Traumfänger
Die Teddymama hatte sich für den heutigen Tag vorgenommen, im Schlafzimmer die
Betten für die kältere Jahreszeit umzurüsten. Schon früh am Morgen hatte sie
Wobsy aus seinem Bettchen geworfen und ihm erklärt, dass sie auch sein Bett für
die Wintermonate richten wollte. Wobsy hatte energisch protestiert, weil sie ihn
aus einem wunderschönen Traum gerissen hatte. So motzte er rum: „Lass mich
schlafen, ich will weiterträumen!“ Er drehte sich um und versuchte wieder
einzuschlafen, aber, so sehr er sich auch anstrengte, er fand keinen Schlaf mehr
und wälzte sich nur noch im Bettchen und beklagte, ihm sei kalt.
„Dann stehe endlich auf und hilf mir!“ forderte die Teddymama ihn auf. Sie hatte
schon begonnen, ihr Bett abzuziehen und die leichte Sommerdecke im Garten zum
Auslüften in die Herbstsonne gehängt.
Als sie wieder ins Schlafzimmer kam, zupfte und zerrte Wobsy auf ihrem Bett
herum und zerrte an den Spannbettlaken. Plötzlich löste sich die Ecke am
Kopfende und er plumpste auf seinen Teddypopo aber nicht nur das Spannbettlaken
kam ihm entgegen sondern auch dieser komische Wandschmuck, der über dem Bett
hing.
Wobsy fluchte vor sich hin: „Dieses blöde Ding! Das ist auch nur immer im Weg
und hat keinerlei Nutzen!“ Er nahm es und sah, dass die Aufhängung gerissen war
und wollte es schnell im Müll verschwinden lassen.
„Was machst Du da mit meinem Traumfänger?“ rief die Teddymama und Wobsy motzte
los: „Das blöde Ding ist von der Wand gekommen, als ich das Laken abziehen
wollte und ist nun kaputt. Also weg damit!“
Die Teddymama nahm ihm den Traumfänger aus der Hand und legte ihn beiseite. Dann
machten sie sich gemeinsam an die Arbeit, die Betten zu richten. Als alles
fertig war, glänzten Wobsys Augen: „ Boah, ich freue mich jetzt schon darauf,
heute Abend in mein Bettchen zu kriechen. Das sieht irre kuschelig aus und darin
lässt sich bestimmt noch besser träumen.“
Der Nachmittag verging im Fluge und nach dem Abendessen verschwand Wobsy schon
recht früh im Schlafzimmer.
„Wo willst Du denn schon hin?“, fragte ihn die Teddymama, als er in Richtung
Schlafzimmer lief.
„Träume fangen“, rief Wobsy entschlossen und noch ehe die Teddymama fragen
konnte, was er damit meinte, war er schon verschwunden.
Während die Teddymama auf dem Sofa lag, um in aller Ruhe ein Buch zu lesen,
hörte sie es ab und an aus dem Schlafzimmer rumoren und poltern.
„Wobsy, was machst Du da?“, rief sie fragend, bekam aber keine Antwort.
Allerdings hatte sie auch keine Lust aufzuspringen, um nachzusehen. Sie
vertraute ihrem Teddy und wusste, dass er absichtlich bestimmt nichts anstellen
würde.
Wenig später kam Wobsy aus dem Schlafzimmer, lief in den Keller, kramte herum
und schleppte einen Karton ins Schlafzimmer.
Die Teddymama hörte es wieder rumoren, ein leises Poltern und schaute fragend an
die Zimmerdecke in Richtung Schlafzimmer. Gerade als sie aufstehen wollte, um
nachzusehen, was Wobsy dort treibt, kam er wieder ins Wohnzimmer.
„Was treibst Du da im Schlafzimmer“, fragte die Teddymama. Doch anstatt eine
Antwort zu bekommen, wuselte Wobsy nur suchend durch die Wohnung.
„Haben wir denn keinen dünnen Holzstab?“, fragte Wobsy und durchstöberte die
Ecken.
„Was machst Du Wobsy?“, fragte die Teddymama erneut. Und diesmal klang ihre
Stimme schon sehr neugierig.
„Zeige ich Dir gleich!“, antwortete Wobsy knapp, schnappte sich einen dünnen
Stab und verschwand wieder im Schlafzimmer.
Eine Weile wartete die Teddymama noch ab und sah dem emsigen Treiben von Wobsy
zu.
Schließlich gab sie ihrer Neugierde nach und ging zu Wobsy ins Schlafzimmer.
„Was tust Du hier?“, fragte sie erneut. Dann sah sie den Karton neben Wobsys
Bett. Er war mit einem Stöckchen aufgestellt und an dem Stöckchen war ein dünner
Faden befestigt, der bis zu Wobsy ins Bett reichte.
„Ich werde Traumfänger und habe mir eine Traumfalle gebaut“, erklärte Wobsy
stolz und zeigte seiner Teddymama die Falle.
„Eine Traumfalle?“, fragte die Teddymama ungläubig.
„Ja“, erklärte Wobsy. „Ich hatte in letzter Zeit so schöne Träume, aber immer,
wenn ich aufwachte, waren sie verschwunden. Das finde ich gemein. Darum habe ich
mir jetzt eine Traumfalle gebaut. Wenn ich einen schönen Traum habe, ziehe ich
hier an dem Bändchen und fange den Traum ein. So habe ich auch am Morgen noch
etwas von dem Traum“, erklärte Wobsy stolz. Verständnis suchend blickte er seine
Teddymama an und fügte hinzu: „ Du hast doch auch einen Traumfänger, auch wenn
ich mir bei dem nicht erklären kann, wie der funktionieren soll.“
Die Teddymama schaute Wobsy einen Moment an, bevor sie anfing, herzhaft zu
lachen.
Sie nahm Wobsy auf den Arm, drückte ihn und sagte: „Ach Wobsy, Du bist süß!
Träume kann man doch nicht einfach so einfangen. Träume finden in Dir statt und
sind nur Fantasie!“
„Die sind gar nicht echt?“, fragte Wobsy enttäuscht?
„Echt schon, weil Du sie in Deiner Fantasie erlebst, Wobsy“, erklärte die
Teddymama. „Träume sind nur Illusionen“.
„Dann kann ich die ja gar nicht einfangen. Das ist gemein“, meinte Wobsy.
Nachdenklich setzte sich Wobsy auf sein Bettchen, stierte auf seine Traumfalle
und sagte ganz kleinlaut: „Und was hat das mit Deinem Traumfänger auf sich?“
„Das ist ein indianischer Wandschmuck, der nach einem ganz bestimmten Muster
gefertigt ist und dieses Muster beruht auf der Fantasie, dass dieses Geflecht
die guten Träume zu dem Schlafenden durchlässt und die schlechten Träume vom
Schlafenden weg hält. Also fast auf der gleichen Idee wie Deine Traumfalle! Aber
festhalten kann man die Träume weder mit Deiner Idee noch mit einem indianischen
Traumfänger.“
Die Teddymama ging mit Wobsy zum Schreibtisch, nahm ein leeres Büchlein und
schrieb „Wobsys Traumbuch“ darauf. Dieses Büchlein drückte sie Wobsy in die
Hand.
„Hier Wobsy, das ist Dein Traumbuch. Immer wenn Du einen schönen Traum hattest,
schreiben wir ihn am Morgen in dieses Büchlein. So kannst Du Deine Träume
sammeln und in Erinnerung rufen.“
„Uuuiiii Daaanke!“, sagte Wobsy und legte das Büchlein neben sein Bett. Dann
kickte er mit einem Teddypfotenfußtritt die Traumfalle zur Seite.
„Woobsyyy .......!“, hörte er seine Teddymama sagen.
„Ja, ja ich räume das morgen alles auf. Aber jetzt muss ich erst schlafen gehen,
um zu träumen. Ich möchte morgen meinen ersten Traum ins Büchlein schreiben!“
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