Wobsy entdeckt die Kunos

Eigentlich sollte es ja Sommer sein, schönes Wetter, damit kleine Teddybären im Garten herumtoben können. Doch auch dieses Jahr war es mal wieder ganz anders. Es war Ende Mai und draußen eher Herbst. Die Menschen mussten noch heizen, draußen stürmte und regnete es. Es war einfach unbeschreiblich ungemütlich. So konnte sich Wobsy heute nicht mal mit seinen Freunden Mercy und Lisa treffen. Wobsy saß auf dem Sofa und die Langeweile plagte ihn. Die Teddymama hatte auch keine Zeit für ihn und so tapste Wobsy gelangweilt an den PC.
Er stupste die Maus an und klickte immer wieder auf die Taste, so wie es die Teddymama immer tat. „Uiiih!“ freute sich Wobsy, als die Reise durch die unendlichen Weiten des Internet begann.
„War das nicht der Link, von dem Mensch gestern sprach?“ dachte Wobsy noch, als sich die Seite von http://stinesteddybaer.designblog.de/ zufällig öffnete. Langsam öffnete sich die Seite! Sehr langsam und Wobsy rutschte unruhig auf seinem kleinen Teddypopo hin und her. Dann endlich war die Seite geöffnet und Wobsy schaute auf den Bildschirm.
„Maaaaamaaaaaaaaaaaaaaa!“, rief Wobsy aufgeregt, „Maaamaaaaaaaaaa!“
Schon kam die Teddymama aus der Küche zum Schreibtisch. „Was hast Du denn wieder angestellt, Wobsy?“, fragte sie besorgt, als sie Wobsys Geschrei hörte.
„Sieh nur, da… wer ist daaas?“, wollte Wobsy wissen und schlug einen übermütigen Purzelbaum.
„Das ist die Kunobande, vier kleine Teddybären“, erklärte die Teddymama. „Mensch hat mir den Link geschickt, aber ich habe noch nicht weiter geschaut“.
„Uuuiiiii, die sind ja bääärig“, rief Wobsy und kroch fast in den Monitor. „Die muss ich uuuuunbedingt kennentun“.
„Kennen lernen, Wobsy“, verbesserte die Teddymama.
„Quatsch, ich will nicht lernen“, protestierte Wobsy brummig und war ein wenig beleidigt, als die Teddymama herzhaft auflachte.
„Das heißt, kennen lernen, Wobsy, nicht kennentun.“
„Ach so“, brummte Wobsy leise und hätte er kein Fell gehabt, so hätte man sehen können, wie er rot anlief. „Also gut, dann muss ich die Kuno´s unbedingt kennentu…. kennen lernen. Hilfst Du mir dabei?“ Wobsy schaute die Teddymama mit seinem typischen „um den Finger wickel“ - Teddybärenblick“ an.
„Aber na klar helfe ich Dir dabei“, sagte die Teddymama und knuddelte Wobsy. „Am besten ist, wir schreiben den Kunos eine e-Mail. Was hältst Du davon Wobsy?“
„Auuuuu jaaaaaaaaaaa!“, brummte Wobsy aufgeregt und schlug einen weiteren Teddypurzelbaum. „Aber… aber Du tipselst“, bestimmte Wobsy. „Wenn ich das mit meinen Pfoten mache, können es die Kunos eh nicht lesen“.
„Stimmt Wobsy!“, sagte die Teddymama und setzte sich an den PC. „Was wollen wir denen denn schreiben?“
Wobsy schnappte sich das Honigglas, das auf dem Tisch stand und ließ sich auf seinen Po plumpsen. „Hmmmmm!“, machte er leise, steckte dabei eine Pfote in den Honig und schleckte sie genüsslich ab, während er nachdachte.
„Bedeutet das Hmmmm nun, dass Du nachdenkst, oder dass der Honig so gut schmeckt?“, scherzte die Teddymama und erntete dafür eine … eher verlegenen Teddyblick.

Während Wobsy erst mal eine weitere Pfote Honig schleckte, klickte die Teddymama sich durch die Website. Plötzlich blieb Wobsy das Mäulchen offen stehen, sein Honig tropfte um Haaresbreite an der Tastatur vorbei und er stierte auf den Bildschirm.
„Wer ….. wer …. wer …. ist das ……. denn?“ stotterte er gerade noch rechtzeitig, bevor die Teddymama weitergeklickt hatte.
So kamen die Teddymama und Wobsy an dem Tag nicht mehr dazu den Kunos eine Mail zu schreiben.
Wobsy war es plötzlich ganz komisch im Bauch, er bekam nicht mehr mit, dass die Teddymama ihn fragte, ob ihm etwas weh tut. Wobsy schob das Glas Honig von sich weg und brummsäuselte nur noch, er müsse sich ein bisschen aufs Bett legen.


© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006