Wobsy und das Sommerloch
Draußen war es sehr heiß und Wobsy hatte es sich auf dem Sofa bequem gemacht.
Mit ausgestreckten Pfoten lag er da, schleckte genüsslich ein kleines Wassereis
und beobachtete die Teddymama beim Lesen der Tageszeitung. Ohne es zu bemerken,
schüttelte sie dabei mit dem Kopf. „Das muss am Sommerloch liegen“, sagte die
Teddymama leise und mehr zu sich selbst.
Wobsy rollte sich zur Seite, stützte seinen Kopf auf die Pfote und schaute die
Teddymama an.
„Was ist denn ein Sommerloch?“, wollte Wobsy wissen.
„Bitte was?“, sagte die Teddymama und schaute Wobsy über den Zeitungsrand an.
„Na, Du hast irgendwas vom Sommerloch gesagt“, brummte Wobsy. „Ist der Sommer
jetzt kaputt?“
Die Teddymama musste lachen und schob die Zeitung zur Seite. „Nein, Wobsy, der
Sommer ist nicht kaputt. Sommerloch nennt man es, wenn in der Zeitung nur noch
verhältnismäßig Unwichtiges geschrieben wird. Eben weil alle im Urlaub sind. So
auch die Politiker, die ja überwiegend die Zeitungen füllen“, erklärte die
Teddymama.
„Hmmmm!“, brummte Wobsy und schleckte schnell sein schmelzendes Eis auf und die
Teddymama holte einen Lappen, um Wobsy die klebrigen Pfoten abzuwischen.
Etwas später, die Sonne ging langsam unter, holte die Teddymama die Gießkanne,
um die Blumen zu gießen.
„Darf ich helfen“, rief Wobsy und sprang vom Sofa.
„Ja gerne, Wobsy“, sagte die Teddymama. „Du kannst ja deine kleine Kanne nehmen
und vor dem Haus die jungen Pflanzen gießen.
„OK, mache ich“, rief Wobsy und machte sich ans Werk. Er füllte seine kleine
Blumenkanne mit Wasser, schleppte sie vors Haus und goss damit die neu
gepflanzten Pflanzen, während die Teddymama die Blumen im Garten goss.
Plötzlich hörte Wobsy es poltern, platschen und dann drang ein lauter Schrei bis
zu ihm in den Vorgarten.
„Wooobsyyyyyyyyyyy!“, rief die Teddymama und es klang wenig begeistert.
Wobsy ließ erschrocken die Kanne fallen und überlegte, was er denn nun schon
wieder angestellt hatte. Schnell lief er in den Garten zur Teddymama.
„Waaaas ist… denn?“, wollte Wobsy wissen und lief plötzlich rot an. Er sah die
Teddymama auf dem Rasen liegen, vom Gießwasser von Oben bis Unten nass und
schmutzig. Bei dem Anblick, wie die Teddymama da auf dem Rasen lag, so nass und
wie ein Teddy, alle Pfoten von sich gestreckt, musste Wobsy ein Kichern und
Grinsen unterdrücken.
„Was... was hast Du denn gemacht?“, fragte Wobsy gespielt entsetzt und war
bemüht sein Kichern zu unterdrücken. „Ist Dir etwas passiert?“, versuchte Wobsy
weiter mitfühlend zu sein.
Die Teddymama schaute Wobsy mit strengem Blick an, was ihr nicht ganz leicht
viel. Denn inzwischen fand auch sie die Situation zum Lachen.
„Nein Wobsy, mir ist nichts passiert“, antwortete die Teddymama. „Und was ich
gemacht habe? Sage mir lieber was Du wieder gemacht hast?“
„Iiiiich? Wieso ich? Na gaaar nix“, brummte Wobsy empört.
„Und was ist dann das hier? Hast Du dafür eine Erklärung, Wobsy? Oder haben wir
neuerdings Kaninchen oder Mäuse im Garten?“
Wobsy schaute auf das kleine Loch im Rasen und lief rot an.
„Also das ist… ähm… nun… also wie soll ich das brummen?“, stotterte Wobsy vor
sich hin.
„Woooobsyyyy!“, sagte die Teddymama ermahnend und schmunzelnd zugleich.
„Also gut… das ist… also das ist…“, druckste Wobsy herum.
„Ich höre, kleiner Bär. Das ist was?“, wollte die Teddymama wissen.
„Na, das ist eben MEIN Sommerloch“, sprudelte es aus Wobsy heraus. „Lisa und
Mercy sind in den Ferien bei ihren Großeltern, Flo ist auch im Urlaub, Kunigunde
ist auch nicht da und von Stoffel habe ich auch nichts gehört. Also muss das
wohl mein Sommerloch sein“, erklärte Wobsy und klopfte den Schmutz von der
Teddymama.
„Och Du armer, einsamer Teddy“, sagte die Teddymama. „Aber deswegen darfst Du
hier doch keine Löcher graben. Ich hätte mir die Beine brechen können.“
„Entschuuuuuldigung!“, brummte Wobsy und drückte seine Teddymama.
„Na, ist ja noch mal gut gegangen. Was hältst Du davon, wenn wir beide in die
Küche gehen und leckeres Honigeis selbst machen? Ich habe da so eine neue
Eismaschine….“
„Au jaaaaaaaaaaa!“, brummte Wobsy begeistert und zerrte der Teddymama am Arm.
„Los komm schon, Sommerlöcher stopfen.“
„Ja doch“, sagte die Teddymama, stand auf und klopfte sich den Schmutz von den
Kleidern.
„Aber sah schon lustig aus, wie Du da wie ein Käfer auf dem Rücken gelegen
hast“, brummte Wobsy kichernd.
„Na warte, Du kleiner Frechling!“, rief die Teddymama und lief hinter Wobsy her.
„Wenn ich Dich erwische, gehst Du mit mir in die Wanne….“
„Oh neiiin, Hiiiiiiilfe!“; brummte Wobsy und die beiden liefen lachend ins Haus.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007