Mercy bekommt Kleidung

 

Wobsy tapste mal wieder durch den Garten und ging auf Entdeckungsreise. Dabei sah er Lisa auf dem Spielplatz sitzen und stolperte fast zu hastig sofort zum Zaun.

„Haaaallo, Liiiisssssaaa!“, rief er freudig.

Lisa begrüßte ihn und auch von Mercy, ihrem Teddy war ein leises „Hallo“ zu hören. Mercy

war unter Lisas Jacke gekrochen und zitterte vor Kälte.

„Was ist denn mit Dir?“, fragte Wobsy neugierig.

„Mein Fell ist so abgeliebt, dass es mich nicht mehr richtig wärmt“, bibberte Mercy.

„Und ich kann ihm keine neuen Kleider kaufen“, fügte Lisa traurig hinzu.

„Ich muss wieder rein“, sagte Wobsy und versprach Lisa: „ Ich werde mal meine Teddymama fragen, ob wir Euch nicht helfen können.... “ Mit diesen Worten tapste Wobsy zurück ins Haus, dreht sich noch einmal um und winkte seinen beiden Freunden zu.

„Duuuu“, sagte Wobsy zu seiner Teddymama, als er wieder im Haus war. „Der Mercy von Lisa friert ganz dolle. Können wir dem nicht helfen“, plapperte Wobsy los und schaute seine Teddymama dabei mit treuen Augen an. „Lisa hat doch kein Geld und.....“, plapperte Wobsy mit trauriger Stimme weiter.

Wobsys Mama nahm den kleinen Teddy auf den Arm und drückte ihn fest an sich. „Sieh mal, Wobsy“, sagte sie, „ es wird immer Menschen und auch Teddys geben, denen es nicht so gut geht, wie uns. Und wir werden nicht allen helfen können. Aber ich werde mir etwas überlegen. Denn guten Freunden, und das sind Lisa und Mercy ja für Dich, sollte man schon helfen, wenn man kann.“

Zwar hatte die Teddymama gerade jetzt genug zu tun, doch sie wollte sich etwas einfallen lassen, um zu helfen.

Am nächsten Tag, Lisa war wieder auf dem Spielplatz, fragte sie Wobsy, ob er seine beiden Freunde nicht auf einen Kakao einladen möchte.

„Auuu jaaaaaaa!“, rief Wobsy begeistert und stürmte in den Garten. Als Wobsy mit seinen beiden Freunden ins Haus kam, stand schon der heiße Kakao bereit und die Teddymama saß auf dem Sofa und strickte an Teddykleidung.

Nachdem Lisa die Teddymama begrüßt hatte, setzte sie sich in den Sessel und schaute der Teddymama interessiert zu.

„Das möchte ich auch mal können“, sagte Lisa und beobachtete aufmerksam, wie die Teddymama strickte.

„Na, dann komm mal hier zu mir“, sagte die Teddymama. Nachdem sich Lisa an ihre Seite gesetzt hatte, reichte sie ihr das Strickzeug und erklärte Lisa, wie man strickte.

Lisa war sehr geschickt und lernte schnell. Mit Hilfe der Teddymama nahm so die Teddykleidung langsam Formen an.

 

Als Wobsy am Abend im Bett war, fand seine Teddymama etwas Entspannung beim Handarbeiten. So entstanden zunächst eine warme Latzhose, dann eine schöne warme Jacke für Mercy. Sie war sich sicher, dass sich Wobsy darüber sehr freuen würde. Und ganz besonders natürlich Mercy.

Am nächsten Tag stand unerwartet Lisa vor der Tür. Sie hatte ein kleines Wollknäuel in der Hand und ein Paar Stricknadeln.

Nach ihrem freundlichen Gruß bat sie schüchtern, ob die Teddymama ihr nicht helfen könne wenigstens einen Schal für Mercy zu stricken. Die Teddymama schlug ihr ein paar Maschen auf, überließ Lisa dann das Strickzeug und machte sich wieder an ihre Arbeiten. Lisa strickte eifrig und hatte bald einen Teddyschal fertig. Schnell lief sie heim zu Mercy, um ihm den wärmenden Schal umzulegen.

 

Ein paar Tage später überreichte die Teddymama ihrem Wobsy ein kleines Päckchen.

„Uiiiii für mich?“, rief Wobsy aufgeregt, schlug einen übermütigen Purzelbaum und wollte das Päckchen aufreißen.

„Halt“, stoppte ihn seine Teddymama. „Das Päckchen ist für Lisa und Mercy. Du darfst es ihnen heute Nachmittag auf dem Spielplatz schenken“.

Wobsys Augen fingen an zu leuchten. „Sind da Kleider für Mercy drin?“, fragte er aufgeregt und als seine Teddymama nickte, kullerte eine Träne über sein Fell. Er nahm seine Teddymama ganz fest in den Arm und drückte sie, so doll er es mit seinen kleinen Teddyarmen nur konnte. „Darf ich gleich schauen, ob Lisa und Mercy da sind?“, fragte er aufgeregt und lief zur Tür.

„Geh nur, Wobsy“, sagte seine Teddymama und öffnete die Tür. Wobsy schnappte sich das Päckchen und lief schnell zum Spielplatz. Dabei stolperte er noch über seine tapsigen Teddybeinchen und fiel hin.

„Haaaaallo!“, rief er aufgeregt, als er Lisa und Mercy sah.  „Ich... ich habe hier etwas für Euch“, rief Wobsy aufgeregt. Aufgeregt reichte er Lisa das Päckchen und konnte es selbst kaum erwarten, dass sie das Päckchen öffnete.

„Für uns?“, fragte Lisa ungläubig und betrachtete das Päckchen.

„Ja doch! Mach schon auf“, drängelte Wobsy.

Lisa öffnete das Päckchen und zum Vorschein kamen die Sachen für Mercy.

„Sieh mal Mercy“, sagte sie leise und hob die Kleider hoch.

„Oooooh“, rief Mercy und betrachtete die Latzhose und die Jacke.

Lisa nahm die Hose und zog sie ihrem Mercy an. Sie passte wie angegossen. Dann zog sie ihrem Mercy auch noch die Jacke über. Mercy war überglücklich und hüpfte übermütig herum. „Danke schön, Wobsy“, sagte Lisa ganz gerührt vor Freude. „Du bist ein wahrer Freund“.

Inzwischen war auch Wobsys Mama am Zaun angekommen und beobachtete die Drei, wie sie glücklich und zufrieden da saßen. Lisa stand auf und reichte der Teddymama die Hand.

„Danke schön“, sagte sie artig. „So schöne Teddysachen hätte ich für Mercy nie kaufen können....“.

„Wichtig ist, dass Dein Mercy nun nicht mehr frieren muss“, sagte die Teddymama und freute sich, die kleine Lisa so glücklich zu sehen.

 

© 2003 by J. Kraußlach / A. Redmann