Wobsy „igelt“
Lange hat es gedauert, doch dann endlich war es da. Der Postbote brachte das
Päckchen von Mensch, auf das Wobsy so sehnsüchtig gewartet hat.
„Wooobsy, ein Päckchen für Diiiich!“, rief die Teddymama, die es in Empfang
genommen hatte.
„Für mich!“, brummte Wobsy und lief der Teddymama entgegen. „Von wem ist es
denn?“
„Von Mensch“, sagte die Teddymama und reichte Wobsy das Päckchen.
„Uiiii, endlich. Dann kann ich ja das Geheimnis machen!“, brummte Wobsy und
schlug einen freudigen Purzelbaum.
„Mein Geheimnis… „, verbesserte ihn die Teddymama.
Wobsy blieb stehen, schaute die Teddymama an und stemmte eine Pfote in die
Seite.
„Wiesooooo Dein Geheimnis?“, brummte Wobsy. „Das ist MEIN Geheimnis!“
Die Teddymama lachte. „Ich sage doch, es ist Dein Geheimnis, Wobsy. Es heißt: Es
ist mein Geheimnis und nicht, Geheimnis machen“.
„Ach sooooooooo“, brummte Wobsy. „Sag das doch gleich“.
„So, jetzt wo die Post da war, kann ich ja noch schnell etwas einkaufen gehen.
Kann ich Dich mal eineWeile alleine lassen, Wobsy?“, fragte die Teddymama ihren
Bären.
„Na klaaar! Du kennst mich doch“, brummte Wobsy und tat sehr erwachsen. Dabei
konnte er es kaum erwarten, dass die Teddymama endlich das Haus verließ, um sein
Geheimnis zu vollenden.
„Eben“, sagte die Teddymama leise und schmunzelte.
„Was soll das denn heißen?“, brummte Wobsy motzig, der das Wort mitbekommen
hatte.
„Sei brav“, sagte die Teddymama, ohne weiter auf Wobsys Frage einzugehen und
verließ das Haus. Kaum war die Tür zu, riss Wobsy das Päckchen auf und befreite
den Inhalt von der Verpackung. Heraus kam eine Dose mit vielen halbfertigen
Pralinen. Die Trüffelmasse war schon rund geformt, doch fehlte noch die
Schokolade rings herum. Diese lag in einem dicken Block mit im Päckchen.
Nachdem Wobsy alles ausgepackt hatte, holte er sich das Telefon und rief Mensch
an.
„Hallo?“, hörte er Mensch am Telefon sagen.
„Hallo Mensch, ich bin es, Wobsy. Deine Prila… Prai… also das Geheimnis ist
angekommen. Los, lass uns die Sache mal schnell fertig machen“, brummte Wobsy in
den Hörer.
„Hallo Wobsy“, lachte Mensch. „Das Geheimnis heißt Pralinen. Solltest Du wissen,
Du Naschteddy!“, neckte Mensch seinen Freund.
„Heeee, ich bin eine Teddybär und bevorzuge Hoooonig!“, motzte Wobsy. „Und nun
erzähle schon was ich machen muss, bevor die Teddymama wieder da ist“, drängelte
er.
Mensch gab Wobsy genaue Anweisungen, was er nun zu tun hatte. Als erstes
erklärte er Wobsy, wie er die Schokolade schmelzen sollte. Zwischenzeitlich
sollte Wobsy alles für das Igeln vorbereiten. Er packte das Gitter und die
Gabeln aus, die Mensch mitgeschickt hatte. Dann legte er sich Rohpralinen
zurecht und rührte immer wieder die Schokolade um.
„Die Schokolade ist geschmolzen; Mensch“, sagte Wobsy ein wenig aufgeregt in den
Hörer.
„Gut, Wobsy, dann nimmst Du jetzt eine Praline, wirfst sie in die Schokolade,
holst sie mit der Gabel wieder heraus und legst sie auf dem Gitter ab. Dann
igelst Du sie, indem Du sie auf dem Gitter hin und her rollst. So bekommen sie
ihre unebene Hülle.“
„Alles klar, Chef“, brummte Wobsy und ließ die erste Praline in die Schokolade
plumpsen.
„Wow, das geht suuuper gut“, rief Wobsy begeistert. Die erste Priline ist
geigelt“, rief er in den Hörer.
„Fein, dann weißt Du ja jetzt wie es geht, Kumpel!“, sagte Mensch. „Wenn Du alle
Pralinen geigelt hast, lässt Du sie fest werden und verpackst sie schön.
„OK, ich mache jetzt mal Schluss, damit ich hier fertig werde, bevor die
Teddymama heim kommt“, brummte Wobsy in den Hörer. „Ich danke Dir Mensch!“
„Schon OK, Kumpel. Für Dich doch immer!“
Kaum war Wobsy mit den Pralinen fertig und hatte sie verpackt und versteckt, da
kam auch schon die Teddymama nach Hause. Die Küche war schon wieder fast
aufgeräumt, doch noch stand der Topf mit der geschmolzenen Schokolade auf dem
Tisch.
„Was ist das denn hier, Wobsy? Hast Du wieder Unsinn angestellt?“
„Iiiiich? Niiiemals“, brummte Wobsy beleidigt. „Ich habe… ähm, also ich habe….
ich wollte… „, stammelte er verlegen.
„Du wolltest aus Dir einen Schokoladenteddy machen….“, vollendete die Teddymama
sein herumgedruckse.
„Ähm, genauuuuu!“, rief Wobsy. „Schokobären und so… Also… ach ich habe ein
Geheimnis gemacht!“
„Na, dann will ich mal nicht weiter nachfragen, Wobsy“, schmunzelte die
Teddymama. „Das Haus steht ja noch, die Küche ist nicht überschwemmt und …..!“
„… und ich bin der weltbeste, artigste und vernachlässiger…. äh, verlässigste…
Teddy den es gibt!“
Na klar, Wobsy, das bist Du“, stimmte die Teddymama zu. „Und ich bin ein Engel?“
„Eeeeecht?“, brummte Wobsy mit großen Augen. „Mit Flüüügel?“
Die Teddymama gab Wobsy einen Stups auf die Nase und beide mussten laut lachen.
Dann aber nahm sie ihren kleinen Teddy auf den Arm und knuddelte und kitzelte
ihn:
„Wenn Du mir hilfst die Einkäufe auszupacken, zügle ich meine Neugier um dein
Geheimnis noch! Ansonsten kitzle ich Dich so lange durch bis Du es mir
verrätst!“
„Ich helfe Dir ja!“ kicherte Wobsy, „und dann probieren wir die Parinilen!“
Die Teddymama verbesserte ihren kleinen Schelm nicht, sondern lächelte wissend
in sich hinein.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007