Wobsy sorgt sich um den Findel-Teddy

Der Findelteddy schlief auf der Couch in den weichen Kissen und eingehüllt in eine kuschelige Wolldecke sehr schnell ein. Leise verließen die Teddymama und Wobsy das Wohnzimmer und gingen in die Küche.
Am Küchentisch wollte die Teddymama nun den Adventskranz binden und verzieren und Wobsy wollte ihr dabei unbedingt helfen.
Während sie den Kranz aus den Tannenzweigen banden und mit roten Schleifen, kleinen Tannenzapfen und goldenen Kerzen verzierten, fragte Wobsy seine Teddymama aus:
„Wie geht es jetzt weiter mit dem Findelteddy? Ist er sehr krank? Wird er wieder gesund? Kann er irgendwann wieder nach Hause?“
Die vielen Fragen purzelten nur so aus ihm heraus. Die Teddymama hatte sich die Fragen geduldig angehört, bis Wobsy endlich verstummte. Dann erklärte sie Wobsy:
„Der Teddy ist ziemlich krank, aber ich denke nicht hoffnungslos krank. In den Wochen die er im Wald verbracht hat, ist ihm die Feuchtigkeit bis ins Innere gekrochen. Das ist eigentlich schlimmer als die abgewetzten und unansehnlichen Pfoten, aus denen schon die Holzwolle quillt. Wir müssen ihn jetzt erst einmal behutsam stärken. Er braucht viel Wärme und Trockenheit. Er darf sich nicht zu viel bewegen, damit die Feuchtigkeit nicht noch tiefer in ihn eindringt und seine Gelenke angreift. Du darfst also nicht mit ihm herumtollen. Wenn er dann seine „Erkältung“ gut überstanden hat, wird der Teddydoktor ihn in seine Klinik holen und seine Pfoten operieren. Nach der Operation holen wir ihn dann zur weiteren Genesung wieder nach hier. Erst wenn er gesund ist, werden wir für ihn ein neues Zuhause suchen. Er darf allerdings nicht mehr in die falschen Hände. Er braucht ein Zuhause, wo es sehr ruhig und gemütlich zugeht.“
„Was ist mit seinem abgewetzten Plüsch? Wächst das nach der Oppation auch nach?“
Ganz aufmerksam hatte Wobsy zugehört, aber es sprudelten nur noch mehr Fragen aus ihm heraus.
„Wobsy, das heißt Operation. Die Pfoten kann der Teddydoktor ersetzen und heilen, aber sein Fell natürlich nicht. Weißt Du, unser Findel-Teddy ist schon ein sehr alter Teddy. Wenn Du einmal so alt bist wie er, hast Du sicherlich auch lichteres Fell.“
„Ja, wie der Mercy. Er ist zwar noch nicht so alt, aber er hat uns mal erzählt, dass ihm jemand an seinem Teddyfell mit einer Schere herum geschnitten hat. Das wächst ja auch nicht mehr nach. Aber nun wärmen ihn ja die Anziehsachen. Bekommt der Findel-Teddy auch Kleidung?“
Bevor die Teddymama auch diese Fragen beantworten konnte, hörte sie aus dem Wohnzimmer ein klägliches Stöhnen und Husten. Sofort ging sie zu ihrem kleinen Patienten und Wobsy folgte ihr ganz leise.

Der Findelteddy hatte beim Schlafen ganz dolle geschwitzt und fühlte sich nicht mehr wohl auf den nun feuchten weichen Kissen und unter der ebenso feuchten Kuscheldecke. Behutsam hob die Teddymama den Findelteddy hoch und rubbelte ihn mit einem weichen Frottiertuch vorsichtig ab:
„Du musst Dich ganz schrecklich fühlen, armer Teddy!“ sagte die Teddymama in einem ganz fürsorglichen Ton und fuhr fort: „Das Schwitzen hat Dir aber auch gut getan. Du wirst Dich bald besser fühlen.“
Sie setzte den Teddy kurz eingehüllt in das Frottiertuch auf dem Sessel ab und richtete ihm eine neue Bettstatt.
„Ich bin immer noch ganz schrecklich müde!“ klagte der kranke Teddy.
„Dann musst Du noch ganz viel schlafen!“ antwortete Wobsy.
„Ja, Du schläfst Dich gesund!“ ergänzte die Teddymama, bettete ihn in die sauberen und trockenen Kissen unter eine frisch bezogene Decke und setzte sich mit Wobsy zu dem kranken Teddy bis er wieder eingeschlafen war.

 

© Andrea Redmann / Jürgen Kraußlach 2004