Wobsy fährt Eisenbahn
Noch wenige Tage bis Weihnachen und im Haus herrschte ein seltsames Treiben.
Hier und da wurden Geschenke verpackt, Kekse und Pralinen gebacken und
Einkaufzettel geschrieben. Gestern musste Wobsy sogar vor der verschlossenen
Wohnzimmertür warten und hatte „Zimmereintrittverbot“, weil hinter der
verschlossenen Tür irgendwelche merkwürdigen Dinge geschahen. Zumindest sagte
das die Teddymama.
Und heute… da war plötzlich ein seltsamen Klappern und Scheppern aus dem
Wohnzimmer zu hören. Dabei saß die Teddymama doch in ihrem Zimmer.
„Wer treibt sich denn da im Haus herum“, dachte sich Wobsy und tapste ins
Wohnzimmer. Gerade als er um die Ecke kam, stieß er mit seiner Nase gegen einen
großen Karton.
„Auuuaaaaaaaaa“, brummte er und plumpste auf seinen Popo. Nachdem er sich von
dem Schreck erholt hatte, schielte Wobsy vorsichtig um den Karton herum. Da saß
doch tatsächlich „He-du-da“ auf dem Boden und bastelte an einer Eisenbahn herum.
„He-du-da“ ist der Mann von der Teddymama, also quasi der Teddypapa (aber das sagt
keiner der Bären zu ihm). He-du-das Augen leuchteten beim Basteln und Werkeln
mit der Eisenbahn voller Vorfreude wie die Augen eines Kindes bei der
Bescherung.
„He-du-da, was machst Du denn da?“, brummte Wobsy und rieb sich die eben platt
gedrückte Nase.
He-du-da sah sich um und entdeckte Wobsy neben dem Karton. „Ich baue die
Weihnachtseisenbahn auf“, sagte He-du-da zu Wobsy und fuhr damit fort, die
Kontakte der Bahn zu säubern.
„Eisenbahn? Eeeecht“, brummte Wobsy begeistert. „Darf ich Dir helfen?“
„Dafür hast Du zu tapsige Pfoten“, sagte He-du-da. „Aber wenn Du brav bist,
darfst Du später mit der Eisenbahn mitfahren.“
„Au jaaaaaaaa“, jubelte Wobsy und schlug gleich mehrere seiner weltbekannten
Purzelbäume.
„Aber erst musst Du eine Fahrkarte lösen. Oder zwei, Hin- und Rückfahrt“ ,
bremste He-du-da Wobsys überschwängliche Freude. „Aber Du musst Dich beeilen,
eine Fahrt habe ich schon versprochen…. ahm verkauft.“
“Mache iiiiiich!“; rief Wobsy, machte auf den Pfoten kehrt und lief so schnell
es ging zur Teddymama. „Maaaaaamaaaaaaaaaaa!“, hallte es durchs Haus. „Maaamaaaa!“
„Was ist denn los, Wobsy? Warum schreist Du so“, wollte die Teddymama wissen und
fing ihren Wobsy auf, bevor er ausrutschte und schon wieder auf seinen Po fiel.
„Ich.. ich werde… wenn die fertig ist… Eisenfahrer… neee…. Weihnachtdampfeisen….
Ich brauche Lösen, oder so“, brummte Wobsy aufgeregt.
„Nun mal ganz in Ruhe und langsam, Wobsy“, versuchte die Teddymama Wobsy zu
beruhigen und hielt ihm das Honigglas entgegen. „Was wirst Du und was brauchst
Du wofür?“
Nachdem Wobsy eine Pfote Honig genascht und sich etwas beruhigt hatte, erzählte er der
Teddymama von seinem Erlebnis.
„Im Wohnzimmer sitzt He-du-da auf dem Boden und baut eine Eisenbahn auf. Die
fährt unter dem Tannenbaum, glaube ich, … und ich, ich darf da mitfahren. Und
vielleicht werde ich ja Eisenbahnfahrteddy, oder so. Auf jeden Fall hat He-du-da
gesagt, wenn ich da mitfahren will, muss ich Fahrkarten haben. Oder Fahrlose.
Und dafür will er lösen, oder so“, brummte Wobsy aufgeregt.
Die Teddymama lachte herzhaft auf und drückte ihren Wobsy. „Du brauchst keine
Lose, Wobsy. Du sollst eine Fahrkarte lösen, also bezahlen. Wie viel kostet denn
so eine Karte?“, wollte die Teddymama wissen.
„Zwei, zwei Karten brauche ich“, brummte Wobsy. He-du-da hat gesagt eine für die
Hin- und eine für die Rückfahrt“.
„Also gut, was sollen die Karten denn kosten?“
Wobsy überlegte einen Moment und zuckte mit den Schultern. „Das hat He-du-da
nicht gesagt“, brummte er leise und sprang auf. „Warte, ich gehe mal fragen.“
„Halt hiergeblieben“, stoppte die Teddymama ihren Bären. „Hier, nimm eine von
den selbst gemachten Rumkugeln mit, das müsste reichen“
Wobsy nahm die Rumkugel und zögerte einen Moment. Fast aus der Tür, drehte er
sich noch einmal um und schaute die Teddymama nachdenklich an. „Vielleicht…
vielleicht sollte ich doch besser zwei mitnehmen“, brummte Wobsy leise und
gespielt nachdenklich. „Nur, falls die Karten doch teurer sein sollten…“
„Oder, falls Wobsy selbst eine naschen will?“, fügte die Teddymama hinzu, die
ihren Wobsy nur zu gut kannte.
Wobsy lief rot an und schüttelte verlegen den Kopf. „Nööööö. Na ja, vielleicht
wenn…. für.. für wenn ich unterwegs eine Pause mache. Als Marschverpflegung“,
versuchte Wobsy zu erklären.
Wobsy nickte heftig mit dem Kopf. „Und außerdem… wer weiß, wann die Bahn fährt.
Du weißt doch, die Bahn fährt immer… zu spät.“
Über so viel Schlagfertigkeit musste die Teddymama dann doch lachen und drückte
Wobsy zwei weitere Rumkugeln in die Pfoten.
Als die Teddymama mit ihrer Arbeit in der Küche fertig war, ging sie ins
Wohnzimmer, um zu schauen, was sich dort tat. Die Eisenbahn zog ihre Kreise unter
dem Tannenbaum und Wobsy saß begeistert im zweiten Waggon. Plötzlich fiel eine
Christbaumkugel von dem Tannenbaum und blieb genau auf den Gleisen liegen.
„Vorsicht! Hindernis auf den Schienen!“, rief die Teddymama, doch da war es
schon zu spät. Die Lok stieß gegen die Kugel, die klirrend in sich zusammen fiel
und der Zug entgleiste. Durch den Ruck war Wobsy aus dem Waggon gefallen und saß
nun neben der Eisenbahn.
„Typisch Eisenbahn“, brummte er und rieb sich den Po. „Erst zu spät kommen und
dann nicht ankommen. Das kostet aber einen Gutschein…..“
„Aber nur, wenn Du mir beim reparieren hilfst“, sagte He-du-da und hob Wobsy
hoch. „Abgemacht“, stimmte Wobsy zu. „Wo ich doch der Weltbeste
Eisenbahnreparierer bin…“
He-du-da und die Teddymama schauten sich schmunzelnd an und wie aus einem Mund
sagten sie zu Wobsy: „ Ja Du weltbester Alleskönner!“
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2008