasse aus der
Rührschüssel schlecken durfte, erklärte ihm seine Teddymama: „So und nun kommt
die Kastenform in den Kühlschrank, damit die Schokoladenmasse wieder hart werden
kann. Früher brachte man diesen Kuchen an den kühlsten Ort im Haus und das war
der Keller, daher heißt der Kuchen Kellerkuchen. Es gibt aber auch Menschen, die
nennen den Kuchen „Kalter Hund“ oder „Hundeschnauze“.“
Wobsy musste laut lachen: „Das sind ja vielleicht komische Namen!“ Dann grübelte
er einen Moment und zupfte seiner Teddymama dann erneut am Bein.
„Was ist denn Wobsy?“
„Duuuhuuuu, können wir nicht auch mal einen Teddykuchen backen?“
Als die Teddymama Wobsy ganz überrascht anschaute schlug er kichernd einen
Purzelbaum. „Und Du kennst mein Geheimnis wirklich nicht?“, fragte er noch
einmal etwas verlegen und außer Atem.
„Nein, Wobsy, wirklich nicht!“, versprach die Teddymama.
Mit einen zufriedenem und schelmischen Lächeln im Gesicht lehnte sich Wobsy im
Sessel zurück und dachte an den leckeren Kellerkuchen und an sein süßes
Geheimnis.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006
Bild: Ein altes Rezeptheftchen der Firma Ogo-Kaffee
eingescannt.Beim Anklicken vergrößert sich das Bild, so dass man das Rezept
lesen und Nachbacken kann.