Wobsy - ein VIB?
Wobsy hatte es sich in seinem Sessel gemütlich gemacht und da die Teddymama
beschäftigt war, schaute er fern. Er sah einen Bericht über bekannte Personen,
sogenannte Prominente.
Gespannt verfolgte er, wie vom roten Teppich berichtet wurde und wie diese VIP
bevorzugt behandelt wurden.
„Also, wenn die da alle VIP sind, dann bin ich es erst recht, als weltbester
Feuerwehrteddy mit eigener Homepage, als Geschichtenhauptfigur Teddy mit eigener
Grafikerin“, dachte sich Wobsy und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er
lehnte sich entspannt in seinem Sessel zurück und rief: „Maaaaama!“
„Was ist denn, Wobsy?“, antwortete die Teddymama aus der Küche.
„Bring’ mir bitte den Honig. Ich möchte naschen“, kommandierte Wobsy und sein
kleines Bäuchlein hob und senkte sich im Takt seines lautlosen Kicherns.
Kurz darauf kam die Teddymama und reichte ihrem Teddy den Honig.
„Danke schön“, brummte Wobsy zufrieden und tauchte eine Pfote in den Honig, um
sie genüsslich abzuschlecken. „VIP sein ist teddymäßig-bären-toll“. Kaum hatte
Wobsy genug Honig genascht und war satt, rief er erneut nach seiner Teddymama.
„Was ist denn nun schon wieder?“, fragte sie und kaum stand sie bei Wobsy,
drückte er ihr das Honigglas in die Hand. „Ich bin satt“, brummte er leise und
mit einem kaum merklichen Grinsen im Gesicht.
Nur wenige Minuten später konnte man erneut Wobsys Stimme durch das Haus brummen
hören. „Maaaamaaa! Ich haaaabe Duuuarst! Bring mir bitte Kakaaaoooooo!“ Dabei
saß Wobsy im Sessel, kicherte leise vor sich hin und bemühte sich ein möglichst
ernstes Gesicht zu machen, als die Teddymama um die Ecke kam. Das fiel Wobsy
besonders schwer, als die Teddymama vor dem Sessel stehen blieb und ihre Hände
in die Hüften stemmte.
„Sage mal, Wobsy, geht es Dir noch gut?“, wollte die Teddymama wissen und
schaute ihren Teddy vorwurfsvoll an. „Bin ich vielleicht Dein
Teddyverwöhnelaufmaldienstmädchen?“
„Na klar geht es mir gut“, erwiderte Wobsy voller Überzeugung und bierernstem
Gesicht. „Du bist zwar kein Bedienmädchen… oder so, aber ich, ich bin ein Vau I
Be!“, brummte Wobsy voller Überzeugung und stolz.
„Du bist waaas?“; wollte die Teddymama wissen und schaute ihren Teddy erstaunt
an.
„Na ein Vau I Be“, wiederholte Wobsy mit breitem Grinsen.
„Was bitte schön ist ein Vau I Be?“, wollte die Teddymama wissen.
„Das bedeutet, dass ich ein Very important Bear bin. Also eine sehr wichtige
Bärsönlichkeit, eine prominente Bärsönlichkeit…“, erklärte Wobsy kichernd. „Also
ein sehr wichtiger Bär. So einer wie Knut aus Bärlin, der ja quasi ein Kumpel
von mir ist. Und weil ich ja der weltbeste, einzigartigste Feuerwehrteddy der
Welt bin und dazu noch internetweltberühmt…“.
„Ist ja gut Wobsy, komm mal wieder runter“, lachte die Teddymama herzhaft,
verschwand in der Küche und kam mit einem leckeren Eis am Stil zurück. „Hier,
für Dich Wobsy, damit Du Dich ein wenig abkühlen kannst“, lachte die Teddymama
und reichte Wobsy das Eis.
Während Wobsy mit breitem Grinsen sein Eis schleckte, klingelte es an der Tür.
Die Teddymama ging nachschauen, wer da kam und begrüßte Wobsys Freunde Lisa und
Mercy. „Hallo Ihr Beiden. Seid ihr etwa Vau I eFs und wollt auch ein Eis?“
Lisa und Mercy schauten die Teddymama fragend an und verstanden nur Bahnhof.
„Was sollen wir sein?“, fragte Lisa.
„Na, Wobsys Vau I eFs“.
„Vau I … was?“ Lisa schaute völlig verwirrt und Wobsy stand kichernd in seinem
Seesel. Er schleckte sein Eis und war drauf und dran einen seiner Purzelbäume zu
schlagen.
„Unterstehe Dich“, rief die Teddymama ihm zu. „Nicht mit dem Eis in der Hand.“
Dann erklärte sie Lisa und Mercy was sie sein sollten. „Ihr seid doch Wobsys Vau
I effs. Also seine Very important Friends.
„Ich verstehe Nix und davon alles“, brummte Mercy und schob sich ins Haus.
„Na, dann geht mal zu Wobsy. Der wird euch sicher aufklären“, sagte die
Teddymama. „Möchtet ihr auch ein Eis?“
Während Mercy schon zu Wobsy ins Wohnzimmer tapste, holte Lisa das Eis bei der
Teddymama in der Küche ab. Da flüsterte die Teddymama Lisa ins Ohr: „Wobsy ist
heute ein bisschen größenwahnsinnig und ich spiele mit!“
Lisa schmunzelte und flüsterte zurück: „ Ich habe da schon eine Idee, wie wir
ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.“
Lisa ging zu den beiden Bären ins Wohnzimmer. Diese saßen ausgestreckt im Sessel
und hielten sich die Bärenbäuchlein vor Lachen. Wobsy hatte Mercy erzählt, dass
er als Vau I Be seine Teddymama schon seit Stunden durch die Gegend scheucht.
Lisa reichte Mercy sein Eis.
An Wobsy gewandt, sagte sie: „Verehrte Bärsönlichkeit! Könnte ich vielleicht
einen Moment Ihre Aufmerksamkeit gewinnen?“
Wobsy hörte wie auf Knopfdruck auf zu lachen: „Wie redest Du denn mit mir, Lisa?
Für Dich bin ich doch ein Freund und ein Kumpel, oder?“
„Ich fühle mich sehr geehrt, dass Ihre Bärsönlichkeit mir derartiges Vertrauen
schenkt. Darf ich mein Anliegen vortragen?“ Lisa spielte Wobsy eine
ehrerbietende Haltung vor. Wobsy schüttelte den Kopf und wurde noch ernster:
„Nun sag’ schon, was hast Du auf dem Herzen?“
Gespielt schüchtern erklärte Lisa: „ Also in wenigen Tagen ist Vau I eM Tag! Und
jeder hat ja eine Vau I eM. Eure Bärsönlichkeit ja auch! Nun ich sage meiner Vau
I eM nicht nur an diesem Tag, dass ich sie lieb habe und achte, aber an diesem
Tag möchte ich sie überraschen ….“
Wobsy hörte schon gar nicht mehr zu, sondern dachte nur noch nach. Mercy
schleckte völlig geistesabwesend an seinem Eis. Plötzlich sprang Wobsy auf, riss
seinen Kumpel Mercy mit vom Sessel und zerrte ihn in den Garten:
„Hey, Kumpel, weißt Du wann genau dieser Vau I eM –Tag ist?“
„Was? Was für ein Tag?“
„ Na, Mamatag bzw. Muttertag?“ Wobsy stand vor Mercy und schüttelte ihn.
„Ist ja schon gut! Ja, ich weiß, wann dieser Tag ist. Kommenden Sonntag! Lisa
bastelt schon seit Tagen an einem Geschenk für ihre Mama!“
„ Und Du? Hast Du Dir schon was für Deine Teddymama einfallen lassen?“
„F.. für wen?“ stotterte Mercy.
„ Na, für Lisa! Sie ist doch sozusagen Deine Teddymama!“
Mercy antwortete: „ Nööööööööööööööö, muss denn das sein?“
„Nein, natürlich muss so was nicht sein, aber schön wäre es doch, oder? Also ich
will mir was einfallen lassen für meine Teddymama!“
So tapsten die Beiden wieder ins Wohnzimmer, wo Lisa sich bei der Teddymama noch
ein paar Tipps und Hilfestellungen für ihr Muttertagsgeschenk holte.
Beide Bären bestürmten ihre Teddymamas und meinten: „Für Heute hat es sich
ausge-vau-i-bet! Können wir Euch helfen?“
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007