Zuckerwatte

Es war Advent und Wobsy schlenderte mit seiner Teddymama über den Weihnachtsmarkt. Der Markt war gut besucht und es war sehr kalt, so war Wobsy in den Rucksack der Teddymama gekrochen und schaute oben heraus. So hatte er auch als kleiner Teddy einen guten Überblick.
Die Teddymama schaute sich gerade an einem Stand Handarbeiten aus dem Erzgebirge an, als Wobsy an ihrem Kragen zupfte.
„Du…. duuuuuu Maaaama!“, drängelte er, bis die Teddymama ihm ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte.
„Was ist denn, Wobsy? Ich wollte mich hier am Stand ein wenig umschauen“, sagte die Teddymama.
„Du Mama, was hat denn das Mädchen da für ein komisches Zeugs in der Hand? Das sieht ja lustig aus.“
Die Teddymama drehte sich um und entdeckte sofort das kleine Mädchen, das Wobsy meinte.
„Das Mädchen isst Zuckerwatte, Wobsy“.
„Zuckerwatte? Das kann man essen? Wie schmeckt denn das?“, wollte Wobsy wissen.
„Ja,Wobsy, Zuckerwatte kann man essen. Sie schmeckt sehr süß und besteht fast nur aus Luft. Wenn Du sieh drückst, bleibt kaum etwas übrig“, erklärte die Teddymama.
„Klar, ist ja auch Watte“, sagte Wobsy allwissend.
Während Wobsy seinen Blick weiter über den Weihnachtsmarkt schweifen ließ, schaute sich die Teddymama weiter an dem Stand um.

Als Wobsy und die Teddymama durchgefroren waren, machten sie sich auf den Heimweg.
„Hat es Dir gefallen, Wobsy?“, fragte die Teddymama ihren Teddy.
„Oh jaaaaaa, das war klasse. Gehen wir bald noch mal?“, brummte Wobsy.
„Wir können ja noch mal mit Lisa und Mercy gehen“, schlug die Teddymama vor. „Und vielleicht kommt ja auch der Findelteddy mit seinem Opa mit!“
„Au jaaaaa“, brummte Wobsy, hüpfte aus dem Rucksack und schlug einige Purzelbäume.
„Aber jetzt gehe ich erst einmal und nehme ein heißes Bad“, sagte die Teddymama und verschwand im Bad, während sich Wobsy eine Pfote Honig gönnte. Während er den süßen Honig schleckte, ließ er sich auf seinen Teddypo fallen und brummte leise vor sich hin.
„Zuckerwatte…. Hmmmm, Zuckerwatte“, brummelte Wobsy nachdenklich. Dann huschte ein breites Grinsen über sein Gesicht. Schnell schleckte er seine Pfote sauber und machte sich ans Werk. Emsig tapste er durchs Haus, besorgte dies und das, bis er schließlich alles beisammen hatte. Auf dem Küchentisch lagen ein langer Schaschlikspieß, ein Beutel mit Watte und der Puderzuckerstreuer. Gut gelaunt und mit breitem Grinsen spießte Wobsy Watte auf den Spieß und zupfte sie locker auseinander. Dann nahm er den Zucker und streute ihn über die Watte.
Wobsy brummte leise vor sich hin, weil der Zucker nicht so recht auf der Watte halten wollte.
Irgendwann war der Küchentisch übersäht mit Watte und Zucker und Wobsy wollte endlich seine erste Zuckerwatte probieren. Genüsslich und voller Vorfreude biss Wobsy in die Watte.
„Bäääääähhhhhh!“, brummte Wobsy, spuckte und wischte sich den Mund sauber.
„Was machst Du denn da?“, fragte die Teddymama, die gerade in die Küche kam und ihren Teddy spuckend und mit verzogenem Gesicht auf dem Tisch sitzen sah.
„Ich habe… bäähh, Zuckerwatte gemacht, aber die schmeckt ja…. wiiiiiiderlich“, brummte Wobsy.
„Aber Wobsy, das ist doch keine Zuckerwatte“, sagte die Teddymama lachend und wischte ihrem Bären den Mund sauber. „Du bist mir schon ein vorwitziger Teddy.“
„Aber… aber das Mädchen auf dem Weihnachtmarkt……“.
„…. hatte Zuckerwatte, ja“, beendete die Teddymama den Satz. Aber das ist doch keine richtige Watte. Zuckerwatte ist reiner Zucker, der geschmolzen wird und dann ganz feine Fäden zieht. Die werden dann auf einen Stab gewickelt“, erklärte die Teddymama ihrem Wobsy, was Zuckerwatte ist.
Wobsy lief rot an und fing leise brummend an, den Küchentisch aufzuräumen. Die Teddymama nahm einen Lappen und half Wobsy beim Saubermachen. Dann nahm sie ihren Wobsy auf den Arm und gab ihm einen Stups auf die Nase.
„Pass mal auf, Wobsy“, sagte die Teddymama. „Morgen gehen wir noch einmal mit Deinen Freunden auf den Weihnachtsmarkt und dann kaufe ich Dir dort eine richtige Zuckerwatte.“
Ein zufriedenes Lächeln huschte über Wobsys Gesicht.
„Aber… aber die schmeckt besser als die hier?“, wollte Wobsy wissen und schaute angewidert auf den Beutel mit Watte.
„Aber ja, Wobsy. Richtige Zuckerwatte wird Dir Schleckermäulchen sicher schmecken. Und vielleicht finden wir ja eine Maschine, mit der man Zuckerwatte auch zu Hause herstellen kann…“.
„Au jaaaaaaaa!“, jubelte Wobsy. „Aber … aber nur, wenn die Zuckerwatte auch schmeckt!“

© Andrea Redmann und Jürgen Kraußlach 2006