Wobsy und die kleine Lisa

Wobsy hatte Langeweile und tapste auf seinen kleinen Bärenpfoten durch das Haus. Vor der großen Terrassentür blieb er stehen und schaute hinaus. Die Sonne schien und es war ein wunderschöner Sommertag. Wobsy konnte in den Graten sehen und auf den dahinter liegenden Spielplatz. Dort spielten viele Kinder. Sie tobten, spielten fangen und verstecken. Sie lachten und waren ausgelassen fröhlich. Nur ein kleines Mädchen saß traurig etwas abseits auf einer Bank und schaute den anderen Kindern zu.

Wobsy erblickte das Mädchen und auch seine Teddyseele schmerzte plötzlich. Vorsichtig drehte sich Wobsy um, um nach seiner Teddymama zu schauen. Sie saß an ihrem komischen Kasten, auf dem man Bilder erkennen kann. “PC”, nannten die Menschen diese Dinger. Ganz leise und fast heimlich huschte Wobsy aus der Terrassentür und tapste mit seinen kleinen Pfoten über den Rasen und lief zum Zaun, der um den Spielplatz gezogen war.

 Wobsys Mama hatte natürlich bemerkt, wie der kleine Schelm auf Wanderschaft ging. Doch sie ließ ihn in dem Glauben, heimlich entkommen zu sein und schaute Teddy lächelnd aber mit wissenden Augen nach. Wobsy lief tapsig zu dem Spielplatz und blieb dicht am Zaun stehen. Nachdenklich schaute er das traurige Mädchen an, das ihn zunächst gar nicht bemerkt hatte.

 “Na Du!”, rief Wobsy, doch das kleine, traurige Mädchen schien ihn nicht zu hören. “Na Duuuu!” rief Wobsy erneut und dies Mal  drehte sich das Mädchen zu ihm um. Als es Wobsy hinter dem Zaun stehen sah, begannen ihre Augen ein wenig zu strahlen und ein Lächeln huschte über ihr trauriges Geicht. Das Mädchen stand auf, ging zum Zaun und hockte sich vor Wobsy auf den Boden.  Langsam schob das Mädchen ihren Finger durch den Zaun und kitzelte Wobsy an der Nase. Er musste niesen und fing lustig an zu kichern.

“Wer bist Du denn?”, hörte Wobsy das kleine Mädchen fragen.

 “Ich bin Wobsy... und Du?”, rief der kleine Teddy zurück.

 “Ich bin die Lisa”, schniefte die Kleine.

 “... und wieso bist Du so traurig, Lisa?”, fragte Wobsy neugierig mit seiner süßen Teddystimme.

 Das Mädchen schaute traurig zu Boden und kraulte Wobsy gedankenverloren im weichen Fell.

 “Weißt Du Wobsy”, begann die Kleine an zu erzählen, “die anderen Kinder haben alle viel mehr Spielsachen als ich und so teure und chice Anziehsachen. Wir aber sind arm, und darum bin ich so traurig. Ich habe nur ganz wenige Spielsachen und so einen Teddy wie Dich habe ich auch nicht”, schluchzte die kleine Lisa.

 Wobsy sah die Kleine nachdenklich an und reckte seine Teddyarme in die Höhe. Lisa beugte sich über den Zaun, hob Wobsy hoch und setzte ihn in ihren Schoß.

 “Höre mal, Lisa”, sagte Wobsy und erklärte ihr::

“Ich kenne einen Teddy, der lebt bei einen ganz reichen Mädchen. Die Eltern sind so reich, dass sie ihm jeden Wunsch sofort erfüllen. Es hat unzählige Puppen, Teddys und anderes Spielzeug und der Teddy wohnt in einem fast traumhaften Zimmer. Diesem Teddy könnte es eigentlich sehr gut gehen, Lisa. Aber Teddy ist genauso traurig wie Du jetzt, Lisa. Er fühlt sich in all dem Reichtum einsam. Das Mädchen hat nämlich soooo viele Spielsachen, Lisa, dass es den Teddy gar nicht mehr beachtet und bemerkt. Ein anderer Teddyfreund, der bei einem ganz armen Mädchen lebt, ist da viel glücklicher. Dieses Mädchen hat kaum Spielsachen so wie Du. Und so gibt es seinem Teddy ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit.

Nicht der Reichtum zählt, Lisa, sondern die Liebe und Aufmerksamkeit, die Du bekommst und die Du schenkst.”

 Die kleine Lisa schaute Wobsy einen Moment lang nachdenklich an, dann rollten ihr dicke Tränen über die Wange.

 „Aber ich habe ja nicht mal einen Teddy zum lieb haben“, schluchzte sie.

 Wobsy kletterte zurück in den Garten und lief durch das Gras zurück zum Haus, wo die Teddymama noch immer am PC saß. Wobsy kletterte auf ihren Schreibtisch und fing sofort an, aufgeregt zu erzählen. Seine Teddylaute purzelten nur so heraus und seine Teddymama musste herzhaft lachen.

 „Langsam Wobsy, ich verstehe ja kein einziges Wort“, lachte die Teddymama und nahm Wobsy auf den Arm.

 Immer noch aufgeregt, aber langsam fing Wobsy an, von dem traurigen Mädchen zu erzählen und meinte, dass man ihr uuuuunnnnbedingt helfen müsse. Mit Wobsy auf dem Arm ging die Teddymama auf den Spielplatz zu der kleinen Lisa.

 Lisa stand auf und ihre Augen fingen erneut an zu leuchten, als sie Wobsy sah.

 „Darf ich den haben, Tante“, fragte sie mit stockender Stimme und zeigte dabei auf Wobsy, der sich sofort etwas ängstlich an seiner Teddymama festklammerte.

Die Teddymama strich Lisa sanft über das Haar und hockte sich vor ihr hin. „Nein Lisa, Wobsy kannst Du nicht haben. Sie mal, er ist hier zu Hause und wenn Du ihn mitnimmst, dann wäre Wobsy sehr traurig und unglücklich. Das willst Du doch nicht, oder?“

 Lisa schüttelte traurig ihren Kopf.

 „Aber warte mal.... “, sagte die Teddymama und ging zurück ins Haus. Sie hatte vor wenigen Tagen einen kleinen alten, sehr Abgeliebten, ja fast schäbigen Teddy gefunden. Irgendjemand hatte ihn achtlos neben die Mülltonnen geworfen. Die Teddymama hatte ihn aufgehoben, mit nach Hause genommen und gesäubert. Sie nahm den Teddy und ging mit ihm zurück zu Lisa.

 „Sieh mal Lisa, das ist Mercy. Er ist auch traurig. Möchtest Du ihm ein neues zu Hause geben und ihn lieb haben?“

 Lisas Augen leuchteten auf und sie drückte den Teddy mit viel Gefühl und Liebe an ihr Herz.

 Wobsy verabschiedete sich von Mercy und Lisa mit dem Versprechen, und Teddybären brechen ihre Versprechen nicht, dass sie sich hier auf dem Spielplatz sicherlich wieder sehen werden.

 

© 2004 by A. Redmann / J. Kraußlach