Wobsy und die Zitronenfalter
Es war ein schöner Sommertag und Wobsy, Lisa und Mercy spielten im Garten.
Wobsy lag im Gras und beobachtete gerade eine Biene, die fleißig Nektar
sammelte. Er wusste, dass daraus später sein heiß geliebter Honig würde.
Plötzlich tanzte ein heller, gelber Falter vor seinem Gesicht herum und setzte
sich schließlich keck genau auf seine Nase. Wobsy musste leise kichern, denn der
zarte Falter kribbelte seine feine Nase.
„Was ist das denn für ein zartes Kerlchen?“, fragte er mehr sich selbst.
„Das ist ein Zitronenfalter“, hörte er Lisa sagen, die mit Mercy vorsichtig
näher kam, um den Falter besser beobachten zu können. Er saß noch immer ganz
ruhig auf Wobsys Nase und ruhte sich aus.
Wobsy konnte dem Kribbeln nicht länger widerstehen und musste laut niesen.
Natürlich flatterte der Schmetterling sofort weg, umkreiste noch einmal Mercys
Kopf und setzte sich schließlich auf eine wunderschöne Rose. Die drei Freunde
konnten ihn noch eine ganze Weile beobachten, ehe er endgültig fort flog.
„Wie hieß der Falter noch mal?“, fragte Wobsy neugierig, während er dem
Schmetterling nachschaute.
„Der Schmetterling heißt Zitronenfalter“, erklärte Lisa noch einmal.
„Zitronenfalter, Zitronenfalter, ... mmmmh. Zitronenfalter“, brummte Wobsy immer
wieder leise vor sich hin.
Noch eine ganze Weile beobachteten Wobsy, Mercy und Lisa die vielen Insekten,
die es im Garten zu finden gab.
Gerade den Ameisen schien die Hitze des Sommertages überhaupt nichts
auszumachen. Emsig krabbelten sie immer wieder aus dem kleinen Ameisenhaufen
heraus und schwer beladen wieder hinein.
Zum Abendessen rief die Teddymama Wobsy herein und Lisa und Mercy gingen heim.
Für Wobsy gab es Honigmelone. Später saß seine Teddymama noch auf der Terrasse,
um die angenehme Abendluft zu genießen.
Wobsy schlich sich derweil in die Küche und machte sich am Obstkorb zu schaffen.
So bemerkte er auch gar nicht, dass die Teddymama wieder ins Haus gekommen war
und ihn durch die Durchreiche zur Küche beobachtete.
Wobsy saß auf dem Küchentisch und starrte auf die Zitrone, die er aus dem Korb
geholt hatte. Die Zitrone war für Wobsy ganz schön schwer und ganz und gar nicht
mit dem zarten Zitronenfalter zu vergleichen.
Er hockte sich davor, kniete daneben und legte sich flach auf den Teddybauch, um
die gelbe Zitrone von allen Seiten begutachten zu können. Dann nahm er sie
zwischen seine Pfoten, drückte sie und versuchte, sie zu verbiegen.
Dabei brummte er leise kopfschüttelnd und ein bisschen beleidigt vor sich hin.
„Lisa hat mich verkohlt!“
„Was machst Du da, Wobsy?“, fragte die Teddymama, während sie Wobsy schmunzelnd
zusah, wie er sich mit der Zitrone beschäftigte. „Und warum hat Dich Lisa
verkohlt?“
Wobsy zuckte erschrocken zusammen und brummelte weiter vor sich hin, während er
mit aller Kraft versuchte, die Zitrone auf irgendeine Art und Weise zu verformen
oder gar zu falten.
„Nun erzähle schon“, drängte die Teddymama.
Matt ließ er sich schließlich auf seinen Teddypopo plumpsen.
„Na gut“, begann Wobsy seiner Teddymama zu berichten. „Also, vorhin im Garten,
da war ein gelber Falter. Der war ganz zart und hat sich dann auf meine Nase
gesetzt. Das hat vielleicht gekitzelt.... hihi. Lisa hat mir dann gesagt, dass
das ein Zitronenfalter ist...“.
Wieder brummte Wobsy beleidigt vor sich hin.
„Ja und warum hat sie Dich deswegen verkohlt, Wobsy?“, wollte die Teddymama
wissen.
„Na, ganz einfach“, brummte Wobsy weiter vor sich hin und schaute dabei auf die
vor ihm liegende Zitrone. „Wenn ich starker Teddy mit meinen Pfoten die Zitrone
nicht mal drücken kann, wie soll das dann so ein zarter Falter schaffen. Und vor
allem, wie soll denn der Falter diese für ihn riesengroße Zitrone falten? Das
geht doch gar nicht...! Oder warum entfaltet sich aus dieser Zitrone kein
Falter? Darum hat mich Lisa verkohlt und das finde ich gemein!“, brummte Wobsy.
Die Teddymama schaute erst auf die Zitrone, dann auf Wobsy und lachte
schließlich laut auf.
Sie nahm Wobsy in den Arm und drückte ihn fest an sich.
„Aber Wobsy, Lisa hat Dich doch nicht verkohlt. Diese Schmetterlinge heißen doch
nur Zitronenfalter, weil sie so eine gelbe Farbe haben wie die Zitronen auch.
Das heißt aber nicht, dass sie auch Zitronen falten, oder sich aus Zitronen
entfalten!“, erklärte die Teddymama lachend.
„Ach sooooooooo“, brummte Wobsy kleinlaut und lief ein wenig rot an. „So wie es
Braunbären gibt und.... und Eisbären und Schwarzbären....?“.
„Ja genau, Wobsy“, stimmte die Teddymama zu. „Und Himbeeren und Erdbeeren....“.
„Jetzt willst Du mich aber verkohlen“, brummte Wobsy kichernd und gab seiner
Teddymama einen Knuff mit der Pfote.
„Stimmt, Wobsy!“, sagte die Teddymama und beide lachten.
Nun nahm die Teddymama ihren kleinen Wobsy mit auf die Couch ins Wohnzimmer.
Während sie noch ein paar Seiten in einem Roman las, kuschelte sich Wobsy an
ihre Seite. Plötzlich sprang der kleine Kerl auf. Er lachte und prustete. Er
kicherte und jubelte. Er hielt sich das Bäuchlein und bog sich fast vor lachen.
„Wobsy, was ist denn jetzt los? Lasse mich doch bitte lesen!“
Wobsy versuchte das Lachen zu unterdrücken, damit er seiner Teddymama endlich
sagen konnte, worüber er so lachen musste, aber das dauerte ein kleines
Weilchen. Als er sich endlich gefasst hatte, versuchte er ein ganz ernstes und
wichtiges Gesicht zu ziehen und dann erklärte er feierlich: „Es wäre ja auch
schlimm, wenn der Zitronenfalter aussehen würde wie eine Zitrone, denn dann
müsste meine Teddymama aussehen wie ein Teddy!“
„Du Schlingel! Du hast Dir wohl gerade vorgestellt, wie ich als Teddy aussehen
würde!“
„Ja!“ antwortete Wobsy ganz keck, „und Du sahst als Teddy wirklich zum
Schieflachen aus!“
© 2004 by A. Redmann / J. Kraußlach