Wobsy und das Vogelhäuschen

 

Es war schon März und noch immer bitterkalt draußen. Dieses Jahr hatte der Winter die Umwelt fest im Griff. Draußen war alles tief verschneit und die Welt schien durch den Frost wie erstarrt.

Wobsy lag am Boden vor der Heizung, schleckte an seinem Honiglutscher und schaute verträumt aus dem Fenster. Dabei beobachtete er die vielen Schneeflocken, die lautlos vom Himmel fielen und sich auf die alte Schneedecke legten.

Plötzlich musste Wobsy lächeln, denn die kleine Meise, die auf der Terrasse zu wohnen schien, kam angeflogen und setzte sich hinter der Scheibe direkt vor Wobsys Nase. Er beobachtete, wie die Meise mit ihren kleinen Schnabel immer wieder in den Schnee pickte, weiter hüpfte, pickte, suchte.

Wobsy schleckte noch einmal genüsslich an seinem Lutscher und stutzte. Dann stand er auf und lief zu seiner Teddymama, die im Sessel saß und ein Buch las.

„Duuuu, kannst Du mir bitte mal die Terrassentür öffnen?“, bat Wobsy lieb und stupste seine Teddymama an.

„Sicher kann ich das, Wobsy“, sagte die Teddymama. „Aber warum soll ich die Tür

aufmachen, dann wird es doch kalt hier drinnen.“

„Du sollst sie ja nur kurz öffnen, damit ich meinen Honiglutscher in den Schnee legen kann“, erklärte Wobsy.

Die Teddymama schaute Wobsy erstaunt an. „Warum willst Du denn Deinen Lutscher in den Schnee legen, Wobsy?“

„Na, Du weißt doch, dass hier die kleine Meise wohnt. Und ich habe sie eben beobachtet, wie sie nach Futter pickt und in dem dicken Schnee nichts findet. Da will ich ihr etwas von meinem abgeben“, erklärte Wobsy überzeugend.

Die Teddymama schaute Wobsy an und strich ihm lächelnd über den Kopf. „Aber Wobsy, Vögel fressen doch keine Lutscher oder Honig. Sie picken Körner, Würmer und Salat“.

Wobsy schaute erst seine Teddymama fragend an, dann hinaus auf die Terrasse, dann wieder die Teddymama. „Aber... aber wenn wir Körner für die Meise streuen, findet sie die doch gar nicht in dem hohen Schnee. Und nass werden die auch“, meinte Wobsy nachdenklich.

„Da hast Du Recht, Wobsy“, sagte die Teddymama. „Und darum gibt es ja diese Vogel- oder Futterhäuschen. Dort streut man das Futter hinein und die Vögel können es bequem finden und aufpicken. Oder man hängt Meisenringe auf, Wobsy?“

„Meisenriiiinge“, wiederholte Wobsy skeptisch. „Aber die Meisen mögen doch bestimmt keinen Schmuck. Die wollen Futter und keinen Schmuck“, empörte sich Wobsy.

„Ach Wobsy!“, die Teddymama nahm Wobsy auf den Arm und lachte herzhaft auf. „Meisenringe, oder auch Meisenknödel, sind mit Vogelfutter gefüllte Pappringe oder Futterkugeln im Netz. In der Regel mit Talg, in dem sich Körner befinden. Das picken die Vögel dann auf“, erklärte die Teddymama. „Komm, wir ziehen uns jetzt an und gehen einkaufen! Vielleicht bekommen wir ja jetzt zum Ende des Winters noch ein Vogelhäuschen und Futter.“

„Au jaaaaaaaaaaa!“, rief Wobsy begeistert und schlug übermütig einen Purzelbaum. Dann lief er zur Terrassentür und klopfte dagegen. „Warte nur, kleine Meise, gleich bekommst Du was zu Picken!“, brummte Wobsy.

 

Wenig später kamen die Teddymama und Wobsy vom Einkaufen zurück. Unterwegs hatte Wobsy seine beiden Freunde Lisa und Mercy getroffen, die ihn und die Teddymama nun nach Hause begleiteten und beim Tragen halfen.

Wobsy erzählte seinen beiden Freunden von der kleinen Meise und konnte es kaum erwarten, endlich das Vogelhäuschen aufzustellen.

Wieder zu Hause, lief Wobsy gleich zur Terrassentür, während Lisa das Vogelhäuschen auspackte.

Die drei Freunde suchten gemeinsam einen geeigneten Platz für das Häuschen und entschieden sich schließlich für den alten Baumstumpf, der schon fast von dem Efeu zugerankt war. Während Lisa das Vogelhäuschen auf dem Baumstumpf festhielt, schraube es die Teddymama fest.

Als es sicher stand, wurde das Häuschen von Wobsy und Mercy mit Sonnenblumenkernen gefüllt. Anschließend hängten die Drei noch einige Meisenringe und Meisenknödel auf.

„So, nun müssen wir aber hinein gehen, damit die Vögel ihr neues Futterhaus auch entdecken können“, sagte die Teddymama. Die Drei gingen hinein und machten es sich auf dem Sofa bequem. Während sie das Futterhäuschen beobachteten, kochte die Teddymama für die drei Freunde einen heißen, wärmenden Kakao.

Die Freunde mussten nicht lange warten, bis ein erster Gast in das Futterhäuschen kam.

„Da.. da!“, rief Wobsy aufgeregt. „Das ist unsere Meise. Schaut nur, sie pickt an dem Meisenring.“

Die Teddymama und die drei Freunde beobachteten die kleine Meise, die sich geschickt an dem schaukelnden Ring festhielt. Es dauerte gar nicht lange, bis weiter Gäste das Futterhäuschen besuchten, um ihren Hunger zu stillen.

Nachdem Wobsy die Vögel eine Weile beobachtet hatte, krabbelte er zu seiner Teddymama auf den Arm, drückte sie und brummte ein zufriedenes, leises „Danke schön“.

© 2005 by Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach