Wobsy schreibt an Kunigunde

Inzwischen war der Sommer ins Land gegangen und es ist Herbst geworden.
Die Bäume werfen langsam das bunte Laub ab und kleine Teddybären wie Wobsy ziehen sich mehr und mehr ins Haus zurück.
Auch heute saß Wobsy da, gönnte sich eine Pfote und schaute verträumt aus dem Fenster in den Garten. Er hatte gerade seine Pfote abgeschleckt, als er hochsprang und zu seiner Teddymama lief.
„Duuuuhu Mama, Maaaamaaaa!“, brummte Wobsy und stupste seine Teddymama an, die am PC arbeitete.
„Was hast Du denn Wobsy?“, fragte die Teddymama und unterbrach ihre Arbeit.
„Sage mal… was denkst Du macht eigentlich… mmhhhh Kunigunde? Ob sie mich wohl inzwischen vergessen hat?“, überlegte Wobsy ein wenig traurig.
„Das glaube ich nicht, Wobsy. Aber wir können ihr ja mal eine e-Mail schreiben“, schlug die Teddymama vor.
„Au jaaaaaaaaaaaa“, brummte Wobsy verlegen und wurde ein wenig rot. „Aber… aber Du tippselst“, bestimmte Wobsy. „Schließlich ist es Deine Schuld, das wir solange nichts von Kunigunde gehört haben:“
„Wieso ist das meine Schuld?“, wollte die Teddymama wissen und schaute Wobsy fragend an.
„Ganz einfach weil…. brummm… Du schuld bist. Du hast Kunigunde gesagt, dass Du viel zu tun hast, mit Haus anfärben und damit, MEINE Kumpels in Säcke zu stecken!“, erklärte Wobsy mit strengem Gesicht, stampfte mit der Pfote auf und stemmte seine Pfoten in die Seiten. „Oder etwa niiiiiiiiiicht?“
Die Teddymama musste lachen. Ja, das war typisch Wobsy und genau das machte den kleinen Freund so einzigartig. (Artig? Na ja, einzigfrech würde wohl besser passen. Aber pssst, nicht das es Wobsy hört)
„Ja, Wobsy, Du hast ja Recht“, versuchte die Teddymama den kleinen Bären zu beruhigen. „Aber das heißt anstreichen, nicht anfärben.“
„Anfärben, anstreicheln… ist doch so bääääääääääärenegal! Los komm, Kunigunde tippseln“, forderte er mit Nachdruck.
Dem konnte sich die Teddymama natürlich nicht widersetzen und schon begannen die beiden, eine e-Mail an Kunigunde zu schreiben:

Hallo Kunigunde, ich bin es, der Wobsy!

Ich hoffe, Du hast mich noch nicht vergessen. Wir haben uns im Sommer kennen gelernt. Und dann hatte meine Teddymama soooooooo viel zu tun (sagte sie jedenfalls,) dass sie nicht für mich tippseln konnte. Ich habe ja viel zu große Pfoten für die Tastatur. Erst hat sie alle meine Kumpels hier in Plastiksäcke gesteckt (das war vielleicht ein Protestgebrumme sage ich Dir) und dann hat sie hier im Haus geräumt, gerückt und gestreichelt. Ne.. warte... ähm, also Farbe an die Wände… gestrichelt? Ne, brumm, gemalt, oder so.
Auf jeden Fall ist sie jetzt fertig mit renovieren (oder so) und kann auch mal wieder mehr für mich tippseln. Obwohl sie schon wieder sagte, sie hätte gar keine Zeit, weil sie ein neues Buch macht. Also eins mit ihren Harakuries (*Haikus* die Teddymama), oder wie die Dinger heißen. Aber da habe ich protestiert. Jetzt bin ich erst mal wieder an der Reihe und meine Bärenpost muss ja auch mal erledigt werden.
So, liebe Kunigunde (rot werde) dann sende ich Dir erst einmal gaaaanz liebe, bäääärige Grüße und einen süßen Bärenbussel,
Dein Wobsy


„Na, dann wollen wir Deine Liebesmail mal abschicken, Wobsy“, sagte die Teddymama lächelnd und kassierte dafür einen Knuff von Wobsy, der rot anlief.
„Hoffentlich antwortet Kunigunde“, überlegte Wobsy laut und tauchte seine Hand in das Honigglas….

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006