Wobsy – nicht alles was klebt, ist Honig
Wobsy lag auf dem Sofa, faulenzte und schleckte genüsslich an seinem
Honiglutscher.
Dabei beobachtete er die Teddymama, die emsig arbeitete. Sie lief treppauf,
treppab, räumte und suchte, trug verschiedene Dinge zusammen und legte sie auf
ihren Schreibtisch ab.
„Duuhu, Maaama, kann ich Dir was helfen?“, fragte Wobsy, nachdem er dem Treiben
eine Weile zugeschaut hatte und schleckte mit seiner Zunge schmatzend über den
Lutscher.
„Schlecke Du mal in Ruhe Deinen Lutscher“, sagte die Teddymama. „Sonst schmierst
Du hier noch alles voll. Nicht das Du mit Deinen Honigpfoten noch irgendwo
kleben bleibst. Aber lieb, das Du gefragt hast, Wobsy.“
„Paaaah“, motze Wobsy, „ich und voll schmieren oder festkleben. Iiich doch
nicht“, brummte Wobsy und streckte seine Nase in den Himmel. „Immerhin bin ich
der sauberste, nie was voll schmierende, Honiglutscher schlecken könnender
Suuuper - Teddy - Wobsy!“ sprach es und schlug zum Beweis mit seinem Lutscher in
der Hand zwei Wobsypurzelbäume.
„Haste gesehen?“, brummte Wobsy stolz und mit breitem Grinsen. Dabei schaute er
seine Teddymama erwartungsvoll an. „Das war ja wohl wobsyteddymäßig perfekt,
oder?“
Die Teddymama lachte auf und nahm Wobsy den Lolly aus der Pfote. „Na, Du super
sauber Honigschlecker Teddy, dann will ich mal die Fusseln von Deinem Lutscher
abspülen“, sagte die Teddymama lächelnd, wusch den Lolly ab und gab ihn Wobsy
zurück.
„Danke schön“, brummte Wobsy kleinlaut und schaute verlegen zu Boden. Kaum war
die Teddymama aus dem Zimmer, sprang Wobsy vom Sofa und lief zum Schreibtisch.
Neugierig untersuchte er, was die Teddymama zusammengetragen hatte. Karton und
Sterne, Papier und … iiiihhhhh, was war das? Transparentes, glänzendes Band, das sehr
„anhänglich“ war. Kaum hatte es Wobsy untersuchen wollen, da klebte es auch
schon an seiner Pfote. So sehr Wobsy die Pfote auch schüttelte, das Band wurde
er nicht los. „Du blödes Band, das kannst Du mit mir, dem weltbesten
Feuerwehrteddy doch nicht machen“; dachte Wobsy. Er packte das Band und zog sein
Bein weg. „Geht doch“, dachte sich Wobsy zufrieden. Die Freude hielt aber nur
Sekunden, denn schon klebte das Band an Wobsys anderer Pfote. Was er auch
anstellte, dieses klebende Band wollte nicht von seinem weichen Fell. Im
Gegenteil, irgendwie schien es, als wolle dieses Klebeband ihn einwickeln.
„Maaaaaaaamaaaaaaa!“, rief Wobsy laut. „Hiiiilfeeeeee!“
Schon kam die Teddymama ins Zimmer. „Was hast Du denn nun schon wieder
angestellt?“, fragte die Teddymama. Dann sah sie Wobsy eingewickelt auf dem
Schreibtisch sitzen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Na toll!“, motze Wobsy. „Ich sitze hier, bin in höööchster Lebensgefahr und Du
lachst. Schau nur … !“ Dabei schüttelte sich Wobsy und versuchte, das Klebeband
loszuwerden. „Diese blöde Klebeschlange hat mich einfach angefallen“,
schwindelte Wobsy, um die Schuld abzuschieben. „Ich habe da ganz brav gestanden
und dann…“
„Kennst Du Pinocchio?“, fragte die Teddymama plötzlich und Wobsy schaute sie
verwirrt an.
„Hmmm, jaaaa?“, brummte er nachdenklich.
„Gut, dann höre jetzt besser auf zu schwindeln, ehe Du auch so eine schicke Nase
bekommst. Wie ich sehe, ist Deine schon am wachsen!“
Ganz unbewusst fasste sich Wobsy an die Nase und fühlte, was der Teddymama ein
herzhaftes Lachen entlockte.
Die Teddymama schnappte sich ihren Teddy und fing an, ihn von dem Klebeband zu
befreien.
„Auuuuaaaa, auuuuuu!“, brummte Wobsy, „ wie das ziiiiiept!“
„Tja, Du sauberster, nie was voll schmierender, Honiglutscher schlecken
könnender, weltbester Feuerwehr Teddy Wobsy“, neckte ihn die Teddymama. „So ist
das, wenn kleine neugierige Teddybären ihre Pfoten in Dinge stecken, die sie
nichts angehen.“
Wobsy brummte kleinlaut, wurde rot und trollte sich vom Tisch. „Nicht alles was
klebt, ist auch Honig“, stichelte die Teddymama weiter, holte das Glas Honig aus
dem Schrank und spendierte Wobsy eine Pfote voll als Trostpflaster.
„Danke schön“, brummte Wobsy leise und schaute die Teddymama mit strahlenden
Augen an. „Ich habe Dich gaaanz dolle lieb!“
„Ich Dich doch auch, Wobsy!“, sagte die Teddymama und strich Wobsy übers Fell.
„Obwohl ich manchmal so teddymäßig neugierig bin?“, wollte Wobsy wissen.
„Gerade deswegen, Wobsy, gerade deswegen. Ach übrigens, ich will da ein Päckchen
packen, magst Du mir jetzt helfen?“
„Aber nur, wenn mich diese Klebeschlange in Ruhe lässt“, brummte Wobsy, schlug
einen übermütigen Purzelbaum und die Beiden fingen an zu lachen.
Text:
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006
Grafik: © Bianka Behrami 2006