Frische Luft schnappen


Wobsy hatte Besuch von seinem Freund Mercy und die beiden gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach – Honig naschen. Während die Beiden immer wieder ihre Pfoten in das Glas mit Honig tauchten, erzählte Wobsy von der Honigparty, die er mit Stoffel gefeiert hatte. Natürlich auch von dem Ärger, den er sich damit eingehandelt hatte.
„Eine richtig Honigparty? Das wäre mal wieder was“, sagte Stoffel und schleckte seine Pfote sauber.
„Na ihr Beiden, schmeckt es?“, fragte die Teddymama schmunzelnd und tauchte ebenfalls ihren Finger in das Glas Honig.
„Heeeee“, protestierte Wobsy mit breitem Grinsen. „Das ist Teddybärenfutter. Aber wir sind ja spendabel, oder Stoffel?“, brummte Wobsy.
„Na klar, Kumpel. Erst recht bei Teddymamas, die noch mehr davon haben“, brummte Stoffel.
„Du Naseweis“, lachte die Teddymama und gab Stoffel einen Stups auf die Nase.
„Hmmm“, machte Wobsy und schaute seinen Freund neugierig an. „Der hat ja gar keine weiße Nase“, motzte Wobsy fast ein wenig enttäuscht.
„Das sagt man ja auch nur so“, erklärt die Teddymama. „So und ihr nascht nicht mehr so viel, sonst gibt es Bauchgrummeln. Wenn ihr fertig seid, wascht euch die Pfoten, ich gehe mal etwas vor die Tür, Luft schnappen. Das würde Euch Beiden auch nicht schaden!“
Die Teddymama verließ das Zimmer und die beiden Teddys sahen sich wortlos an. Man konnte förmlich sehen, wie es in den kleinen Köpfen arbeitete und wie ein schelmisches Grinsen über ihre Gesichter huschte.
„He Kumpel, denkst Du gerade das gleiche wie ich?“, wollte Wobsy wissen und grinste breit?
„Ich denke schon“, sagte Mercy, streckte die Hand aus und brummte: „Ich bekomme sie jedenfalls nicht.“
Wieder stecken die beiden Teddys ihre Köpfe zusammen und tuschelten. „Wir sollten…“.
Kichernd lagen die beiden Freunde auf den Boden und hielten sich glucksend die Bäuche.

Nachdem sie sich etwas beruhigt hatten, folgten sie der Teddymama.
„Möchtet ihr auch ein Glas Kakao?“, fragte die Teddymama, als die beiden an der Küchentür vorbei huschten.
„Nöööööö!“, kam es von den beiden wie aus einem Mund. Die Teddymama stutzte, steckte den Kopf durch die Tür und schaute den beiden Bären nach. Dieses „Nöööö“ hatte schon etwas Verdächtiges. Aber als sie die Beiden auf der Terrasse verschwinden sah, dachte sie sich doch nichts weiter dabei. Später kam die Teddymama aus der Küche und sah aus den Augenwinkeln heraus, wie sich irgendetwas auf der Terrasse bewegte. Auf den zweiten Blick sah sie kleine, plüschige Etwas, die irgendwie seltsam über Terrasse und Rasen liefen.
Neugierig ging die Teddymama zur Terrassentür und schaute kopfschüttelnd den beiden Teddybären zu. Dabei fragte sie sich selbst, ob irgendetwas im Honig war, oder ob die Beiden vielleicht gegorenen Saft getrunken haben.
„Was ist denn mit euch los?“, rief die Teddymama Wobsy und Mercy zu, die über den Rasen liefen und die Arme und Pfoten ausstreckten, so als wollen sie Mücken oder Fliegen fangen.
„Na, wir schnappen Luft!“, riefen die beiden Teddys wie aus einem Mund und Wobsy schlug übermütig einen seiner berühmten Purzelbäume. Dann lagen die Beiden kichernd auf dem Rasen und hielten sich ihre Teddybäuche.
„Na, wartet nur, wenn ich euch schnappe, ihre beiden Frechlinge!“, rief die Teddymama lachend und versuchte die beiden übermütigen Bären einzufangen.

Das war auch gar nicht so schwer, denn mit den vollen Honigbäuchlein und nach der Luftschnapperei, die die Teddymama ja erst recht spät bemerkt hatte, waren beide Bären völlig außer Puste.
So klemmte sie sich einen Teddy unter den rechten Arm und einen Teddy unter den linken Arm. Mercy und Wobsy zappelten so sehr es ihnen ihre Kräfte noch erlaubten. Sie ruderten mit den Pfoten und protestierten: „Was hast Du mit uns vor?“
„Bärenklau! Und das dürft ihr auch wörtlich nehmen!“ lachte die Teddymama.


© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007