Wobsy sehnt sich nach Schnee
Nun war es schon fast Dezember, die Weihnachtsmärkte eröffneten und draußen lag
noch immer kein Schnee. Ganz im Gegenteil. Eigentlich war es eher Spätsommer als
Winter.
Wobsy lag auf dem Boden und schaute nachdenklich aus dem Fenster. Dabei brummte
er leise vor sich hin.
„Was brummst Du denn, Wobsy?“, fragte die Teddymama, als sie Wobsy so am Boden
liegen sah.
„Hmmm, letztes Jahr lag zu dieser Zeit schon Schnee“, brummte Wobsy leise und
setzte sich auf. „Erinnerst Du Dich noch an meinen ersten Purzelbaum im
Schnee?“, fragte Wobsy grinsend. „Und dieses Jahr? Nichts. Kein Schnee in Sicht.
Dabei würde ich sooo gerne mit Lisa und Mercy wieder einen Schneemann bauen und
eine Schneeballschlacht machen!“
„Ja, ja, und die Teddymama wieder mit Schnee einseifen, was?“, lachte die
Teddymama.
„Na klaaaar!“, freute sich Wobsy und strahlte über das ganze Gesicht.
Als die Teddymama etwas später im Keller war, saß Wobsy auf dem Sofa, schleckte
Honig und schaute gelangweilt fern. Plötzlich wurde er ganz aufmerksam und ließ
den Honiglutscher sinken. Was erzählten die da? Wie? Schnee machen? Mit einem
Besen?
Sofort sprang Wobsy auf, lief in die Küche und zog die Schublade auf.
Tatsächlich, er wusste es doch. Die Teddymama hatte auch so einen komischen
Besen, mit dem man Schnee machen kann. „Hätte sie ja auch sagen können“, brummte
Wobsy und schob die Schublade wieder zu.
„Nun muss ich nur noch rauskriegen, womit man den Schnee macht“, dachte sich
Wobsy und grübelte. Noch während Wobsy ganz in Gedanken war, klingelte es an der
Tür. Wobsy schaute um die Ecke und sah Lisa und Mercy vor der Tür stehen.
„Daaas ist Liiiisa und Meeercyyy!“, rief Wobsy in den Keller. „Ich mache die Tür
auf!“ Und schon hängte Wobsy sich an die Türklinke.
„Gut Wobsy, ich komme gleich!“, rief die Teddymama aus dem Keller zurück.
Kurz darauf war die Teddymama bei den drei Freunden und bot etwas zu trinken an.
Während sich Lisa und die Teddymama unterhielten, zog Wobsy seinen Teddyfreund
Mercy hinter den Sessel.
„He Kumpel, hör mal“, flüsterte Wobsy. „Draußen liegt doch immer noch kein
Schnee und ich habe da was im Fernsehen gesehen...“
Die beiden Teddybären tuschelten geheimnisvoll vor sich hin und achteten darauf,
dass Lisa und die Teddymama nichts mitbekamen.
„Was heckt ihr denn schon wieder aus“, klang plötzlich die Stimme der Teddymama
vom Sofa.
„Wiiiiiir? Niiiiichts!“, kam es wie aus einem Teddymäulchen.
„Was meinst Du, Mercy? Womit können wir den schönsten Schnee machen. So einen
Besen dafür haben wir. Aber pssst!“
Die beiden Teddyfreunde kicherten leise vor sich hin.
„Wenn Lisa badet, gibt es immer viel Zeugs auf dem Wasser. Sieht fast aus wie
Schnee,“ flüsterte Mercy.
„Heee, das hat meine Teddymama auch. Ich denke das geht….“
Wobsy und Mercy schauten vorsichtig zur Teddymama und Lisa hinüber.
„Komm, Mercy, die Zwei sind so vertieft in ihre Handarbeiten, wir können uns
verkrümeln!“
Die beiden Teddys schlichen erst in die Küche, wo sie sich so leise wie möglich
zwei Schneebesen aus der Schublade angelten. Auch auf Samtpfoten kletterten sie
die Treppe zum Badezimmer hoch.
Im Bad fingen Beide vor Vorfreude auf ihren selbstgemachten Schnee an zu
kichern, stupsten sich gegenseitig an und reichten sich zur Beschwörung auf ein
gutes Gelingen die Pfoten.
Während Wobsy den Badeschaum in die Wanne kippte, kletterte Mercy bereits auf
den Badewannenrand und rutschte die schräge Wand runter. Wobsy reichte ihm die
Schneebesen und tat es ihm dann gleich. Mit Feuereifer rührten und schlugen sie
den Badeschaum. Eine anstrengende Herausforderung für die beiden Teddys, aber
bald bildeten sich sie ersten Blasen und je eifriger sie schlugen, desto dichter
wurde der Schaum und sah wirklich fast aus wie Schnee.
Die Schaummasse wurde immer mehr und mehr. Bald standen die Beiden bis zum Hals
im Schaumschnee.
„Hee, Wobsy, hier stimmt etwas nicht. In richtigem Schnee versinkt man nur ein
kleines bisschen aber doch nicht so tief!“ bemerkte Mercy zaghaft.
Wobsy hatte seinem Teddyfreund gar nicht zugehört und schlug emsig weiter. Aber
auch er verschwand bald ganz um Schaum und nun wurde es ihm mulmig.
Aus vereinten Teddyhälsen riefen sie: „Hiiiiiiiiiiiiilllllllllllllllllllfffffffffffffeeeeeeeeeeeeee,
der Schnee verschluckt uns!“
Lisa und die Teddymama schreckten hoch und liefen diesem dumpfen Hilferuf sofort
nach.
Beide waren sehr erschrocken über das was sie da im Badezimmer fanden. Nur von
den Teddys fehlte jede Spur.
„Mercy, wo bist du?“ rief Lisa.
„Wobsy, versteckst Du Dich?“ rief nun auch die Teddymama besorgt.
Ganz dumpf hörten die Teddymama und Lisa ihre Teddys antworten: „Hier!“
Die Teddys strappelten wie verrückt, aber der Schaum wurde dadurch nur noch
mehr.
„Daaaa, der Schaum bewegt sich und wird immer größer!“ Lisa zeigte auf die fast
überschäumende Badewanne.
Blitzschnell angelten die Teddymama und Lisa nach ihren Teddys. Die beiden
husteten und prusteten den seifigen Geschmack aus ihren Mäulchen.
Ganz kleinlaut ließen sie sich mit Handtüchern vom Schaum aus ihrem Plüsch
befreien und die Teddymama schimpfte: „Was habt Ihr Euch denn da schon wieder
ausgedacht? Das hätte wirklich böse enden können, ihr Beiden!“
Verlegen schaute Wobsy zu Boden und stotterte: „Ich …Ich wollte doch nur …
wieder mal Schnee haben.“
Mutiger fügte er dann hinzu: „Und im Fernsehen haben die mit dem Schneebesen in
einer Schüssel Schnee geschlagen, aber eine Schüssel voll Schnee reicht niemals
für einen Schneemann.“
Die Teddymama und Lisa schauten sich an und mussten sich das Lachen verkneifen.
„Also, für diesen Unfug muss einfach Strafe sein!“ sagte Lisa dann und sie
ordnete den beiden Bären an „ihren“ Schnee nun mit ihren kleinen Eimern raus zu
tragen.
Schon sprang Wobsy seiner Teddymama vom Arm und wollte den Heißwasserhahn
aufdrehen: „Schnee schmilzt doch wenn es ihm warm wird!“
In letzter Sekunde konnte ihn die Teddymama von der nächsten Katastrophe
abhalten.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006