Wobsy ist eifersüchtig auf Knut
Wobsy saß auf dem Sofa und gab sich seiner Lieblingsbeschäftigung hin – Honig
naschen.
Immer wieder tauchte er seine Teddypfote in das Honigglas und ließ sich den
goldenen Nektar schmecken.
„Willst Du auch mal?“ fragte er großzügig und hielt der Teddymama das Honigglas
hin, als sie sich neben ihn setzte und den Fernseher einschaltete.
„Nein danke, Wobsy“, lehnte die Teddymama schmunzelnd ab. „Aber schau, dort.“
Die Teddymama machte Wobsy auf den Bericht im Fernsehen aufmerksam.
Zu sehen war ein kleiner Eisbär, der tapsig sein neues Gehege erkundete und mit
seinem Pfleger spielte.
„Süüüüüß!“, brummte Wobsy und wollte vor Begeisterung einen Purzelbaum schlagen,
doch die Teddymama hielt ihn gerade noch davon ab.
„Aber nicht mit den klebrigen Pfoten, Wobsy“, sagte sie. Schnell schleckte Wobsy
seine honigklebrige Pfote sauber und hielt sie der Teddymama entgegen.
„So besser?“, wollte er wissen und noch ehe die Teddymama antworten konnte,
purzelte er übermütig über das Sofa.
„Wer ist der weiße Kumpel da?“, wollte Wobsy wissen und verfolgte interessiert
den Bericht.
„Das ist Knut, ein kleiner Eisbär“, erklärte die Teddymama. „Er wurde als Baby
von der Bärenmama verstoßen und ein Mensch hat ihn mit der Hand und Flasche
aufgezogen.“
„Uiiiii, dann hat Knut auch einen eigenen Menschen?“, überlegte Wobsy laut.
„Ja“, sagte die Teddymama.
Wobsy verfolgte gespannt den Bericht und hörte, das einige Menschen, die sich
„Tierschützer“ nennen, Knut tot spritzen wollten. Empört stellte sich Wobsy auf
und stemmte seine Pfoten in die Seiten. „Die spinnen wohl!“, motze Wobsy empört.
Die Teddymama nahm Wobsy auf den Arm, um ihn zu beruhigen. „Ja, Wobsy, die
spinnen wirklich. Aber die tierlieben Menschen und die Medien haben Knut
gerettet.“
„Was sind denn Medin?“, wollte Wobsy wissen.
„Medien, Wobsy. Fernsehen, Zeitung und Radio nennt man Medien.“
„Und warum haben die Meni… das Fernsehen Knut gerettet?“, hakte Wobsy nach.
„Weil Knut durch die Medienberichte weltberühmt wurde“, erklärte die Teddymama.
„Eigentlich waren die Reporter in Berlin, um von einem Gipfeltreffen in Berlin
zu berichten, aber Knut hat allen die Show gestohlen.“
„Ist der Gipfel in Berlin denn hoch? Liegt da noch Schnee drauf?“, wollte Wobsy
wissen und die Teddymama musste nun doch schmunzeln.
Noch ehe die Teddymama antworten konnte, ließ sich Wobsy auf seinen Po plumpsen
und verschränkte die Arme vor der Brust. Dabei war ein leises „Mennooo“ zu
hören.
„Was ist denn mit Dir los?“, wollte die Teddymama wissen. „Warum bist Du denn
auf einmal so sauer?“
„Weil ich schon viiiel älter bin als dieser Knut. Der ist noch ein Teddybaby und
ist schon weeeltberühmt.“ Mit diesen Worten sprang Wobsy auf, kletterte vom Sofa
und verschwand kurz. Als er wieder zurück kam, trug er seinen Rucksack in der
Hand und fing an, einige Sachen zu packen.
„Was hast Du vor?“, wollte die Teddymama wissen und beobachtete Wobsy beim
Rucksack packen.
„Ich wandere aus“, motzte Wobsy.
„Aha und wohin wanderst Du?“, fragte die Teddymama.
„Nach Bärlin in den Zoo, wo die Jolisten, oder wie die heißen, sind. Und wenn
ich dann in Bärlin bin, gehe ich zu meinem Kumpel Knut und wir werden dann beide
weeeeltberüüühmt“, motzte Wobsy überzeugt.
Inzwischen war der Fernsehbericht vorbei und die Teddymama schaute sich am PC
noch einige Bilder und Videos von Knut an.
„Hast Dich wohl teddybärenfremdverliebt was?“, brummte Wobsy ein wenig beleidigt
und schielte auf den Bildschirm.
„He, Du bist ja eifersüchtig“, neckte die Teddymama ihren Wobsy ein wenig.
„Bin gar nicht eisüchtig. Ich mag gar keine Eier. Solltest Du wissen. Nur
Hoooonig!“, motzte Wobsy weiter und stopfe weitere Dinge in seinen Rucksack.
„Ach Wobsy, ich finde den Knut wirklich richtig süß. Aber Du bist für mich der
allergrößte. Du musst also nicht eifersüchtig sein.“
„Pah, willst Dich ja nur einschleimen“, brummte Wobsy beleidigt und schielte mit
einem Auge auf den PC. Dabei sah er, wie der kleine Eisbär Knut ziemlich unsanft
mit einem Stofftier spielte und herumtollte. Immer wieder nahm er das Stofftier
in die Schnauze, biss hinein und warf es weg.
„Ähm… also“, stotterte Wobsy beim Anblick der Bilder kleinlaut, „ich wäre ja
gerne weltberühmt, aber ich kann Dich ja hier nicht alleine lassen. Außerdem
habe ich Dich auch viel zu lieb.“ Dabei kuschelte sich Wobsy bei der Teddymama
an und beobachtete weiter, wie Knut mit dem Stofftier spielte.
„Vielleicht können wir ja mal nach Berlin fahren und uns Knut aus sicherer
Entfernung mal etwas näher ansehen“, schlug die Teddymama vor.
„Au jaaaaaaaaa“, brummte Wobsy übermütig und wollte wieder einen seiner
Purzelbäume schlagen. Dabei vergaß er völlig, dass er noch seinen Rucksack auf
dem Rücken trug und so plumpste er unsanft auf dem Po.
„Manchmal bist Du genauso tapsig wie Knut“, lachte die Teddymama und drückte
Wobsy an sich.
„Und ich bleibe so wie ich bin und werde kein Raubtier!“ Wobsy hatte gerade
gehört, dass Knut bald auf seinen Menschen verzichten muss und alleine in seinem
Gehege sein wird.
„Da bleibe ich lieber unweltberühmt, aber knuddel- und purzelbaumsüchtig.“ Und
schon hatte die Teddymama einen dicken Schmatzer auf der Wange.
© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2007