Wobsy und die Faschingsparty

„Guten Morgen, kleiner Teddybär!“ Ganz sanft zog die Teddymama ihrem kleinen Teddy die Bettdecke weg. Wobsy gähnte herzhaft und brummte vor sich hin: „Heute mache ich einen Winterschlaftag. …. Oder gibt es heute etwas Besonderes?“
„Ja! Du musst aufstehen und Dir überlegen, wie Du Dich verkleiden möchtest?“
Zögerlich setzte sich Wobsy auf und rieb sich die Knopfaugen: „Verkleiden? Wozu das denn? Ich bin und bleibe Teddybär!“
„Na, heute ist doch Lisas Karnevalsparty. Und Du bist bei ihr eingeladen. Du darfst aber nur verkleidet auf dieses Fest gehen.“
Wobsy wurde langsam munter warf sich zurück in die Kissen, verschränkte seine Arme hinter dem Kopf und schlug die Beine übereinander. „Erkläre mir erst mal, was es mit Fasching oder Karneval auf sich hat, ….. bitte!“
„Nun, Wobsy, hier heißen diese tollen Tage Karneval. In anderen Regionen nennt man es Fasching und in wieder anderen Gegenden wird dieses Fest gar nicht gefeiert. An diesen tollen Tagen darf oder muss sich jeder verkleiden. Gefeiert wird dieses Fest, um den Winter zu vertreiben. …. Hee, Wobsy, hörst Du mir überhaupt zu?“ Die Teddymama stupste ihren kleinen Teddy an. „Du liegst da wie ein kleiner Pascha! … Willst Du Dich als Prinz verkleiden?“
Wobsy setzte sich wieder auf: „ Nein, ich will mich gar nicht verkleiden. Das sind doch alles Narren!“
Die Teddymama lachte: „ Ja, Wobsy und an den Karnevalstagen darf man eben ganz normal endlich mal närrisch sein! Hast Du immer noch keine Lust?“
„Auf die Party schon, aber nicht aufs Verkleiden! … Aber das muss wohl sein, oder? …. Aber wie und was?“
„Du könntest Dich als Imker verkleiden, oder als Geist. ….. „Wie wäre es mit Pirat oder Feuerwehrmann?“ schlug die Teddymama vor.
Mit einem Satz sprang Wobsy aus dem Bett und motzte laut: „ Als Feuerwehrteddy brauche ich mich nicht verkleiden. Das ist Dienstkleidung und damit spaßt man nicht!“
Er hüpfte flink die Treppe hinunter, so dass die Teddymama ihm gar nicht nachkam.
„Na! Nun habe ich Dich wenigstens aus den Federn!“ rief die Teddymama ihrem Wobsy nach und machte sich daran, die Betten frisch zu beziehen.
Sie lauschte hin und wieder und dachte sich: „Jetzt sucht er sich bestimmt eine Verkleidung und ich kann hier in Ruhe alles fertig machen.“

Währenddessen stöberte Wobsy erst im Keller in einer alten Kiste herum und meckerte vor sich hin: „ Ich bin und bleibe ein Teddy, was soll denn das mit dieser Narrenfreiheit?“
Plötzlich stutzte er: „Ja! Ich bin und bleibe ein Teddybär und will es auch gar nicht anders. Aber muss ich immer ein Braunbärteddy sein?“ Schnell lief er in die Küche und stöberte dort weiter.

Die Teddymama hörte, dass ihr Teddy sich in der Küche zu schaffen machte und vermutete, dass er sich erst mal ein paar Pfoten Honig gönnte um besser nachdenken zu können. Und so ging sie im Schlafzimmer weiter ihrer Arbeit nach.

Wobsy hingegen nahm sich eine große Rührschüssel und schüttete ein ganzes Kilo Mehl in die Schüssel. Er erinnerte sich schmunzelnd ans Backen der Weihnachtskekse. Voll bestäubt mit Mehl hatte die Teddymama zu ihm gesagt: „Du machst Knut, dem Eisbär aus dem Berliner Zoo Konkurrenz.“

Mit einem Satz sprang Wobsy in die Mehlschüssel, wälzte sich darin und rieb sich das Mehl ins seinen Plüsch. Ab und an musste er niesen, aber er nieste leise, damit seine Teddymama ihn nicht erwischte. Als er mit sich und seiner Verkleidung zufrieden war hüpfte er aus der Schüssel und schlich die Treppe hinauf. Dass man auf dem blauen Teppichboden jeden Tapser sehen konnte, bemerkte er gar nicht.
Im Schlafzimmer angekommen stellte er sich seiner Teddymama vor. „Traraaaaaa! Hier ist meine Verkleidung! … Darf ich vorstellen? Wobsy, der Eisbärteddy! Kannst auch Knut zu mir sagen…“
Die Teddymama schaute Wobsy mit großen Augen an und war zunächst fast sprachlos. „Wie siehst Du denn aus, Wobsy“, fragte sie und setzte sich auf die Bettkante.
„Na, wie ein echter Eisbär“, brummte Wobsy, drehte sich vor seiner Teddymama und hinterließ einen weißen, staubigen Kreis auf dem Teppich. Kaum kam er wieder zum stehen, musste Wobsy heftig niesen. Durch das Niesen wirbelte Wobsy noch mehr Mehlstaub auf, so dass er plötzlich in einer weißen Wolke stand und nur noch durch einen Schleier zu erkennen war. Auch die Teddymama musste nun niesen und hatte einen trockenen, staubigen Belag auf der Zunge.
„Meeeehl?“, sagte sie völlig überrascht. „Du hast Dich in Mehl gewälzt, Wobsy?“
„Ja klar, hast doch gesagt ich soll mich kleiden. Und da dachte ich mir, ich werde Eisbär. Außerdem….“
„Außerdem?“, hakte die Teddymama vorsichtig nach.
„Außerdem habe ich bei der Gelegenheit gleich nachgeschaut, ob ich Post in der Mailbox habe“, kicherte Wobsy und schlug einen übermütigen Purzelbaum. Wieder stand er in einer Staubwolke und musste heftig niesen.
„Oh Wobsy“, stöhnte die Teddymama lachend und hob ihren Teddy hoch. „Wenn ich dich jetzt ins Wasser tauche, kann ich Dich anschließend backen…“, neckte ihn die Teddymama.
Mit einem Satz sprang Wobsy der Teddymama vom Schoß und sauste brummend durchs Haus: „Nicht backen! Ich bin doch kein Scherzkeks!“
„Halt, Wobsy! Nun bleibe doch endlich mal stehen. Du machst ja das ganze Haus staubig! Und was hilft gegen Staub?“
Da blieb Wobsy stehen und brummte: „Na, der Staubsauger!“

Die Teddymama hatte derweil den Staubsauger geholt und schaltete ihn auf höchster Stufe an. Vorsichtig richtete sie das Rohr auf Wobsy, der sofort den Sog spürte.
„Heee Hiiiilfeeeee“, brummte er und ehe er sich versah, hing er mit einem „Pllooop“ mit seinem weißen Mehlpopo am Staubsaugerrohr fest.
Die Teddymama lachte herzhaft auf, was ihr einen strafenden Blick von Wobsy einbrachte.
Mit einem schuldbewusstem „Verzeihung“ drehte sie die Saugkraft herab und saugte nun ihren kleinen Teddy vorsichtig ab. Wobsy kicherte und protestierte: „Boah, das kitzelt!“
„Na, da musst Du nun durch, wenn ich Dich nicht zum Scherzkeks verarbeiten darf!“ lachte die Teddymama.


© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2008